musirony - Die Krönung der Poppäa - PART I.
 

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Schöne Oper - gern gehört



Claudio Monteverdi [1567-1643]

Die Krönung der Poppäa

L'incoronazione di Poppea - The Coronation of Poppea - Le Couronnement de Poppée


 Oper in drei Akten mit einem Prolog

   italienisch gesungen

 Libretto von Giovanni Francesco Busenello  
nach dem XIV. Buch der Annalen des Tacitus 
 
Uraufführung im Herbst 1642 in Venedig, Teatro Grimano
Deutsche Erstaufführung 1954 in Köln          

Aufführungsdauere etwa 160 Minuten,

Charaktere:

Nerone, römischer Kaiser
Poppea, seine Geliebte
Ottavia, amtierende Kaiserin
Ottone, abgelegter Ehemann Poppeas
Seneca, Philosoph und ehemaliger Tutor Neros
Drusilla, in Ottone verliebt
Arnalta, Vertraute Poppäas
Nutrice Octavias 
Lucano, Dichter und Freund Neros
Zwei Wachsoldaten
Familie und Schüler Senecas
La Fortuna, Allegorie des Glücks
La Virtù, Allegorie der Tugend
Amore, der Liebesgott
und weitere

Die Handlung spielt in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung






HANDLUNG

PROLOG

Der Zugang zu einer Barockoper wird dem Publikum erleichtert, wenn es von den handelnden Akteuren nicht sogleich überfallen wird. Die Allegorien von Zuständen und Eigenschaften bieten ein bisschen Vorgeplänkel, welches mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun hat und austauschbar ist. Auf den Liebesgott Amor kann in der Regel kaum eine Oper der Gründerzeit verzichten. Bevor „Die Krönung der Poppäa“ in Sicht ist, beschimpfen sich Glück und Tugend auf das Heftigste, weil jede der beiden Göttinnen glaubt, der Vorrang vor der anderen gebühre ihr.

Die Tugend soll sich verstecken, weil ihr die Einbildung, göttlich zu sein, niemand mehr abkauft. Ihre Tempel seien verfallen, außerdem laufe sie nachlässig gekleidet herum und habe ihren Glanz auf diese Weise verkommen lassen. Einst eine Königin, sei sie nun ein Bettelweib und wer ihr vertraue, könne nicht damit rechnen, jemals zu Reichtum oder auch nur Wohlstand zu erlangen. Sie solle sich schämen, weil sie es nicht verstünde, sich optisch ein bisschen zurecht zu machen. Die Menschen würden sich vor ihr abwenden, weil ihr Ansehnlichkeit und Leuchtkraft fehle!

Die Tugend lässt sich solche Schmähung nicht gefallen und führt an, dass man der unzerstörbaren Essenz ihres Wesens die Gottgleichheit nicht absprechen könne. Auch wenn ihr der äußere Glanz fehle, sei ihre Zuverlässigkeit begehrt, denn sie biete Zufriedenheit, eine Eigenschaft, die der wankelmütigen Rivalin absolut abgehe. Unzuverlässig sei sie und ein Hirngespinst, nur die Oberflächlichen und Leichtsinnigen würden ihr nachlaufen.

Amor findet die Auseinandersetzung ebenso unerträglich wie überflüssig und mischt sich in den unwürdigen Dialog der beiden ein. Er erklärt, die Weltherrschaft gehöre einzig ihm und er halte es unter seiner Würde, seinen Anspruch zu begründen. Die Menschen würden es gar nicht nötig haben, zwischen Glück und Tugend zu wählen, denn beide Eigenschaften besitze er in reichem Maße. Automatisch wenden die Götter und Menschen sich deshalb ihm zu, ohne dass er Propaganda machen müsse. Er schickt seine Pfeile ins Ziel und was dem einen schadet, nutzt dem anderen. Seine Launen unterwerfen die Welt, und ihm haben die Tugend und das Glück zu gehorchen. Die beiden streitenden Damen gehen ob solch kühner Rede die Argumente aus und müssen einräumen, dass der zynische Knirps ihr König sei. Nun kann die Handlung der Oper beginnen, denn das Publikum ist aufmerksam geworden.

