musirony - I mori di Valenza
 

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Parco de Retiro



Amilcare Ponchielli [1834 - 1886]

I mori di Valenza

Die Mauren von Valencia


Drama in vier Akten

Libretto von Antonio Ghislanzoni
in italienischer Sprache

Instrumentiert und fertiggestellt durch seinen Bewunderer
Arturo Cadore im Jahre 1910


Uraufführung am 17. März 1914 im Casino Monte Carlo

Darsteller:
Alberigo Delascar,
Führer der maurischen Stämme in Valencia
Elèma, seine Tochter, Konkubine des Königs
Fernando D’Albayada, verlobt mit Carmine
Filippo III. (Felipe III)
König von Spanien
Don Giovanni d’Aguilar,
Vizekönig von Navarra
Carmine (Carmen),
seine Tochter
Il Duca di Lerma,
Herzog von Lerma
Und weitere 

Valencia und Madrid zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts  



INHALTSANGABE


Erster Akt

Erste Szene

Der brennende Sand der Wüste eignet sich nicht, Wohlbehagen zu spenden. Die Vorväter, die ihre Zelte dort aufrichteten, murrten. Der Stammesführer erhob seine Hand, wies auf das Meer und informierte sein Volk, dass jenseits des Meeres Allah für sie großzügig Land geschaffen habe. Damit ist stichhaltig erklärt, weshalb Muslime auf iberischem Boden siedelten und nun Jahrhunderte später noch Heimtatrecht für sich in Anspruch nehmen und sich als Söhne Spaniens bezeichnen.

Das Dunkel der Geschichte soll die prophetischen Worte nicht in Vergessenheit geraten lassen, der Chor hat sie in einen Psalm gekleidet und verkündet den historischen Sachverhalt dem aufmerksam lauschenden Publikum. Eine von schlanken weißen Marmorsäulen gestützte Terrasse gibt einen von Ornamenten umrandeten Torbogen frei, der in das Innere des Palastes führt. Das Anwesen gehört Alberigo Delascar, dem Anführer der in der Region Valencia ansässigen maurischen Stämme.

Zweite Szene

Der Hausherr ist bekümmert, denn der Bote hat einen Brief gebracht, der von Leid kündet. Vergeblich wird Delascar auf seinen Sohn warten, denn dieser schreibt, dass er mit einigen wagemutigen Kameraden in Gefangenschaft geraten sei. Bei dem Versuch, mit Waffengewalt zwei Landsleute gegen die Willkür der Spanier zu schützen, ist er selbst zum Opfer geworden. Der Vater soll sich keine Sorgen machen. Er sei stark und in Treue zum Gott seiner Vorfahren werde er wahrscheinlich sein Leben lassen. Im Moment ist Delascar mit seinen Nerven am Ende, zweifelt an der göttlichen Gerechtigkeit und hält Gnade für eine barmherzige Lüge. Erschöpft setzt er sich auf die Gartenbank. Der Chor setzt seinen Report fort. Vertrauensvoll hatten sie die See gekreuzt. Allah machte sie mächtig und glücklich, doch der feindliche Christengott zerbrach die Altäre und mordete die Könige.

Dritte Szene

Elèma erscheint mit einem Blumenstrauß, um den Vater zu erfreuen. Er hat Tränen in den Augen und Elèma vermutet, dass er ein Geheimnis hütet. Warum öffnet er sein Herz nicht der Einzigen, die ihn liebt? Sie soll den Brief lesen, den er bekommen hat. Himmel! Der Bruder ist eingekerkert. Dann ist es wohl um ihn geschehen. Was kann ein Maure vom Schicksal erwarten in einem Land, in dem der Priester auch der Richter ist?
Elèma hat eine Idee, beim König könnte man um Gnade flehen. Welche Stimme könnte den König schon erreichen? Sein Ohr leiht der König nur dem griesgrämigen Herzog von Lerma. Elèma sieht das anders. Hätte sie Gelegenheit, mit dem König zu sprechen, sie würde alles von ihm erreichen. Sie ist sich sicher, weil er es ihr einst geschworen hat. Ist die Tochter wahnsinnig? Sie erzählt nun die Geschichte, wie sie beim Blumensammeln von einem Mann in goldener Rüstung überrascht und angesprochen wurde. Der Vater soll es nur glauben, es war tatsächlich der König von Spanien. König Philip war anschließend Gast in ihrem Hause, der Vater möge sich bitte erinnern. Nun freut Elèma sich, dass sie die Erinnerung mit dem Pech des Bruders wieder auffrischen kann. Sie hat dem König eine Blume gegeben, die Majestät sich an die Nase gehalten und den süßen Duft eingeatmet hat. Darauf hat Philipp ihr einen Wunsch frei gegeben. Da sie im Moment mit Vater und Bruder im Frieden lebe und keine Wünsche habe, sagte der König, dass aufgeschoben, nicht aufgehoben sei. Solange er König in spanischen Landen sei, würde eine Bitte aus ihrem Munde niemals unbeachtet bleiben. Der Vater glaubt es nicht, das Publikum glaubt es nicht, doch Elèma besitzt das Versprechen schwarz auf weiß. Das Mädchen ist wirklich grenzenlos naiv. Weiß es nicht, dass ein Diener Roms auf dem Thron von Spanien sitzt, Weiß Elèma  nicht, dass der König, den sie um Gnade anfleht, selbst auf Gnade angewiesen ist. Weiß sie es nicht, dass er allen Arabern auf spanischem Boden den Tod angedroht hat? Doch Elèma lässt sich nicht beirren. Sie weiß nur, dass ihr Bruder in Gefahr ist.

