musirony - Die Schweizer Familie
 

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Schöne Oper - selten gehört




Joseph Weigl [1766-1846]

Die Schweizer Familie


Lyrische Oper in drei Akten

Entstanden 1809 nach einer französischen Vorlage

Libretto Ignaz Franz Castelli
in deutscher Sprache

Uraufführung am 14. März 1809 am Kärntnertortheater Wien

Dauer ca. 130 Minuten

Personen:

Graf Wallstein, ein reicher Gutsbesitzer in Deutschland
Durmann, sein Verwalter
Richard Boll, ein Schweizer Bauer
Gertrud, seine Frau
Emmeline, ihre Tochter
Jacob Fribourg, ein Hirte von den Schweizer Alpen
Paul, Durmanns Vetter und Verehrer Emmelines
Jäger und Diener des Grafen, Landleute

Die Handlung spielt in Deutschland Ende des 18. Jahrhunderts



INHALTSA NGABE
 

OUVERTÜRE

Erster Akt

1-5

Energieanfälle von Großzügigkeit treiben oftmals seltsame Blüten. Das Gefühl grenzenloser Dankbarkeit bewegt den Grafen Wallstein dazu, ein Projekt in Angriff zu nehmen, welches seine bäuerlichen Untertanen weder nachvollziehen noch gutheißen können. Am heftigsten wehrt sich Paul, der Vetter des gräflichen Verwalters. Obwohl der Librettist ihm nicht erlaubt, als Sympathieträger aufzutreten, kommt das Publikum doch nicht umhin, seinen Ausführungen zur Sache seine Zustimmung zu geben.

Der Herr Graf hat einen Spleen. Er möchte dem Teil lieblicher deutscher Landschaft, über den er gebietet, ein schwyzerisches Ambiente verpassen und versteht sich urplötzlich als Landschaftsarchitekt mit ausgefeilten Ambitionen. Den Einwänden seiner Bauern zum Trotz soll auf deutschem Boden in Architektur, Tracht und Viehbestand folklorehaft schweizerische Lebensweise nachgebildet werden. Seinen Verwalter Durmann hat der Herr Graf ganz auf seiner Seite, doch der Vetter Paul murrt, erzielt mit seinem Unmut aber keine Resultate, weil er nun einmal nicht zu bestimmen hat.

Doch greifen wir dem Libretto ein bisschen vor, bringen dem Theaterbesucher zum besseren Verständnis des Folgenden die Ausgangsposition nahe, indem wir den Beginn der Arie des Grafen Wallstein an den Anfang stellen:

„Als ich der Alpen höchste Spitze
an einem Morgen froh bestieg,
und näher hier dem Göttersitze
mein Mund vor heil’gem Schauer schwieg,
da stand ich da, vor Wonne trunken.
Doch plötzlich löst ein Fels sich ab
und meiner nicht mehr mächtig stürz’ ich
den tiefen Abgrund schnell hinab.“ 

Zufällig kommt Richard vorbei, gewahrt den Unfall und ohne Rücksicht auf sein Alter und die Gefährlichkeit der Operation befreit er Wallstein aus seiner Zwangslage. Er lädt ihn sich auf seine breiten Schultern und schleppt ihn ins Tal. In seiner Hütte streicht er Gämsenfett auf die Hautabschürfungen und leistet vorzügliche erste Hilfe. Jawohl, so hilfsbereit sind die Menschen in der Schweiz! Nun sollen die regionalen Bauern selbst urteilen, ob soviel Güte jemals ordnungsgemäß belohnt werden kann.

Durmann ist sich sicher, dass Richard brav gehandelt hat, aber hat Hochderoselbst den Retter nicht bereits ausreichend belohnt? Wurde der andere nicht eben dadurch zum zweiten Mall sein Wohltäter, indem er aus dankbarem Herzen annahm, was er ihm bot, fragt der Graf zurück. Viel zu viel Aufhebens um das Geschehen, meint Paul.