                                           Poppäa wurde in Pompeji geboren
                                                                                                  

Erster Akt

Erste Szene:

Wir wollen Othos Ergüsse nicht als schmalzig bewerten, sondern berücksichtigen, dass man es zu vergangenen Zeiten besser verstand, das Herz auf die Zunge zu legen. Poesie kann auch heute noch entzücken, wenn man ein Gespür dafür hat. Der Librettist Francesco Busenello hat ein dichterisches Meisterwerk geschaffen, nach dessen Stil die Komponisten der Romantik vergeblich ihre Sehnsucht ausrichteten. Erklärt sei zunächst, dass Otho der abgelegte Ehemann Poppäas ist, der aber von seiner Begierde nicht lassen kann und sich unter dem Fenster ihres Schlafzimmers einfindet. Im Bett der Ehrgeizigen liegt der übermächtige Rivale – es ist der Kaiser selbst – dem Poppäa mit weitreichender Überlegung ihre Gunst gewährt. Otho ist dem Kaiser viel zu unwichtig, als dass er ihn zur Kenntnis nehmen könnte. Der Verstoßene leidet unter seiner verschmähten Liebe wie ein Tier:

Und so komme ich wieder wie die Linie zur Mitte,
wie das Feuer zur Sonne und wie der Bach zum Meer,
und wenn auch nicht das geringste Licht zu sehen ist,
ach, ich weiß doch gut, dass meine Sonne drinnen ist.“

Zu dem lieben Haus, dem Hort seines Lebens und seiner Geliebten, eilt er, damit sein Herz es grüßen kann. Poppäa soll doch bitte ein Fenster öffnen, damit er ihr schönes Gesicht sehe, um darin lesen zu können, wie seine Aktien stehen. Die Angebetete soll sich zeigen und mit dem Hochklappen ihrer Augenlider die Nebel und Schatten der Nacht zerstreuen. In ihrer Treulosigkeit hat Poppäa ihre Schwüre bedauerlicherweise vergessen, obwohl der liebe Otho immer noch der gleiche ist. An ihrem schönen Busen schlummert jetzt ein anderer Genießer. Zwei Prätorianer bewachen vor dem Eingang seine Sicherheit, damit beide sich ungestört amüsieren können. Der Himmel wandte sich zu seinem Unglück und vernichtete seine Ernte. Otho zerfließt vor Schmerz und Selbstmitleid.

Zweite Szene

Die beiden Prätorianer, welche die ganze Nacht Wache schieben mussten, sind ebenfalls missmutig. Verbal mischen sie sich in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Die Kaiserin Octavia sei zu bedauern, weil Nero sie mit Poppäa betrüge. Armenien erhebt sich und Pannonien greife zu den Waffen, ohne dass der Kaiser Maßnahmen ergreift. Die Armen raubt Nero aus, um die Reichen zu beschenken. Unschuldige werden verfolgt und die Ganoven bereichern sich. Ist Seneca nun ein schlauer Fuchs oder ein alter Räuber, der sich die Taschen füllt und seine Freunde hintergeht? Dieser bösartige Architekt hat sein Haus auf den Gräbern der anderen gebaut. Der erste Soldat mahnt, dass der andere nicht weiter erzählen soll, was sie besprechen, denn ein Auge traut dem anderen nicht, obwohl beide in die gleiche Richtung schauen.

Dritte Szene

Nero sieht seine Bettruhe als beendet an und bittet Poppäa ihn nun gehen zu lassen. Es muss nicht sein, Rom zu informieren, dass sie zusammen waren, denn ihr guter Ruf soll seinetwegen nicht leiden. Noch hat er Octavia nicht verstoßen! Ein Seufzer entringt sich seiner Brust, noch ein Kuss und schon bald werden sie sich wieder treffen. Poppäa denkt logisch: Wenn er immerzu behaupte, dass sie in seinem Herzen eingeschlossen sei, können seine Augen sie doch gar nicht sehen. Sie hat nichts dagegen, wenn er gehen will, aber der Klang seiner Worte klingt bitter. Poppäa soll nichts fürchten. Nur Sie sei seine Göttin und im Geiste sei er ständig bei ihr. Angeblich erträgt er es nicht, wenn er von ihr getrennt ist, und so wie eine Einheit nicht geteilt werden kann, gehört er zu ihr. Nero muss versprechen bald wiederzukommen.