Vierte Szene

Tatsächlich scheint sich ein Weg zur Rettung des Bruders zu öffnen. Delascar bekommt Besuch von seinem alten Freund Giovanni D’Aguilar, seines Ranges Vizekönig von Navarra. In seinem Gefolge befindet sich die Tochter Carmine mit ihrem Verlobten Fernando. Die beiden alten Freunde begrüßen sich auf das Herzlichste. Ungeachtet unterschiedlicher Abstammung haben sie sich trotz aller politischen Wirrnisse nicht aus den Augen verloren. Don Giovanni ist auf dem Weg nach Madrid, denn der König hat nach ihm gerufen. Hat Delascar zufällig einige Dinge, die er beim König für ihn erledigen kann?

Fünfte Szene

Elèma wird den Freund des Vaters auf seiner Reise nach Madrid begleiten und beim König um Audienz nachsuchen. Carmine und Elèma tauschen Blicke geschwisterlicher Zuneigung aus, aber auch zwischen Carmines Verlobtem Don Fernando und der Tochter des Mauren stimmt die Chemie. Turbulenzen sind vorprogrammiert. Dem großzügigen Freund vertraut Delascar seinen Engel an. Sie ist die einzige Blume, die Gott ihm in seinem Leben gelassen hat. Zum Abschied küsst und segnet er sie. Den eingekerkerten Sohn soll sie ihm zurückbringen. In der kurzen Zeit der Abwesenheit wird er nicht weinen. Carmine wird dem schönen Mädchen Protektion gewähren und ihr schützender Engel sein. Don Fernando wird ihr dabei assistieren. Die Stimme des Vaters wird Elèma in ihrem Herzen immer vernehmen.

Seinem lieben Freund wird D’Aguilar nie vergessen, dass er ihn einst mitleidvoll in sein Haus aufgenommen hat, als er beim König in Ungnade gefallen war. Nun ist es ihm eine Genugtuung, sich dankbar erweisen zu können. Fernando findet Elèmas Augen schön und gottesfürchtig. Da könnte man fast jede andere Schönheit vergessen. So wird es auch kommen, denn wenn er ihren Namen spricht, erschaudert das Herz aus Freude und Furcht. Die Dienerschaft klagt: Ein Engel fliegt fort von seinem Elternhaus, um nach dem armen Bruder zu schauen. Gott soll die heilige Erinnerung segnen. Der Abschied zwischen den beiden Freunden gleicht einem feierlichen Ritus, bei dem alle Anwesenden wirkungsvoll niederknien.

Die Gefolgsleute D’Aguilars sind nicht einverstanden, dass die Maurin sie auf der Reise nach Madrid begleiten wird. Unglück wird der Himmel ihnen schicken, weil er beleidigt wurde. Der Vizekönig bietet einem Mädchen Schutz, welches einem Volk angehört, das von Rom verdammt wurde.

Zweiter Akt

Sechste Szene

Don Giovanni D’Aguilar besitzt in Madrid einen herrlichen Palast. Doch der Betagte ist kurz nach seiner Heimreise eines natürlichen Todes gestorben. Nun bewohnt Carmine zusammen mit ihrer Wahlschwester Elèma das Haus allein. Don Fernando ist als Gast häufig gegenwärtig und zwischen den dreien knistert es gewaltig. Der eingekerkerte Bruder, zu dessen Befreiung Elèma eigentlich nach Madrid aufgebrochen war, ist völlig vergessen. Die Schuld der beiden Señoritas ist es nicht, sondern der lieblose Librettist hat einfach vergessen, sein Schicksal in den weiteren Handlungsablauf einzuweben.

Zugegeben, Elèma verhält sich affektiert. Sie schreibt einen Brief an ihren alten Vater, dass sie wieder nach Hause kommen möchte und weint dazu bittere Krokodilstränen. Carmine bezichtigt die Freundin der Undankbarkeit. Behandelt man so empfangenen Güte? Wenn Elèma bei ihren Reiseplänen bleibt, darf sie sich nicht mehr ihre Schwester nennen. Auch in der Ferne werden ihre Herzen verbunden sein, lenkt Elèma ein. Dem Himmel, dem Wind und den Blumen wird sie von Carminas Liebenswürdigkeit erzählen. Der Vater wurde ihr weggenommen und die Freundin war die einzige, die ihre Zuneigung erwiderte. Nicht ganz korrekt argumentiert, denn Carmine wird bald den edlen Fernando heiraten. Will Elèma sie am Tage ihrer Eheschließung etwa allein lassen? Die Angesprochene bringt den Einwand, dass sie sich am Tag der Hochzeit ihrer besten Freundin traurig zeigen müsste. Carmine ist überrascht und die Ermahnte fährt fort, dass die Anwesenheit einer Maurin bei der Hochzeit Anstoß erregen könnte. Nichts als Ausflüchte, nicht ihre Worte, sondern ihre Tränen geben ihr zu denken. Genügend mit ihr vertraut, kann sie in ihrem Herzen lesen. Ein tragisches Geheimnis will die Freundin ihr nicht offenbaren. Es kann nur die Liebe sein! Doch Gott vergibt jeden Irrtum aus Liebe. Gut, wenn die Freundin sich in ihrem Herzen so gut auskennt und in ihrem Mienenspiel gelesen hat, dann weiß sie alles und soll sie ziehen lassen. Ein grauenvoller Krieg wird dem Lande eines Tages drohen und dann ist ihre Freundschaft ohnehin zu Ende. Doch Carmine will sich nicht trennen. Stets wird Elèma eine freundliche Schulter haben, um sich auszuweinen, und nun möge sie doch bitte den Namen des geliebten Mannes nennen. Zum Glück bleibt Elèma die Antwort erspart, denn in diesem Moment kommt Fernando herein, um die Señoritas zum Ball abzuholen.

