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Schöne Oper - selten gehört





Georg Friedrich Händel [1685-1759]

Faramondo

Pharamond



Oper in drei Akten

HWV 39, entstanden 1737

italienisch gesungen

Libretto der Urfassung von Apostolo Zeno

Uraufführung am 3. Januar 1738 am Londoner King’s Theatre

Dauer ca. 170 Min.

 

Personen:

Faramondo, König der Franken (Mezzosopran)
Clotilde, seine Schwester (Sopran)
Gustavo, König der Zimbern (Bass)
Adolfo, sein Sohn (Mezzosopran)
Childerico, ein angenommener Sohn (Sopran)
Sveno, ein unterschobener Sohn (nicht präsent)
Rosimonda, seine Tochter (Mezzosopran)
Tebaldo, ein Hauptmann (Bass)
Gernando, König der Sueben (Alt)
Fränkische, zimbrische und schwäbische Krieger

Das Frankenland zur Vorzeit der Völkerwanderung im 2. Jahrhundert



INHALTSANGABE


Erster Akt:

Ein heiliges Zypressenwäldchen ist der Austragungsort für den Schmerz, den König Gustavo und sein Sohn Adolfo zu erdulden haben, denn Sohn und Bruder Sweno wurde von dem Frankenkönig Faramondo ohne Grund heimtückisch ermordet. Im Kreise seiner Anhänger schwört der kimbrische König heilige Vergeltung.

Unglücklicherweise lebt die Schwester Faramondos zufällig als Geisel im Königspalast der Kimbern. An ihr möchte Gustavo sein Mütchen kühlen. Doch der alternde König hat die Rechnung ohne seinen temperamentvollen Sohn gemacht, der sich – die Nornen haben die Schicksalsfäden nun einmal so geknüpft – in Prinzessin Clotilde verliebt. Seine Fürsprache bewirkt, dass Clotildchens Leben geschont wird. Die Prinzessin ist nach Merowinger Art ein kleines Aas und versucht, den ihr ergebenen Prinzen gegen seinen Vater aufzuhetzen. Die Intrigantin führt im Schilde, ihn zur  Allianz mit ihrem Bruder Faramondo zu bewegen. Das Opernpublikum bekommt die Tücke der Prinzessin gar nicht so richtig mit, weil die Liebenden gleichzeitig ihre Gefühle füreinander deklarieren. Verfolgte Liebende sind traditionell mit Sympathie zu bedenken. Clotilde bittet beim Freund um Entschuldigung für das Fehlverhalten ihrer Familie, damit das Publikum das folgende Liebesduett von Adolfo und Clotilde auch nachvollziehen und in vollen Zügen genießen kann.

Doch die Vielbegehrte im Wechselbad der Gefühle ist nicht Clotilde, sondern Gustavos Tochter Prinzessin Rosimonde. Sogar König Faramondo ist hinter ihr her. Rosimonde gibt sich spröde, denn schließlich hat der Teufel ihren Bruder Sweno umgebracht und -  was noch viel schlimmer ist, aber gar nicht  stimmt – er steht mit dem Suebenkönig Gernardo in verräterischem Bunde.

Es ist das Geheimnis des Librettisten Apostolo Zeno, weshalb die beiden verruchten Monarchen im königlichen Garten der Zimbern unbehelligt spazieren laufen dürfen. Um ihr Herz günstig zu stimmen, bietet Faramondo Rosimonde zum Ausgleich begangener Schandtat rhetorisch sein Leben an, obwohl er – wenn er erst tot ist – aus ihrer Liebe praktisch keinen Nutzen mehr ziehen kann. Rosimonde ist in ihrer Naivität von soviel Edelmut tief beeindruckt, dass sie zumindest erst einmal damit aufhört, sich seinen Tod zu wünschen.

Gernardo, der König der Sueben, darf sich im Palast ebenfalls frei bewegen. Gern möchte er die liebliche Rosimonde, nach der sich Faramondo bereits die Lippen leckt, heimführen. Aus Mangel an Attraktivität akzeptiert Rosimonde  diesen Anbeter nun überhaupt nicht. Allein aus seinem Gesicht kann jeder lesen, dass der Bösewicht nur von Machtgelüsten beherrscht wird. Der Zurückgewiesene plant nun, den störenden Nebenbuhler unschädlich zu machen. Die Ausführung der Tat misslingt, denn er wird von dem körperlich überlegenen Faramondo überwältigt und entwaffnet, bleibt aber entgegenkommend oder aus Trägheit von Konsequenzen verschont.

König Gustavo hat erfahren, dass Faramondo – anstatt sich um die Regierungsgeschäfte zu kümmern -  in seinem Garten unerlaubt herumspukt und bekommt einen Energieanfall. Er stiftet seine Männer an, den Übeltäter zu überfallen. Clotilde gelingt es jedoch, ihren Adolfo zu mobilisieren, der den Überfall durch die väterliche Leibwache vereitelt. Mit seiner Rückendeckung ist  Faramondo  sogar so dreist, um beim König um Rosimondes Hand anzuhalten. Doch letzterer fühlt sich von allen Seiten verraten, grollt und verlangt unerbittlich nach Faramondos Tod.