Vierte Szene

Hoffnung umschmeichelt Poppäa, weil ein wohlmeinendes Schicksal ihr den Königsmantel umlegen wird. Widerwärtigkeiten durch Octavia fürchtet sie nicht, weil Amor und Fortuna für sie kämpfen werden, Arnalta, ihre Vertraute und vormals ihre Amme, traut der Zuversicht ihrer Herrin nicht. Der Himmel möge es einrichten, dass die Umarmungen des Kaisers nicht eines Tages ihr Ruin sein werden. Die Kaiserin Octavia habe Neros Liebschaften längst durchschaut und sie ist voller Angst, dass jede Stunde ihre letzte sein könnte. Könige unterliegen nicht den Gefühlen von Liebe und Hass, sondern lassen sich nur von ihrer Berechnung leiten. Sie soll in Nero keine tieferen Gefühle investieren, damit sie nicht klagen muss, wenn er sich abwendet. Die Großen dieser Welt füllen das Haus mit Stürmen der Leidenschaft und lassen von der Ehre einer aufopfernden Frau nur Staub zurück. Den Kaiser zu bewegen, sie zu heiraten, sei das gleiche, als wenn sie ihn um ihren Untergang bitten würde. Die Liebende soll die Augen offen halten, denn dort, wo die Welt am schönsten und angenehmsten sei, verberge sich auch die Schlange. Poppäa sei verrückt, wenn sie glaubt, durch den blinden Knaben, der sich Amor nennt, glücklich gemacht zu werden.

Fünfte Szene

Der ausgiebige Monolog Octavias behandelt die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Spiegelbild ihrer persönlichen Katastrophe. Die geschmähte Gemahlin des römischen Imperators weiß nicht mehr, was sie tut, was sie darstellt und was sie denken soll! Das erbarmungswürdige Geschlecht der Frauen wird durch die Ehe sklavisch gefesselt, selbst wenn die Natur und der Himmel sie als freie Wesen erschaffen haben. Der verfluchte Nero, ach Gott, er ist ihr Gemahl, tändelt vergnügt an der Seite Poppäas, obwohl die zahlreichen Tränen aus ihren Augen ein Spiegelbild ihrer Qual sind, die er nicht wahrnehmen will. Hat Jupiter keinen Blitz mehr, um den Unhold zu bestrafen? Vielleicht ist es besser, die Pein schweigend zu ertragen, als den Himmel herauszufordern, der ihre Aufforderung als Blasphemie auslegen könnte. Ihr Mund hat gesündigt, doch ihr Innerstes ist rein. Unschuldig ist das Herz, es sündigte allein die Zunge!

Die Amme – Arnalta ist es nicht - rät, Neros Untaten mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Wenn ihrem kaiserlichen Gemahl sein Unrecht so viel Spaß macht, soll sie sich doch einen Mann suchen, der ihrer würdig ist, damit sie auch etwas Freude in ihr Leben bringt und vor allem, Rache nehmen kann. Solche gemeinen Argumente hat Octavia von ihrer Amme noch nie gehört. Die Fürsorgliche soll begreifen, dass die Frau, deren Ehre beleidigt ist, durch die ehebrecherischen Leidenschaften ihres Gatten zwar geschmäht, aber nicht entehrt wird. Doch andererseits sei der Gatte entehrt, wenn das Ehebett durch ihn entweiht wird. Die Vorschläge der Besserwisserin gehen ins Leere. Octavia entschließt sich, ihren Kummer lieber zu ertragen, als den Gemahl zu reizen.