Siebte Szene

Carmine heißt Fernando willkommen und versucht sofort, ihn für ihre Interessen einzuspannen. Das undankbare Mädchen wünsche sie zu verlassen. Gewiss wird sie seinen Bitten die Gunst erweisen, die ihr verweigert wird. Fernandos nachfolgende Antwort klingt nicht überzeugend. Wenn Elèma Madrid verlassen möchte, wird sie hierfür heilige Gründe haben. Das Herz einer Tochter sollte immer gehorchen, wenn der Vater ihr die Heimreise befiehlt. Eine solche Antwort hatten beide nicht erwartet. Fernando legt nochmals nach: Wenn die Stimme der Ehre zu ihrem Herzen spricht, können Scham und Leid die Ursache sein. Seine Zukünftige soll die Freundin entfliehen lassen. Was meint Fernando mit seinen Worten? Nun, der Hof munkelt, Elèma sei die Schöne des Königs. Aha, der edle Fernando ist eifersüchtig auf den König und bringt die heimlich Geliebte in arge Verlegenheit.

Achte Szene

Zum Ball des Königs will Elèma die beiden nun nicht mehr begleiten. Fernando hat sie beleidigt und Elèma weint. Er soll sich bitte bei ihr entschuldigen, denn nur mit einem glücklichen Herzen wird sie den Ball auch genießen können. Carmine lässt beide taktvoll allein, damit sie sich aussprechen können. Wenn Fernando sie verachte, solle er sie nicht mehr ansprechen. Ist sie der Welt und in seinen Augen so unwürdig, nachdem er den Verleumdungen des Herzogs von Lerma Glauben geschenkt hat? Er muss verrückt gewesen sein, das geliebte Mädchen soll ihm vergeben. Elèma möchte aber zuvor Klarheit. Glaubt er tatsächlich, dass sie schuldig geworden sei. Fernando weicht aus, sie sei die schönste Frau unter der Sonne. Wenn jemand es wagen würde, diese himmlische Kreatur zu beleidigen, würde er ihre Unschuld verteidigen, ganz gleich, was es koste. Die zurückgekehrte Carmine liest an Fernandos Gesicht ab, dass er rhetorisch der bessere war. Der Verlobte soll ihrer Freundin den Arm bieten, damit man nun, nachdem alle Unstimmigkeiten beseitigt sind, gemeinsam zum königlichen Ball gehen kann. Wie soll Elèma jemals die Courage finden, der Freundin frei ins Gesicht zu schauen? Carmine hat sich nun Gewissheit verschafft. An ihrem Verhalten stellt ihr Herz fest, dass die beiden sich lieben. Diese Tortur ist schlimmer als der Tod.

SZENENWECHSEL

Neunte Szene

‚Buon Retiro’ ist das Lustschloss des Königs in Madrid. Statuen, Brunnen Pavillons und Aussichtspunkte schmücken die herrlichen Gärten. Der Opernchor schwärmt von verschlungenen einsamen Wegen und duftig blühendem Gebüsch. Hier werden die Geheimnisse der Herzen aufgedeckt und die Liebesknoten  geschnürt. Der plätschernde Bach, die Seufzer des Zephirs und die kühle Brise, die vom Himmel bläst, lädt zur Freude ein. Die Edlen des Reiches haben sich eingefunden, entweder bewundern sie sich gegenseitig im Spiegelsaal oder tuscheln in Grüppchen auf der Terrasse. „Da kommt sie, die Favoritin des Königs! Wie kann die verhasste Maurin es wagen, sich unter die Granden des Reiches zu mischen?“

Verlegen betritt Elèma am Arm Fernandos den Festsaal und ist dem Getuschel der Hofgesellschaft ausgesetzt. Merkwürdigerweise lässt Carmine sie im Stich. Der verunsicherten Herzogin flüsterte der Herzog von Lerma zu, dass sie gut daran täte, die Stimmung der Leute im Saal einzufangen. Fernando liebt sie nicht mehr, sie hat den sicheren Beweis, ihr Test hat angeschlagen. Die Musik lädt zum Tanz ein, aber keiner bewegt sich. Der König soll erkennen, wie verwirrt die Hofgesellschaft ist. Sobald die Musik nachlässt, geht ein Wispern der Geringschätzung von Ohr zu Ohr. Ein paar Wohlwollende sind von Unruhe erfasst.

Zehnte Szene

Dramaturgisch ungeschickt platziert, gönnt der Librettist dem Tenor nun die wirkungsvolle Arie ‚D’amor la rea parola...’ Sie kündet von seiner Gewissensbissen. Er weiß, dass sein Verhalten beiden Frauen gegenüber unehrenhaft ist. Welche Hoffnung beflügelt ihn überhaupt? Er verrät die Verlobte und zerstört den Frieden im Herzen Elèmas. Wahrscheinlich hasst und verachtet sie ihn als einen unehrenhaften Galan. Er hat nichts zu bereuen. Die großartige himmlische Kreatur, die er betrübt, wird Verständnis aufbringen und ihm eines Tages vergeben. Gott liebte es, die Fremde schön und rein zu erschaffen und ihr die Aura eines Engels zu verleihen, den der Glanz der Sterne schmückt. Würde er seine Tränen und die grauenhafte Beklemmung seines Herzens verbergen, würde der Himmel über ihn lächeln. Fatale Worte hatte er gesagt, aber nachdem er sich korrigierte, hellte sich ihr Gesicht auf. Der Lichtstahl aus seinem liebenden Herzen hatte sie kalt erwischt und reflektierte ein himmlisches Leuchten in ihren dunklen Augen. Flugs war die Traurigkeit aus ihrem Herzen verscheucht. Leiden und büßen für die süße Trunkenheit der Liebe wird er immer, aber auch diese Herzensregung verschafft Wonne. Selbst wenn er für dieses Fehlverhalten sein Leben lassen müsste, würde er sterbend gesegnet sein. Das Publikum möge bitte berücksichtigen, dass Verliebte oft eine spezielle Art der Wahrnehmung haben. Doch jetzt muss Fernando Platz machen, denn Philipp kommt.