Zweiter Akt:

Gernardo bewegt sich nun selbst zu Gustavo und signalisiert ihm, sich mit ihm gegen den verhassten Faramondo zusammenzuschließen. Er möchte Körperteile tauschen: Faramondos Kopf gegen die Hand Rosimondes.  Er verhandelt das Fell des Bären, obwohl dieser noch gar nicht erlegt ist.

Clotilde bekommt Wind von der Sache und bittet ihren Bruder, lieber abzuziehen, bevor es zu spät sei. Doch der Merowingerkönig ist von Liebesverlangen ergriffen: er fühlt sich außerstande, aus der Nähe von Rosimonde zu weichen. Nachdem diese aber zur liebevollen Zweisamkeit noch nicht gefunden hat, überstellt Faramondo sich frustriert den Soldaten. Rosimonde setzt sich beim Vater für den Verstörten ein und will nicht zustimmen, dass er liquidiert wird. Ihr Bruder Adolfo, der wegen seiner Eigenmächtigkeiten auch eingesperrt wurde, darf den Hausarrest verlassen, aber Faramondo soll für seine Schuld in vollem Umfang büßen. Rosimonde kann – nachdem der Geliebte in Not ist – ihre Liebe nicht länger verbergen und befiehlt heimlich seine Freilassung. Für kurze Zeit schwelgen die Verliebten in ihrem Glück.

Dritter Akt:

Gustavo flucht seinen Kindern, die seinem väterlichen Willen ständig trotzen. Erstaunlicherweise ist es Gernardo gelungen, Rosimonde zu entführen. Tebaldo, der Feldherr Gustavos, ist bis jetzt noch nicht zum Zuge gekommen. Er gewinnt das Scharmützel gegen Gernardo, befreit Rosimonde und beansprucht als Belohnung die Prinzessin für sich. Da der König sich nicht geneigt zeigt und Rosimonde einer Verbindung abhold gegenübersteht, nimmt er den König kurzerhand als Geisel, um ihn zu entmachten. Die Rebellion lässt Faramondo nicht zu und kommt dem Bedrängten zur Hilfe. Weit gefehlt, wenn er nun glaubt, den Hass des Königs in Wohlwollen umgemünzt zu haben.

Nun ist der Handlungsfaden so verknotet, dass der Librettist Probleme hat, das Knäuel zu entwirren. Es kann nur noch eine ganz ausgefallene Idee helfen.

Das Publikum erblickt Tebaldo nun auf dem Totenbett. Dieser hat das Bedürfnis ein Geständnis der merkwürdigen Art abzulegen. Er behauptet, König Gustavo sei überhaupt nicht der Vater des gemordeten Thronfolgers gewesen, denn bei der Geburt sei das Kind irrtümlich vertauscht worden. Somit sei er nicht genötigt, den Gesetzen der Blutrache zu gehorchen und seines Schwures entbunden.

Alle freuen sich über die Neuigkeit, aber das Publikum kann an die Wahrheit der Mitteilung nicht so recht glauben. Macht nichts! Nun ist Faramondo frei für Rosimonde und Adolfo bekommt Clotilde. Der König der Kimbern gibt allen Pardon für geleisteten Ungehorsam und löst mit der Geste des Verzeihens allgemeinen Jubel aus.



Anmerkung:

Die Kimbern sind ein germanischer Volkstamm. Ursprünglich in Jütland beheimatet, führte sie ihre Rastlosigkeit durch das Donaubecken bis Portugal. Letztendlich wurden sie in Norditalien von den Römern aufgerieben. Mit den Teutonen liiert, geben Sie ein kurzes, aber erfolgreiches historisches Intermezzo im Teutoburger Wald und empören den römischen Kaiser Augustus, der gemäß Überlieferung ausruft „Varus, Varus! Fluch auf dich! Gib mir meine Legionen!“ Ein weiteres Mal finden sie bei Georg Friedrich Händel unerwartet Erwähnung. Der Komponist widmet dem unscheinbaren Völkchen eine ganze Oper.

Um Faramondo ist es nicht viel anders bestellt. Er gilt als erster König der Merowinger, wurde aber inzwischen als Phantom entlarvt und von der Geschichtsschreibung zum Mythos abqualifiziert. Gemäß Libretto haben die beiden Völker zeitweilig Haustür an Haustür gewohnt und Reibereien miteinander ausgetragen. Man liebt sich und man kidnappt sich, kratzt sich am Fell und lässt sich dann wieder zur Versöhnung herab.

Ursprünglich hat Apostolo Zeno das Textbuch für einen völlig anderen Komponisten fertiggestellt. Doch zu einer Zeit, in dem gute Librettisten Mangelware, Komponisten aber Massenerscheinungen waren, folgte Händel den üblichen Gepflogenheiten, griff sich in Missachtung der Autorenrechte was er gebrauchen konnte und stutzte und es sich für seine Zwecke zurecht. Faramondo, von niemandem richtig geliebt, schob er – kaum fertig – zur Seite und komponierte in unmittelbarer Folge den Xerxes

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen

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