Sechste bis achte Szene:

Eine andere Beleuchtung ihrer Situation erfährt Octavia nun durch den Philosophen Seneca, der unerwartet zu Besuch erscheint. Die ruhmreiche Kaiserin eines Weltreichs sei auf den Thron der Cäsaren erhoben worden, um Sklaverei zu erdulden, hetzt er. Tränen seien ihrer kaiserlichen Augen unwürdig, aber nicht zu übersehen. Sie solle dem Schicksal danken, dass es mit seinen Schlägen ihren Ruhm vergrößert, denn ein Stein kann nur Funken hervorbringen, wenn er geschlagen wird. Vom Schicksal sei Octavia bestimmt, die hohen Tugenden von Kraft und Seelenstärke hervorzubringen, deren Ruhm noch größer sei, als ihre außerordentliche Schönheit. Doch diese vergeht im Laufe der Zeit, während Tugend so stark ist, dass sie dem Geschick trotzen kann, denn sie kennt keinen Verfall. Zum Blödeln ist Octavia jetzt nicht aufgelegt. Seneca versuche Gift in Balsam zu verwandeln und Qualen in Ruhm zu tauchen. Seneca möge ihr vergeben, aber seine geschliffenen Nichtigkeiten seien künstliche Gedankengänge, die als Heilmittel für die Unglücklichen unbrauchbar seien.

Ein vorlauter Höfling, der seinen Ärger über den schlauen Philosophen und Religionsschwindler nicht zurückhalten kann, unterstellt ihm, seine Lehren derart verwirrend zu formulieren, dass er zum Schluss selbst nicht mehr wisse, was er gesagt habe. Es sei seine Art, aus der Unwissenheit anderer Gewinn zu ziehen und er betrachte Jupiter als Komplizen. Der Empörte fordert den Klugschwätzer auf, der Kaiserin vernünftige Ratschläge zu geben, andernfalls werde er unter seinem Bart oder unter seinen Büchern ein Feuer anzünden.

Seneca lässt sich nicht beirren und schöpft weiterhin aus dem Vorrat seiner Weisheit. Der kaiserliche und königliche Purpur sei aus spitzen Dornen und Versuchungen gewebt, unglücklichen Fürsten sei er ein dauerndes Martyrium. Die hohe Krone vergrößert nur den Schmerz. Von der königlichen Größe sieht man nur den Glanz und die Herrlichkeit, die Schmerzen bleiben immer unsichtbar. Seneca schwadroniert einfach los, ohne sich zu vergewissern, ob seine Phrasen der vorliegenden Situation angepasst sind und derjenige, an den sie gerichtet sind, damit etwas anfangen kann. Nero wird ihm die Quittung geben. Seneca wird frech, Pallas Athene persönlich hatte ihn gewarnt: „Der Tod soll ruhig kommen, fest und stark will ich alles Unheil und die Furcht besiegen. Nach den düsteren Tagen erglänzt der Tod als ewiger Tag!“

Neunte Szene:

Nero hat Seneca zu sich beordert und möchte seinen Kommentar vernehmen:

Son risoluto insomma
o Seneca, o maestro,
di rimovere Octavia
da posto di consorte
e disposar Poppea.“

Er sei entschlossen, Octavia als seine Gattin von ihrem Platz zu entfernen, um Poppäa zu heiraten. Seneca ist dagegen, ergreift die Partei Octavias (von Poppäa hat er nichts zu erwarten) und versucht, ihm die Idee auszureden. Es entspinnt sich folgender Dialog: Am Grunde großer Süße läge oft Reue. Das Gefühl sei ein schlechter Ratgeber – es hasse die Gesetze und verachte die Vernunft. Das Gesetz sei für den Diener, erwidert Nero, und wenn er will, kann er das alte abschaffen und ein neues einsetzen. Die Herrschaft sei geteilt: Jupiter gehöre der Himmel, aber auf Erden regiere er allein. Seneca hält dagegen: „Regellos zu wollen ist nicht wollen, sondern – mit deiner Erlaubnis – Willkür!“ Nero hat die passende Entgegnung, dass die Vernunft ein strenges Maß sei, für diejenigen, die gehorchen, aber nicht für die, die herrschen. Das Gegenteil sei richtig, meint der andere, denn unverständige Befehle würden den Gehorsam zerstören. Sein Widerspruch nütze ihm nichts, Nero mache es nach seiner Art. Nero solle das Volk und den Senat nicht ärgern. Beide seien ihm egal. Dann soll der Kaiser wenigstens an sich und seinen Ruf denken. Nero will dem die Zunge herausreißen, der sich heraus nimmt, ihn zu tadeln. Octavia sei übrigens kalt und unfruchtbar. Wer keine Gründe hat, sucht nach Vorwänden. Dem Mächtigen fehlen keine Gründe. Dem ungerechten Werk fehle die Überzeugungskraft. Man sei stets gerechter, je mächtiger man ist. Aber wer nicht herrschen kann, ist stets weniger mächtig. Die Macht sei das Gesetzt im Frieden wie das Schwert im Kriege, sie bedarf keiner Vernunftgründe. Seneca lässt nicht locker, hat aber im Argumentieren in Nero einen ebenbürtigen Gegner gefunden. Nun beginnt der Philosoph entsprechend seiner geistigen Veranlagung zu schwafeln: Die Macht entzünde den Hass und errege das Blut, die Vernunft regiere die Menschen und die Götter. Der Weisheit letzter Schluss: Seneca bringe ihn in Wut. Ihm, dem Volk, dem Senat wie auch Octavia, nicht zu vergessen Himmel und Hölle zum Trotz – noch heute wird Poppäa seine Gattin. Seneca findet kein Ende. Wenn ein König nicht gerecht sein will, soll er sich wenigstens großartiger Verbrechen schuldig machen, Seneca könne nicht verstehen, dass eine kleine Frau die Macht habe soll, den Kaiser in Irrtümer zu verstricken. Was er im Sinne führe sei eine plebejische Untat.