Elfte Szene

Der König eröffnet den Dialog. Die schöne Herzogin von Aguilar habe nach ihm gefragt und traurig und tief beunruhigt den Ball verlassen. Fernando verbeugt sich förmlich und geht. Die zurückgelassene Elèma klagt dem König ihr Bedauern, dass viele Menschen ihretwegen zu leiden haben. Philipp sagt, dass die Hofclique behaupte, sie liebe den schönen Herzog von Albayada. Sie selbst möge sich doch bitte von der falschen Verdächtigung entlasten. Erstaunlich, wie die ‚himmlische Kreatur’ blitzschnell ihr Fähnchen nach dem Winde dreht. Eine verächtliche Anschuldigung sei es, und selbst wenn er sie liebt, würde sie das unehrenhafte Angebot von sich weisen. Die königlichen Zweifel sind ausgeräumt, aber Elèma teilt dem König auch mit, dass sie den Hof für immer verlassen und Abschied von seiner Seite nehmen werde. Der König untersagt es und befiehlt ihr zu bleiben. Aus der Maurin bricht es heraus, dass ein furchtbarer Schrei in Spanien gegen ihre Rasse erschalle. Eines Tages wird selbst der König den Wunsch seines Volkes zu erfüllen haben. Philipp richtet sich auf: Es ist wahr. In Spanien kämpft jedermann gegen euren Gott und euer Volk. Aber er sei durchaus in der Lage, der Hydra den Kopf abzuschlagen. Nur ein Wort der Liebe soll sie an ihn richten, damit er die nötige Festigkeit hat. Ihr Volk wird erlöst und geschützt sein. Für immer wird das spanische Land ein Obdach für ihr Volk sein. Seinem Edelmut und seiner Größe werden ihre Landsleute ihm zujubeln. Ihr König, der eines Tages ihren Bruder freilassen wird, soll ihr gesegnet sein. Das sind nicht die richtigen Worte, die der König hören möchte. Verachtet sie etwa Philipps Liebe? Nein, aber sie fürchtet Hohn und Unglück. Sie sei nur eine Sklavin, er aber König von Spanien. Laute Stimmen unterbrechen den Dialog. Der freche Mann soll entwaffnet werden! Was ist passiert?

Zwölfte Szene

Fernando von Albayada wagte, im königlichen Palast sein Schwert zu ziehen. Hatte er einen Grund für seinen Unmut? Elèma ist erschrocken. Fernando hat sich einen Weg bis zum König gebahnt und erklärt, sein Verhalten damit, dass eine Frau in ihrer Ehre gekränkt wurde und er Rache nehmen wollte. Es sei die Frau, die an seiner Seite stehe, erklärt der Erzürnte auf die Nachfrage des Königs. Elèma steht tausend Ängste aus. Der aufgebrachte Opernchor erspart dem Wüterich weitere Erklärungen, und gibt zu Protokoll, dass alle Herzen, die dem König untertänig seien, nicht länger zuschauen möchten, wie der pietätlose Charme einer niederträchtigen Liebe seinen Namen mit Schändlichkeit bedecke. Unerwartet nimmt Philipp Fernando in Schutz, und donnert los, dass der Herzog von Albayada sich loyal gegen seinen König verhalten habe. Wenn jemand versuche, dem Ansehen der Frau neben ihm zu schaden, sei das ein Angriff gegen ihn selbst und der Übeltäter solle zittern. Der Geehrte, gemeint ist Fernando, würde verhext von einer schuldigen Verführerin, lässt die Hofclique nicht locker. Elèma beschließt für sich, dass sie Carmine ihre Liebe opfern wird. Fernando sei Tod lieber als Elèmas Vergebung. Der König bereitet dem Spuk ein Ende, fordert die Höflinge auf, den Rücken zu krümmen und sich zu merken, dass Philipp der einzige König von Spanien sei. Der König bietet Elèma seinen Arm, zieht sie aus der Gefahrenzone und majestätisch verlassen beide den Ort des provokanten Geschehens.

Dritter Akt:

Dreizehnte Szene

Mit „Dio dà forza agli aflitti…” hat nun Carmine ihren großen Auftritt im Thronsaal des königlichen Palastes von Madrid. Das Opernpublikum fragt sich als erstes, was die Herzogin von Aguilar mutterseelenallein dort zu suchen hat. Ihre Haltung signalisiert Trostlosigkeit. Den mit Kummer Beladenen gibt Gott Festigkeit, von oben spendet er Licht. Ein Kloster könnte ihr das Vergessen irdischer Liebe anbieten oder ihr Grab sein. Auf welche Heimsuchung soll sie noch warten? Das Geheimnis wurde aufgedeckt und die Wahrheit zeigt sich in einem dunklen Licht. Carmine erinnert sich an den Tag, als das maurische Mädchen aus Valencia wunderschön in ihrer Besorgnis im Hause ihres Vaters ankam. Fernando erschauderte in stiller Bewunderung. Seine Hand griff zu seinem Herzen und er wurde bleich. Sie erinnert sich an den Tag, als Fernando ihrem sterbenden Vater sein Gelöbnis bekräftigte. In seinen Augen las sie die Ängste eines beunruhigten Herzens. Carmine richtete ihre Augen zum Himmel und erbittet Gnade für ihr weiteres Schicksal. Die Freundin soll ihr Fernandos Liebe, die sie ihr gestohlen hat, zurückgeben. Leider geht sie ihr aus dem Weg, doch die großherzige Carmine trägt ihr nichts nach. Wenn es Gott gefällt, soll er sie mit langen Jahren voller Liebe belohnen.

Vierzehnte und fünfzehnte Szene

Um ihre Konflikte auszutragen stellt Antonio Ghislanzoni den beiden Schwestern den Thronsaal weiterhin zur Verfügung. Der Herzog von Lerma hat Elèma zugesetzt und sie ist entschlossen abzureisen. Mit einem Kuss auf die Stirn beteuert Carmine ihrer lieben Schwester weiterhin ihre tiefe Zuneigung. Ihr Herz sei kräftig genug, in Freud und Leid zu ihr zu halten. Der Vater wird kommen und Elèma an den einsamen Platz ihrer Kindheit zurückbringen. Weinend wird sie für sich selbst vom Himmel Vergessen erbitten und ihrer lieben Freundin zur Hochzeit mit Fernando Gottes Segen erflehen.

