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Schöne Oper - selten gehört



Ildebrando Pizzetti [1860-1958]

Fedra

Phädra


Oper in drei Akten

italienisch gesungen

entstanden von 1909-1912

Libretto von Gabriele d'Annunzio (1863-1938)
frei nach Euripides, Seneca und Racine


Uraufführung am 20. März 1915 an der Mailänder Scala

in der Hauptrolle mit Salomea Kurschelnitska

 

Personen: 

Fedra – Phaedra, des Theseus zweite Gemahlin
Ippolito – Hippolytos, Ihr Stiefsohn
Teseo – Theseus, König von Athen
Etra – Aithra, eine Dienerin
Eurito d'Ilaco – Eurytos von Ilakos, ein Wagenlenker
Ippanoë – Hipponois, ein thebanisches Sklavenmädchen
Gorgo, eine Amme
Ein phönizischer Händler
und weitere

Das Geschehen spielt im antiken Athen



EXPOSÉ

 

Eine Gruppe verängstigter Frauen erwartet die Rückkehr von König Theseus aus der Schlacht von Theben. Der Sitte gemäß wird der Ankommende die Asche seiner in der Schlacht getöteten Getreuen mitbringen. Unter den Wartenden befindet sich auch des Königs Gemahlin Phädra, die heimlich frohlockt, denn ein Gerücht verbreitet, dass der König in der Schlacht umgekommen sei.

Noch ist sie genötigt, eine übermächtige Leidenschaft für ihren Stiefsohn Hippolytos, dem Sohn des Theseus aus einer früheren ehelichen Verbindung mit Mariope versteckt zu halten. Befreit aus des Königs unerwünschter Umarmung, könnte sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen.

Zu ihrem Verdruss stellt sich das Gerücht seines Todes jedoch als falsch heraus. Unversehrt kehrt der König zurück und zu Phädras zusätzlicher Betroffenheit präsentiert er Hipponois ein schönes Sklavenmädchen aus Theben, welches er als Kriegsbeute zum Geschenk für den geliebten Sohn mit heimbringt.

Phädra heuchelt dem Mädchen gegenüber Freundschaft, aber als sie mit ihr allein ist, bedroht sie die Sklavin und sticht sie vor dem Altar des Zeus nieder.

Hippolytos besucht Phädra in ihren Gemächern, stellt sie zur Rede und fragt nach den Gründen, weshalb sie das Mädchen umgebracht habe. Ermüdet von ihren Ausflüchten und der Doppelzüngigkeit ihrer Rede fällt er in Schlaf. Denkend, Hyppoliytos nimmt es nicht wahr, küsst Phädra ihn leidenschaftlich auf den Mund. Der Eingeschlummerte erwacht und beschimpft seine Stiefmutter als typisch weibliche Schlampe. Frustriert und verärgert berauscht sich Phädra an dem Gedanken, sich selbst zu töten - aber nicht, bevor sie an Hippolytos Rache genommen hat.

Dem Theseus erzählt sie, dass sein Sohn versucht habe, ihr Gewalt anzutun. Eine bösartige Amme intrigiert fleißig mit. Ungehalten über sein Fehlverhalten ruft der König den Meeresgott Poseidon an, sie Bestrafung vorzunehmen, weil seine väterlichen Gefühle ihn wankelmütig machen könnten.

Es dauert nicht lange, dass der König Information erhält, sein Sohn plane eine Ausfahrt  und der Weg ihn am Strand entlang führe. Dem vorbei rasenden Streitwagen stellt sich als Hindernis ein Felsbrocken entgegen; das Gefährt gerät ins Schleudern und kippt um. Während der Wagenlenker mit dem Schrecken davonkommt, setzt Poseidon nach der Vorstellung des Librettisten ein Meeresungeheuer auf den Ahnungslosen an, welches ihn nicht auffrisst, sondern am Strand zu Tode trampelt.

Der König bereut seinen Zorn und schließt sich mit seinen Empfindungen um den toten Prinzen der trauernden Bevölkerung an. Phädra kommt hinzu, enthüllt ihre Schuld und verkündet, dass sie Gift getrunken habe. Sie jubelt, dass sie von dem Geliebten nun niemand mehr trennen kann. Sterbend lässt sie sich auf seinen toten Körper fallen, um in einer letzten Umarmung mit ihm vereint zu sein.





Anmerkung:

Unzählige Male haben die Librettisten den Tonsetzern das Thema von der unglücklichen Liebe Phädras zu ihrem Stiefsohn als Augen- und Ohrenschmaus vorgesetzt. Die Bearbeitung durch d'Annunzio und Pizzetti ist nichts anderes, als der langen Kette von Vertonungen eine neue Variante hinzuzufügen, ohne jedoch auf anhaltende Resonanz zu stoßen. Man erinnert sich an eine Aufführung im Jahre 1959 mit Regine Crespin, Gaston Limarilli und Dino Dondi. Die deutsche Premiere fand erst am 24. Mai 2008 in Erfurt statt.

Pizzettis Musik verzichtet auf avantgardistische Extravaganzen und bleibt in Form und Farbe strikt konservativ. Der Verbreitung seiner Musik stand seine Nähe zu Mussolinis Faschismus bisher entgegen. Heute interessiert das kaum noch jemanden und es ist denkbar, dass das eine oder das andere Theater sich seiner diversen Opern annimmt. An vorderster Front steht natürlich der 'Mord in der Kathedrale' der in jüngerer Zeit mit Ruggiero Raimondi in Bari in Szene gesetzt wurde.

***
November 2009 musirony - Engelbert Hellen

 

 




 

 

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