Levamiti dinnanzi,
maestro impertinente,
filosofo insolente.“

Nero weist dem Unverschämten die Tür, aber das letzte Wort hat Seneca: Immer gewinne die falsche Seite, wenn Gewalt und Vernunft aufeinander prallen.

Zehnte Szene:

Poppäa will von Nero wissen, wie süß er in der vergangenen Nacht die Küsse aus ihrem Munde fand. Je süßer sie waren, um so mehr haben sie ihn verwundet. Poppäa kommt auf ihre leidenschaftlichen Umarmungen zu sprechen und lässt die Äpfel ihrer Brüste nicht unerwähnt. Letztere würden schönere Namen verdienen, meint Nero. Sein Schicksal würde nicht mehr vom Himmel bestimmt, schmeichelt er, sondern ihre rubinroten Lippen würden ihn anfeuern. Weshalb lässt sie ihren feurigen Geist unerwähnt? Ist er nicht wichtiger als alle äußeren Attribute? Sie genießt seine Worte, als ob es Küsse seien. In ihr Herz haben sie sich eingefräst. Nero kommt nun zur Sache und das Opernpublikum hört aufmerksam zu:

Diese herrliche Krone,
mit der ich über Menschen und Länder herrsche,
will ich mit dir teilen.
Ich werde erst dann glücklich sei,
wenn du den Titel der Kaiserin trägst."

Sie erhebe ihr Herz in süßer Hoffnung, weil er es befiehlt. Aber es gäbe noch Hindernisse, die im Weg stünden und das Ziel seines königlichen Versprechens noch verbauen würden. Seneca, dieser gerissene Philosoph, versuche anderen immer einzureden, es hinge allein von ihm ab, dass Nero sein Zepter schwingen darf. Hat der stotternde Narr solches gewagt? Ganz schnell wird er ihm jemanden schicken, der ihm seinen Befehl übermitteln soll, dass er zu sterben habe. Redensarten und dumme Sprüche können ihn nicht leiten, denn sein Schicksal bestimme er allein, sagt ihm sein Selbstverständnis. Seine eigenen Geisteskräfte hält er nicht für so gering, dass er es dulden müsse, andere über sich bestimmen zu lassen. Poppäa soll guten Mutes sein, denn noch heute werde sie sehen, zu was die Liebe fähig ist. Ein orchestrales Zwischenspiel leitet über zur nächsten Szene.

Elfte Szene:

Otho – ganz schön dreist – hatte sich im Schlafzimmer versteckt und zugehört. Nun beklagt er sein unwürdiges Schicksal und hat sich ausgerechnet Poppäa als Dialogpartner gewählt.