SZENENWECHSEL

Sechzehnte Szene

Fernando hat nach Elèma gesucht und sie endlich bei sich zu Hause gefunden. Fernando beklagt sich, dass Elèma ihn meide. Werden sie einander tatsächlich nie wiedersehen? Sie muss Madrid verlassen, es ist die Wahrheit. Falls ihr Entschluss unabänderlich ist, hat Fernando geplant, sein Vaterland für immer zu verlassen. Was ist mit seiner zukünftigen Gemahlin? Ihm ist es gleichgültig, sie hat die Möglichkeit, ihn zu vergessen. „Tradirla... abbandonarla... Vorresti? Ella morra!“ Ein Donnerwetter prasselt auf den Verräter nieder. Er wagt es, die Zukünftige zu verlassen. Sie wird sterben! Er soll Mitleid mit einem Engel haben, der nur für ihn lebt. Ihrer grausamen Qualen soll er gedenken. Sie selbst sieht sich als Anlass für den unsäglichen Schmerz der lieben Schwester. Unendliche Reue wird sie plagen, als wäre es ihre eigene Sünde. Sie fühlt sich als Ursache für Carmines Tränen. Fernando erklärt, dass er ihren süßen Charme über alles liebt. Für ihn ist er Leben, für ihn ist er Tod. Er liebt sie und kann nicht lügen. Dem Land droht ein furchtbarer Krieg. Den Tod in der Schlacht wird er suchen in einem weit entfernten Land. Es ist seine einzige Abwehr. Alles Unsinn! Er soll zu Carmine gehen und ihr seine Liebe erweisen. Eines Tages werden sie glücklich zusammen leben. Elèma beschwört ihn. Ein furchtbares Leben sei härter als der Tod. Der Unwissende soll begreifen, dass das Herz einer Frau stärker sei, als seines im Gefecht. Was will die Angebetete damit sagen? Was hat er gehört? Soll es ein Signal sein? Fernando blickt ängstlich zu ihr auf. Unsinn, er soll weggehen, sie verlassen, eine bedeutungslose Phrase entfloh ihren Lippen. Er habe mehr verstanden, als sie gesagt habe. Doch Fernando wittert Morgenluft und lässt nicht locker. Er hat es gewusst, sie liebt ihn. Der Himmel ist erleuchtet von immensem Glanz. Die Erde jauchzt in voller Blüte. Jeder Atem ist Gesang. Die Stimme der Liebe hat zu seinem Herzen gesprochen. Nun ist er bereit zu sterben. Er soll jetzt endlich Mitleid mit den schlaflosen Nächten haben, die sie weinend in ihrem Bett verbracht hat, dämpft sie seinen leidenschaftlichen Ausbruch. Bedauern soll er empfinden vor vermuteten Sünden und Furcht empfinden vor einer düsteren Zukunft. Ja, es ist wahr, sie liebt ihn. Dieses Wörtchen soll ihn kräftig machen, damit er lerne zu kämpfen und zu leiden. Fernando erlaubt ihr, über ihn zu bestimmen. Das passt gut, denn nun befiehlt sie ihm, sich auf die Zeremonie vorzubereiten, die ihn morgen mit Carmine für immer verbindet. Elèma kennt seine Unzuverlässigkeit und lässt ihn schwören, dass er den Feldzug vergisst und die ihm Versprochene heiratet. Er schwört es auf Knien. Dafür gibt es eine kleine Belohnung. Nun darf er aufstehen und an ihr Herz kommen. Alle Sünden sind vergeben und der Himmel hat es quittiert. Sie ist nicht länger erschrocken und sie weint nicht, ihm zu sagen, dass sie ihn liebe. Bedauern und Furcht haben sie verlassen.

Zum Zärtlichsein gönnt ihnen der Himmel nur ein paar Minuten. Denn vor dem Haus hat sich ein kleiner Volksaufstand ausgebreitet. Das niederträchtige Volk soll man aus Spanien hinauswerfen. Nirgendwo sollen die Anbeter eines fremden Gottes eine Zuflucht finden, abstreifen wollen sie die feindlichen Araber. Fernando sieht von der Loggia herab, dass ein alter Mann von einer aufgebrachten Menge gejagt wird. Er wird hinabgehen und dem Alten mit seinem Schwert einen Weg bahnen. Großer Himmel! Dem tapferen Ritter gelingt es allein durch sein Erscheinen, sich vor dem Mob Respekt zu verschaffen.

Siebzehnte Szene

Der Alte, dem Fernando aus der Bedrängnis geholfen hat, ist Elèmas Vater. Er ist völlig verstört und seinem Retter unendlich dankbar. Fernando versucht, ihn zu beruhigen. Hier im Hause sei er vor der Gewalttätigkeit des Pöbels sicher. Die Wiedersehensfreude ist groß, aber er hat schlimme Nachrichten. Ein furchtbares Schicksal hängt über seiner Rasse. Der König wird das unheilverkündende Dekret unterzeichnen, welches beinhaltet, dass alle Muslime des Landes verwiesen werden. Dem Zuruf der Menge hat er gelauscht, daher weiß er genau Bescheid. Gibt es einen Ausweg? Delascar muss dringend mit dem König sprechen und versuchen, ihn umzustimmen. Fernando ermöglicht es und will ihm mit dem Schwert den Weg durch die Menge bahnen.