„Den Menschen wohl tun ist recht gut,
und bringt auch Renomee;
doch was dem einen gütlich tut,
tut oft den anderen weh.“ 

Der Verwalter will den Ausführungen des Vetters nicht folgen. Mit Leidenschaft nimmt er die Aufgabe wahr, mit der Graf Wallstein ihn betraut hat. Hier soll die Hütte stehen, dort der Baum, daneben das Blumenbeet. Paul lässt das Kritisieren nicht. Das Schweizer Volk, das sie so plagt, soll der Teufel holen, meint er. Hätte es nicht genügt, nur den Lebensretter herzuholen? Aber muss die ganze Familie gleich nachkommen? Wenn es ihm nicht gelingt, seinen Pessimismus zu verstecken, wird der Graf ihn noch davonjagen. Durmann hat bestimmte Vorstellungen, wie die Hütte innen eingerichtet werden soll und lässt sich nicht dazwischenreden. Dominant nimmt er den Vetter bei den Ohren - er wird ihn Anpassungsbereitschaft schon lehren.

Sofort wird der Verwalter wieder unterwürfig, als der Graf mit ihm das Projekt durchsprechen will. Über die baulichen Fortschritte zeigt sich gräfliche Gnaden sehr zufrieden. Durmann hat die Zeichnungen exakt durchgearbeitet, die Hochderoselbst mit eigener Hand in der Schweiz anfertigte. Das kleine Blumenbeet wird sehr gelobt. Paul hebt hervor, dass er es war, der diese Idee hatte. Die Antiquitäten, besonders der Lehnstuhl, machen sich in der Hütte ausgezeichnet.

Noch ist nicht alles getan. Wenn Richard mit Frau und Tochter am Abend aus der Stadt zurückkehrt, soll am kommenden Morgen beim Erwachen die Überraschung perfekt sein. Der Graf hatte Richard geraten, Emmelinchen für einige Tage in die Stadt zu bringen, um das Mädchen aufzuheitern. Es leidet unter Trübsinn, versucht aber tapfer, die Gemütsregung vor den anderen zu verstecken. Das gute Kind kann er nur zum Bleiben gewinnen, wenn das vaterländische Tal hier in Deutschland vor seinen unschuldsvollen Augen neu entsteht. Der Opernbesucher ahnt, dass das hysterische Zicklein noch Probleme schaffen wird. Dabei will der Herr Graf nicht einmal Liebesgunst von ihr, doch Paul sieht seinen Tisch gedeckt und hat Ambitionen.

6

Aus Lausanne ist ein Brief gekommen. Wallstein betrachtet ihn aufmerksam. Ist der Inhalt positiv? Paul möchte auch gern wissen, welche Botschaft er enthält.

„Den Brief so in der Hand zu halten,
das kann ich wahrlich nicht verstehen.
Man muss doch jedes Ding entfalten,
will man davon den Inhalt sehn.“ 

7

Der Brief kommt vom Einwohnermeldeamt und führt aus, dass die neue Adresse des gesuchten Jacob Fribourg nicht zu ermitteln sei. Er habe Haus und Hof verkauft und sei ausgewandert. Es habe nicht den Anschein, dass er zurückkommen wird. Wie soll der Graf Emmeline beibringen, dass der Geliebte verschwunden ist, ohne ihrem Herzen einen tödlichen Streich zu versetzen?

Es lässt sich nicht länger verheimlichen: Die Schweizer Gäste fühlen sich an ihrem neuen Aufenthaltsort nicht wohl. Doch das Ehepaar weiß nicht, wie dieser Tatbestand dem Grafen beizubringen ist, nachdem er jede Menge Aufwand für sie treibt. Emmeline versinkt in Schwermut, versucht aber tapfer, ihre Gemütsstimmung zu vertuschen. Draußen vor dem Dorfe sitzt sie auf einem Hügel und schaut in den blauen Himmel hinein. Wie steht es mit der Gesundheit des Mädchens? Die Vergnügungen der Stadt waren also nicht in der Lage, es aufzuheitern. Alles umsonst, alles fruchtlos?. Richard entschließt sich, aufrichtig zu sprechen. Wird es den Herrn Grafen auch nicht beleidigen, was ihr Mann vortragen wird, ängstigt sich Gertrud.

Seine gute Tat hat Richard längst vergessen. Nur die Wohltaten, mit denen er überhäuft wird, erinnern ihn noch daran. Der Herr Graf hat es gut gemeint, als er ihn überredete nach Deutschland umzusiedeln, aber er war ein Dummkopf, als er dem Vorschlag folgte. Gern zollt er Land und Leuten allen Respekt, aber sein Vaterland ist nun einmal die Schweiz. Jede Freude muss man hier kaufen, aber ein Vergnügen, welches man bezahlen muss, taugt nur halb soviel wie eines, das man umsonst hat. Sein Töchterlein, die arme Emmeline, hat sich hier ihr Herzeleid geholt. Kann er unter diesen Umständen hier noch länger verweilen? An nichts hat es ihnen hier gemangelt, man habe redlich für sie gesorgt und wenn er mit Frau und Tochter wieder fortreist, wird Richard sich der Güte des Herrn Grafen oftmals erinnern.