Andere können süße Getränke kosten, er darf den Kelch nur anschauen. Offen sind die Tore für Nero, aber Otho muss schön draußen bleiben. Der andere sitzt an der Tafel und sättigt seine Gier, aber er stirbt an bitterem Fasten. Poppäa stellt richtig: Wer unglücklich geboren sei, muss sich selbst die Schuld geben und nicht den anderen. Sie sei nie und nimmer die grausame Ursache seines erbärmlichen Zustands. Poppäa spart nicht an Belehrung, doch Otho bemerkt bitter, dass Nero mit den süßen Äpfeln spiele und der eigene Mund nichts zu beißen habe. Wenn Fortuna ihm die kahle bietet, und anderen ihre Locken zeigt, entgegnet Popäa, besagt das lediglich, dass andere glücklicher waren als er. Sein Missgeschick sei nicht ihre Schuld. Otho hofft, dass nicht Granit ihr Herz umschließt und sein Leiden eines Tages imstande seien, es zu Wohlwollen und Liebe zu erweichen. Poppäa sagt ihrem verflossenen Gatten in aller Deutlichkeit, dass er sie nervt und er sein Werben einstellen soll. Sie verlasse ihn, um den Thron zu erklimmen, sie gehöre jetzt Nero und damit: basta!

Arnalta hatte lange nichts gesagt und vergewissert Otho ihres Mitgefühls. Scheinheilig bedauert sie den unglücklichen Jüngling und höhnisch klagt sie Poppäa an, kein Mitgefühl zu haben. Sie erinnere sich ihrer eigenen Jugend und will niemals einen Liebhaber in Verlegenheit gebracht haben, seinem Leben ein Ende zu setzen, weil sich zuvor immer rechtzeitig das Mitleid eingestellte.

Zwölfte Szene:

Otho kommt zu der Auffassung, dass das schwache Geschlecht seine menschlichen Züge nur im Gesicht trage und einzig darauf aus sei, zu herrschen. Er hat Angst, dass Nero entdecken könnte, dass seine Gefühle für sie noch nicht erloschen sind und ihn hinrichten lassen könnte. Dieser Möglichkeit will er durch Dolch oder Gift zuvorkommen. An seinen Qualen sei einzig die verräterische Poppäa schuld, die Schlange, die er am Busen nährte.

Dreizehnte Szene:

Die Rettung aus trüben Gedanken bringt Drusilla. Das Mädchen kritisiert, dass der Verflossene entweder in Gedanken oder in Worten nur bei Poppäa sei. Otho ist um eine Antwort nicht verlegen. Aus dem Herzen vertrieben, gelangt der Name der Geliebten auf die Zunge. Von dort schrillt es in alle Winde, dass die Treulose ihn verriet. Drusilla gedenkt ihrer Abfuhr: Das Gericht der Liebe urteilt häufig gerecht. Mit ihr hatte der Geliebte doch auch kein Mitleid, nun hat sie das Recht, ebenfalls über ihn zu lachen.

Otho überlegt, ob es nicht tatsächlich besser sei, Drusilla gegen Poppäa einzutauschen. Für schlechtes Verhalten bittet er um Verzeihung und die schöne Drusilla soll sich ihm doch jetzt wieder zuwenden. Seine Seele sei zur Besserung bereit - als Diener und Freund will er sich ihr weihen. Wohin denkt der liebe Otho? Aller Verdruss sei von ihrer Seite aus begraben und vergessen, aber kann sie neuen Liebesschwüren auch trauen? Sie möchte nicht schon wieder angelogen werden. Otho beteuert, dass er überhaupt nicht lügen kann. Woher kommt der Sinneswandel so plötzlich? Nun, die Liebe sei ein Feuer, welches sich plötzlich entflammt. Gut, hat sie ihn wirklich richtig verstanden, dass er nur sie liebt und er sich ihr wieder zuwenden will? Die unerwartete Süßigkeit seiner Rede kommt ein bisschen plötzlich! Er finde sie völlig unvorbereitet! Drusilla kann beruhigt sein, ihrer Schönheit versichert er seine Liebe. Das neue Bild habe sich seinem Herzen bereits eingeprägt. Drusilla ist hocherfreut und eilt zur Kaiserin, um ihr zu huldigen und ihr neues Glück kundzutun, den Geliebten zurückerobert zu haben. Otho bleibt allein zurück – mit Drusilla auf den Lippen und Poppäa im Herzen.

Zweiter Akt Fortsetung auf Blatt 2


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