SZENENWECHSEL

Achtzehnte bis zwanzigste Szene:

„Contro i Mori esecrati insorge la città” - die Stadt steht auf gegen die verhassten Mauren. Dem König ist die bedrohliche Entwicklung nicht recht. Er ist unschlüssig, was er tun soll. Im Palast wimmelt es von Höflingen, Mönchen, Dienstbeflissenen und Schlächtern, sie warten auf eine Entscheidung. Noch hat er das Papier nicht unterzeichnet. Philipp weiß selbst nicht, welche irrsinnige Illusion ihn zurückhält oder er will sich nicht eingestehen, welcher Umstand seine Entschlusskraft tatsächlich blockiert. Elèma, es ist so süß, den schicksalsträchtigen Namen auszusprechen. Käme nur ein Zeichen von der Undankbaren, es könnte das Schicksal ihres Volkes wenden. Doch die Königin seines Herzens äußert sich nicht positiv.

Stattdessen erhält er den Besuch der Herzogin von Aguilar. Die Freundin Elèmas soll der Herzog von Lerma hereinlassen. Philipps Herz öffnet sich der Hoffnung, eine Enttäuschung wird es werden. Carmine spricht davon, dass sie sich ins Kloster von Pamplona zurückziehen werde. Es ist der Platz, an dem auch ihre gesegnete Schwester nach langem Leiden in jungen Jahren verstarb. Dort will sie in Andacht  zum Himmel aufsteigen, vergessen von der Erde. Der König begreift die Zusammenhänge sofort. Mit furchteinflößender Stimme donnert er, dass die Schuldigen, welche sie verrieten, keine Gelegenheit haben werden, sich an den Früchten ihrer Intrigen zu erfreuen. Ach, ihr Herz hat ihnen bereits vergeben! Vergeblich lege sie für Menschen Fürbitte ein, die Gott verdammt hat. Als Stellvertreter Gottes auf Erden ist es Sache des Königs, Schändlichkeiten, die ihn erreichen, zu sanktionieren. Er ist das Licht, welches aus der Dunkelheit in die Herzen der Menschen schimmert. Philipp bekommt einen Energieanfall, eilt auf den Tisch zu, auf dem das Dekret der Verdammung liegt und unterzeichnet es. Die Tore zur Inquisition sollen sich öffnen! Er läutet die Tischglocke und Lerma nimmt mit Genugtuung das verhängnisvolle Papier in Empfang. Die Herzogin von Aguilar soll darauf verzichten, ihn anzuflehen, der Liebreiz ihrer Freundin sei weggefegt. Der Himmel wird durch ihn sprechen, denn er ist der König von Spanien und wird es immer sein. Basta!

Einundzwanzigste Szene

Der Duca di Lerma informiert die Wartenden. Die seit langem ersehnte Ankündigung, die Feinde Gottes zu vernichten, hat der König nun nach langem Zögern endlich unterzeichnet. Den Erwartungen des Heiligen Stuhls ist Genüge geschehen. Aus spanischen Landen möge ein einziger Schrei widerhallen. Krieg den Andersgläubigen, Ehre und Preis dem König!

Zweiundzwanzigste Szene

Fernando möchte am liebsten alle Probleme mit dem Degen lösen. Er hat Delascar den Weg zum König gebahnt. Die Höflinge empören sich. Was hat der Maure bei Hof zu suchen? Die königliche Kebse an seiner Seite ist dem Volk verhasst. Fernando bittet den König um Gehör und Delascar führt aus: Er beugt seine Stirn in den Staub vor dem mächtigen König. Im Staub weint und betet er, als wäre er in seiner Vorstellung ein Gott. Sein Blitz soll das Volk der Mauren nicht in die Verbannung schicken. Jahrhunderte war es die Sonne für den Rest der Welt, wenn es auf Spanien regnete. Der Alte soll sich nicht bemühen, er komme zu spät, dass Gesetz sei beschlossen und verkündet. Jawohl, der Blitz muss niedersausen. Die Mönche singen vom Gerichtstag des Herrn. Delascar springt auf, schaut mit fassungslosem Blick herum und verliert die Beherrschung. Philipp soll gut zuhören. Es sind Söhne Spaniens, die er ausweist. In seinem Zorn vergeht sich an seinen Brüdern, die er mit ewigem Kummer unterdrückte. Einen Vertrag, gegründet auf Loyalität und Liebe, schaltet er aus, um einer fremden Macht zu gefallen. Weshalb bestraft er den Pöbel nicht, der sich gegen ihn erhebt?

Abrupt will der Maure mit seiner Tochter den Thronsaal verlassen. Der König sieht die Geliebte seines Herzens entschweben und reagiert unverzüglich. Delascar ist in seinem Eifer zu weit gegangen. Philipp nickt dem Herzog von Lerma zu, den Aufmüpfigen durch die Wachen festzunehmen zu lassen. Fernando, der mit dem Unruhestifter sympathisierte und gegen seinen König eine bedrohlich Haltung eingenommen hat, soll ihm in den Kerker folgen. Elèma ist ihrem Schmerz nicht länger gewachsen und stürzt bewusstlos auf den Marmor.

Vierter AKT

Dreiundzwanzigste Szene

Der Chor der Dienerschaft in Delascars Haus kennt nur ein Thema: Vertrauensvoll hatten sie die See gekreuzt. Allah machte sie mächtig und glücklich. Aber ein feindlicher Gott zerbrach ihre Altäre und ermordete ihre Könige. Mit ihrer Arbeit und viel Liebe wurden die Felder abgeerntet. Jetzt bleibt ihnen nichts anderes übrig, als fern von ihrer ursprünglichen Heimat unter einem fremden Himmel zu sterben.

Offenbar war es Carmine gelungen, Delascars Freilassung zu bewirken. Der Alte hat auch nur ein Thema: Die Schmach seiner Tochter macht ihm zu schaffen. Ist es wirklich wahr, dass Elèma Philipps Liebchen gewesen ist. Scham verbietet ihm, sie weiterhin seine Tochter zu nennen. Wenn der Duca di Lerma die Wahrheit gesagt hat, ist sie schuldig. Ihr Verbrechen kann nur mit Blut abgewaschen werden.

