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Schöne Oper – selten gehört


 


 

Umberto Giordano [1867 - 1948]

Siberia

Sibirien

 

Oper in drei Akten

italienisch gesungen

Libretto von Luigi Illica

Uraufführung am 19. Dezember 1903, Mailand, Teatro alla Scala,
revidierte Fassung 1927, Mailand

Dauer knapp 100 min.

 

Charaktere:

Stephana, eine Hetäre – Sopran
Wassili, Leutnant – Tenor
Gléby, ein Kuppler – Bariton
Nikona, eine Gouvernante, Mezzosopran
Fürst Alexis – Tenor
Walinoff, Gouverneur – Bass
Miskinski. Bankier – Bariton
Der Inspektor – Bass
Iwan, ein Kosacke - Tenor
Ein Mädchen – Sopran

Die Handlung spielt in Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 



 

Dokumentation
LABEL: Dynamic DD-Einspielung im August 2003, Palazzo Ducale, Martina Franca
unter Manlio Benzi








HANDLUNG

Erster Akt:

Fürst Alexis hat seiner Geliebten Stephana die Villa geschenkt, in welcher sie gemeinsam ihre schönen Stunden verbringen. Daran ist die Erwartung geknüpft, dass die „schöne Orientalin“ihm ein gewisses Maß an Treue entgegenbringt. Weit gefehlt, manchmal bleibt sie über Nacht einfach fort, auch am frühen Morgen des Alexander-Festes wartet man vergeblich auf sie. Die Katze lässt das mausen nicht, denn im vergangenen Lebenbsabschnitt war Stephana Edelprostituierte.

Die Anwesenheit ihres früherer Zuhälters Gléby im Hause des Fürsten wird von diesem seltsamerweise toleriert. Als Gegenleistung für das Zugeständnis muss der geheime Buhle diskret bleiben, sich extrem unterwürfig verhalten und das Dauerlächeln üben.

Zumute ist Gléby danach nicht, denn er fühlt sich durch Stephanas bekenkenloses Freiheitsverständnis genau so gekränkt wie Alexis und wird aufbrausend. Ihre mütterliche Freundin Nikona deckt Stephanas Behauptungen wie gewohnt, dass sie unschuldig in ihrem Bett gelegen sei. Geduldig wartet der Fürst im Rauchsalon und spielt inzwischen mit den anderen Karten.

Schließlich erscheint die Schöne, als Alexis in der Uniform der kaiserlichen Wache im Kreise anderer Offiziere und bedeutender Persönlichkeiten ihr seine Aufwartung macht und ihr ein prachtvolles Armband schenkt. Taktvoll zieht Gléby sich zurück, denn der Fürst hebt an zu verkünden, der schönen Frau zu allem Überfluss auch noch einen Heiratsantrag zu machen.

Unerwartet bekommt Nikona den unerwarteten Besuch ihre Patensohns Wassili, ein Infanterieoffizier, der im Begriff ist, gegen die Türken zu ziehen. Er erkennt in Stephana seine Geliebte, die sich ihm als „arme und ehrliche Stickerin“ vorgestellt hatte. Die Überraschung ist schmerzlich, trotzdem erklärt Wassili ihr erneut seine Liebe. Alexis kommt unerwartet hinzu und liest aus beider Augen ihre Gefühle füreinander. Eifersucht bemächtigt seiner und er stürzt sich mit seinem Säbel auf Wassili. Es kommt zwangsläufig zum Duell - und der Fürst wird empfindlich verletzt. Nikonas Geschrei ruft die Gäste herbei, die sich um die Kampfhähne scharen und so aussagen, wie es dem Fürsten dient. Schicksalsergeben wirft Wassili seinen Säbel weg.

Zweiter Akt:

Um zu den Bergwerken zu gelangen, wird von den nach Sibirien deportieren Gegangenen die Straße von Wladimirka auf halbem Wege als Haltepunkt benutzt. Die Zwangsarbeiter, die in den Bergwerken beschäftigt werden sollen, bilden eine lange lebende Kette. Der nach Sibirien verdammte Wassili befindet sich auch unter den Verurteilten.

In ihm hat Stephana endlich ihre wahre Liebe gefunden, und da sie für immer an seiner Seite bleiben möchte, hat sie bei den Behörden die Erlaubnis erwirkt, den Zug der Gefangenen begleiten zu dürfen.

Warm angezogen, steigt sie aus der von ukrainischen Pferden gezogenen Troika um, sobald die Haltestelle erreicht ist. Ihre Villa hat sie an den Fürsten zurückgegeben und ihren beweglichen Besitz zu Rubeln gemacht, um sie an die Armen zu verschenken. Ihr Herzenswunsch ist es nun mit Gottes Willen zu dem Verurteilten Nummer 107 zu gelangen. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die sie voraussichtlich erwarten, verspricht sie Wassili, an seiner Seite zu bleiben.

Das schreckliche Sibirien soll Die Strafe für ihr Lotterleben sein und mit Gottes Wille der Preis für ihre Erlösung. Hoffnungsvoll, aneinandergeschmiegt und sich gegenseitig stützend, brechen Wassili und Stephana - in die lebende Kette eingebunden - zu den Bergwerken auf.

Dritter Akt:

Eine schwache Frühlingssonne erwärmt die Luft. In den Bergwerken Transbaikaliens wird der Besuch des Gouverneurs erwartet. Die Zwangsarbeiter sind fleißig und zeigen Arbeitslaune.

Unter dem Vorwand, eine Nationalflagge nähen zu wollen, macht ein alter hinkender Ivalide sich an Stephana heran und fragt nach einen Fetzen Textil. Doch das ist es nur ein Vorwand, um eine Botschaft loszuwerden, dass der Gefangene Nummer 98 sie noch vor dem Abend sprechen möchte.

Es ist Gléby, den es keine Ruhe gelassen hat, Stephana aus den Augen verloren zu haben. Wegen Betruges und anderer Delikte ist er ebenfalls verurteilt worden und hat sich aus dem nahen Dorf Jakal zu den Bergwerken versetzen lassen. Einen Fluchtweg durch einen geheimen Gang hat er ausgekundschaftet. Er führt durch eine austrocknete Wasserader mitten durch die Heide. Doch Stephana. charakterlich gefestigt und tugendhaft geworden, weist eine Flucht an seiner Seite zurück. Sie liebt Wassili und schätzt Sibirien, ein Land welches sie die Liebe wieder entdecken ließ.

Der enttäuschte Gléby reagiert bösartig und erzählt allen im Gefangenenlager von ihrer Vergangenheit. Um den Auswirkungen der üblen Nachrede zu entgehen, plant Stephana nun den Fluchtweg mit Wassili zu nutzen, ohne das fragwürdige Unternehmen abschätzen zu können. Gléby hat Witterung aufgenommen und schlägt Alarm. Um die beiden an der Flucht zu hindern schießen die Wachposten und treffen Stephana tödlich. Das Opernpublikum ist zufrieden, dass wenigstens Wassili am Leben bleibt, um sie seine Geliebte noch einmal umarmen zu können.

***
2013 musirony – Engelbert Hellen

 

 

 

 

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