Vierundzwanzigste Szene

Es sind aber nicht nur die häuslichen Angelegenheiten, die den Respektierten in Anspruch nehmen. Für ihn hat der Himmel ein weitaus größeres Leid reserviert. Das feige Verhalten des Königs endet mit der Verdammung seines Volkes. Auf die Frage, welche Sorge noch größer als ihre eigene sei, will der Chor eine Antwort haben. Alle beten, dass der Prophet sie in ein gastfreundliches Land führen soll. Auch Delascar ist kein abtrünniger Feigling und wird nicht von aller Welt verlassen auf feindlicher Erde zurückbleiben wollen, sondern die Brüder ins Exil führen. Dem süßen Land der glücklichen Jahre, der Wiege von Märtyrern und dem Grab von Königen, sollen die Brüder und ihre Frauen ein letztes Lebewohl bieten und dann weggehen. Wenn er in einer Stunde nicht abreisebereit bei den Schiffen der Ausreisewilligen sei, mögen die Gefährten seinen Tod beweinen. Was hat der Alte vor? Ihr Wortführer soll sie bitte nicht im Stich lassen.

SZENENWECHSEL

Fünfundzwanzigste Szene

Der Librettist entführt den Opernbesucher wieder in die königlichen Säle von Madrid. Elèma und Carmine sind dabei, ihre Gefühle zu sortieren und versuchen zu einer Lösung zu kommen. Die Konkubine des Königs hat an Einfluss gewonnen und kennt sogar das Geheimkabinett mit der Möglichkeit, Gespräche in den Sälen zu belauschen. Gleich wird der König mit Fernando kommen, und Carmine soll die Ohren spitzen und Fernandos wahre Absichten auskundschaften. Wie konnte die Schwester jemals an Elèma zweifeln? Das süße Lächeln von einst soll ihr Gesicht wieder beleuchten. Vorher empfiehlt es sich, noch ein bisschen zu weinen, doch in einer Stunde ist der Priester da, um das nuptiale Zeremoniell zwischen Carmine und Fernando zu vollziehen. Gut geplant, Elèma! Carmine kann nicht glauben, dass die Schwester tatsächlich auf ihrer Seite steht. Die Hoffnung hatte sie längst aufgegeben. Die Liebe des Königs habe sie besiegt, gibt Elèma nun offen zu. Sie sei schuldig und stelle ihr Fernando nun wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Carmine soll sich jetzt still verhalten, die Protagonisten sind im Anmarsch.

Sechsundzwanzigste Szene

Fernando ist sprachlos, Elèma an der Seite des Königs zu sehen. Philipp zeigt auf sie und sagt, dass die Gebete dieses liebenden Herzens den Thron erreicht haben. Der König gibt ihm die Freiheit und begräbt jeden Groll. Er beabsichtige, ihn mit der Frau zu verbinden, welche er liebt. Der Wunsch seines heißen Begehrens wird gesegnet sein. Fernando zögert und bringt einen Freudenausbruch nicht zustande. Fassungslos plappert er, was der König hören will. Er gab Carmine sein Vertrauen, sagt er. Er liebe sie und habe sie immer geliebt, weil Gott sie für ihn geschaffen hat. Fernando zwingt sein verängstigtes Herz zu behaupten, für Elèma habe er nur brüderliche Zuneigung und Mitleid empfunden. Für die Leidgeprüfte ist es eine gewaltige seelische Tortur. Sie lobt ihr tapferes Herz, um sich selbst zu beruhigen und stellt fest, dass das Opfer vollbracht ist.

Carmine darf nun aus ihrem Lauschwinkel hervorkommen. Sie hat es aus seinem eigenen Munde gehört, dass der edle Fernando nur sie liebt. Nun geht es aber schleunigst in die Hauskappelle, bevor der Ehekandidat wieder wankelmütig wird. Die Orgel ertönt und der König schreitet voran, damit das hochzeitliche Paar den Weg nicht verfehlt. Elèma weint und erklärt Carmine, dass es Tränen der Freude seien. „Liebe Gattin“ tönt es gequält von Fernandos Lippen. „Ach, Fernando, halte mich“ gibt die Erwählte zurück, sie sei so glücklich. Elèma versagen die Füße den Dienst, weiter voran zu schreiten. Sie wird in der Kapelle den Vater wiedersehen, lockt Philipp und sie erhält alles von ihrem König, was immer sie sich wünscht. Carmine kann nicht verstehen, weshalb die Freundin nicht mit in die Kapelle kommen will. Wie versteinert bleibt Elèma am Portal zur Kapelle stehen. Die beiden sollen glücklich sein und der Himmel möge ihnen zulächeln, sind ihre Worte.

Siebenundzwanzigste Szene

Doch dann ist es mit ihrer Fassung vorbei. Amilcare Ponchielli hat an dieser Stelle seine schönste Szene eingebaut. Dunkel getönt quellen aus ihrem tiefsten Innern herzzerreißend und mit dramatischer Wucht ihre Koloraturen. „No! Pregar non poss’io...“ - nein, sie kann nicht beten! Welcher Gott würde jemals Elèmas Gebet akzeptieren. Das Opfer übertrifft ihre Kraft und ihre Courage. Das schwaches Herz flackert vor Eifersucht. Sie dachte, sie könne unterdrückt leben, in Scham und Unehre. Eine Hochzeitshymne avisiert ihr die Freude des Paares, sie bedeutet ihr den Tod. Der Weihrauch ist entzündet, der Tempel schimmert im Lichterglanz. Sie geben sich die Hand und sprechen ängstlich die traditionellen Formeln. Der religiöse Minister in seiner weißer Weste steigt vom Altar herab, um den unauflöslichen Bund der Ehe zu segnen. Halt ein! Der Himmel kann keine Lüge segnen. Von schlimmen Vorzeichen ist der Eid begleitet. Ihr Herz verweigert nun das Opfer, welches sie der Schwester brachte. Glücklich wird das Paar werden und für immer wird sie niedergedrückt sein, denn er wählte die andere. Der Himmel soll Mitleid mit ihr haben. Elèma fällt auf die Knie.

Achtundzwanzigste Szene

Plötzlich steht der Vater neben ihr. Für was betet sie? Sie soll aufstehen. Ist sie noch wert, seinen Namen zu tragen? In Furcht und Scham antwortet Elèma „Leider.“ Der König ließ ihn frei, Verzeihung erlangte Delascar. Vater und Tochter dürfen in Spanien bleiben. Wem verdankt er diese unverhoffte Gunst eigentlich? Den Gebeten und den Tränen seiner Tochter, antwortet die Verzweifelte. Vergeblich bat sie für ihn. Es sei sein Los, das Schicksal der Brüdern zu teilen und ihre Pflicht, ihn zu begleiten. Nein. Elèma kann nicht, sie muss bleiben und hier sterben. Was hält sie in dem Land, welches ihnen feindlich gesonnen ist. Er soll solche Fragen nicht stellen! Den Namen des Vaters, den eigenen Namen bedecke sie mit Ehrlosigkeit. Frauen, Kinder und alte Männer gehen an Bord der verfluchten Schiffe. Ihr Rufen und Weinen hallt über das Meer und verdunkelt die Sonne. Ihre Religion wird missachtet und die Ruhe der Toten gestört. Elèma  weint: „Es ist wahr, es ist wahr.“ Was ist nun? Elèma sagte ihm bereits, dass sie in Spanien bleiben werde. Zu lange sei er nachsichtig gegen sie gewesen. Der Herzog von Lerma hat die Wahrheit gesprochen. Unehrenhaft und gottlos sei sie. Die Gescholtene hebt die Hände zum Himmel. Nur Gott kennt das Opfer, welches sie brachte. Keine Frau leidet so viel, wie sie zu erdulden hat. Delascar ist tief gerührt. Wahrscheinlich war es die Furcht, nach seinem Tod allein auf der Welt zu sein, welches die Tochter scheitern ließ. Angst war in ihr, härter als Ehre. Elèma, ein Vater kann vieles vergessen. Wenn sie sich ihm anschließt, wird ihr die Scham in ein fremdes Land nicht folgen. Es geht nicht, die Wut des getäuschten Königs würde mit voller Wucht auf ihn fallen. Delascar hat den Inhalt ihrer Rede nicht begriffen. Sie soll kommen und ihm folgen. Der Vater hat ihr vergeben und er wird sie weiterhin ihre Tochter nennen. Vergeblich wäre dann ihr Opfer. Sie wird bleiben, Liebe hält sie hier. Hat er sie großgezogen, damit sie sich unehrenhaft aufführt? Trotzdem duldet er die Anwesenheit der elenden Kurtisane eines schurkischen Königs. Möge Gott sie verfluchen! Der Vater täte gut daran, sie fernerhin zu meiden! Kommt sie nun mit? Nein, hier muss sie ihr Schicksal vollbringen! Delascar zieht seinen Dolch und sticht die Tochter nieder. Gott möge ihm vergeben.

Neunundzwanzigste Szene

Welchen Schrei hat der Herzog von Lerma gehört? Was passiert sei, will der König wissen. Elèma wurde erstochen, stellt Fernando erschüttert fest. „Freundin, Schwester, was ist mit dir?“ Carmine ist fassungslos. Delascar steht wie versteinert beiseite. In ihrem Blut erstickte er frevelhafte Liebe. Die Bestrafte fällt für einen unehrenhaften König. „O delitto!“ „O sventura!”

Philipp soll ihm vergeben. Ihre Seele verlässt sie. In ihrem väterlichen Heim will sie unter den Blumen schlafen. Leb wohl! Elèma fällt in die Arme Fernandos und stirbt.

Den Psalm der abreisenden Mauren in Valencia weht der Wind nach Madrid herüber und gibt der Totenauf dem Weg in die ewigen Wohnungen Geleit.

Anmerkung:

‘I mori di Valenza’ ist Ponchiellis am wenigsten verbreitete Oper. Der Komponist selbst hat eine Aufführung nicht erlebt, denn sie wurde erst fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod fertiggestellt. Ein Bewunderer Ponchiellis, Arturo Cadore, nahm sich der Sache an und schuf die Instrumentierung. Wenn man von ein paar dramaturgischen Unachtsamkeiten absieht, kann man den Handlungsaufbau Ghislanzonis – von ihm stammt auch das Libretto zu Verdis Aida – als vorzüglich bezeichnen. Das Schicksal der Mauren in Spanien war für viele Komponisten der Romantik ein begehrenswertes Thema. Rossini, Donizetti sogar mehrmals, Apolloni. Cherubini und Meyerbeer griffen sich den dankbaren Stoff. Orientalischem Gepränge bieten auch die Fülle der ‚Kreuzfahrer-Opern’. Nicht zu vergessen seien die ‚Türken-Opern’ die das Trauma der Belagerung vor Wien durch die Muslime verarbeiten halfen.

In jüngster Zeit wurden die Mauren von Valenca wieder zum Leben erweckt. Es ergeben sich keine Probleme, den Bilderbogen als Festspielspektakel zu inszenieren. Die große Szene im vierten Akt, wenn Elèma auf den Stufen der Schlosskapelle niedersinkt, um anschließend vom Vater erstochen zu werden, bietet einer Diva von Format einen großartigen Abgang. Zur Prachtentfaltung kommt es aber nur, wenn der Oper zwei Primadonnen mit hochkarätigen Stimmen zur Verfügung stehen. Keineswegs dürfen sie an Unterkühlung leiden und müssen sich ihrem Spiel leidenschaftlich hingeben.

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musirony 2008 -Engelbert Hellen

 

 

 

 

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