Man soll nichts überstürzen und man muss den Sachverhalt zuvor genau untersuchen ist die Ansicht Wallsteins, der in der Tat ernstlich betrübt ist. Ist es wirklich Emmelinens unglückliche Lage, die den Lebensretter zur Abreise bewegt? Richard kann das Leiden der Tochter nicht länger ansehen, ohne dass ihm die Tränen in die Augen kommen. Wie furchtbar!

8

Richard, Gertrud und Graf Wallstein formen ihre Empfindungen zu einem Terzett:

„Es härmt sich ab, das junge Blut,
sie sieht sich kaum mehr gleich.
Verloschen ist der Augen Glut.
Die Wangen sind so bleich.
Bald singt sie voller Fröhlichkeit,
bald weinet sie vor Harm.
Dann wirft sie sich voll Heftigkeit
der Mutter in den Arm.“ 

Wallstein meint die Ursache der Tochter Schmerz erkundet zu haben. Heiße Liebe erfülle ihr Herz. Doch Richard und Gertrude lassen die Ursachenforschung des Grafen kalt, weil sie selbst auch zurück in die Heimat möchten. "Des Mädchens Zustand bricht ihr Herz. Sie wollen hier nicht länger weilen. Gleich tut er es dem Mädchen kund: Lasst fort uns in die Heimat eilen! Dort wird das kranke Herz gesund." Argumente werden angefügt.

9

Doch der Herr Graf will die lieben Gäste nicht ziehen lassen. Haben die guten Eltern das Herz der Tochter auch genau geprüft? Sind sie sicher, dass Emmeline in den heimischen Tälern auch ihre Ruhe wieder finden wird? Aber gewiss doch, dort ist sie herumgehüpft wie eine Gämse und Mühe und Arbeit gaben ihr Fröhlichkeit. Wallstein bittet um Verzeihung, wenn er an dem Schicksal der Tochter wärmsten Anteil nimmt. Haben die Eltern niemals bemerkt, dass das Herz der Tochter - als sie noch in Grimswald wohnten - mit besonderer Zuneigung an einem männlichen Wesen hing? Aber nein! Wo wandern die Gedanken des Herrn Grafen hin? Richard entrüstet sich. Das Kind war immer brav und gut. In Emmelinens Herz war nie ein Gefühl, das auch die strengsten Sitten missbilligen könnte. Wallstein ist anderer Ansicht. Kein Herz ist taub für die Stimme des Gefühls! So wie Gott die Blume für den Frühling erdachte, so schuf er für die Jugend die Liebe. 

Endlich geht Richard ein Licht auf und er schreit sofort nach Gertrud. Jacob kommt ihm in den Sinn. Es ist der Hirte, der seine Herde immer dort weidete, wo die eigene sich auch befand. War es nicht Jacob, der an lauschigen Abenden unter der großen Buche artige Lieder zur Schalmei sang? An ländlichen Festen wollte er immer nur mit Emmeline tanzen. Die schönsten Früchte aus seinem kleinen Hausgärtchen legte er ihr zu Füßen. Tatsächlich, die Liebe hat ihre Hand im Spiel! Warum hat das arme Kind ihnen nie davon erzählt? Wie dumm war er, dass er es nie von allein bemerkte. Richard erinnert sich der Zeit, als er selbst um Gertruds Hand anhielt. Man beschließt, sich in Gegenwart von Emmeline mit den neuen Erkenntnissen hinter dem Berg zu halten.

10-11

In Emmelinens vorübergehender Abwesenheit ist man fleißig gewesen und hat die gewohnte Landschaft, insbesondere ihre Aufbauten, ein wenig verändert. Mit einem leidenschaftlichen Ausbruch stürzt das Mädchen plötzlich auf die Bühne:

„Gott! Was seh' ich? Ist es möglich?
Meinen Augen trau' ich kaum.
Steht hier nicht unsere Hütte?
Ist es Wahrheit, ist es Traum?
Hier das Blumenbeet daneben.
Alles täuschet meinen Sinn.
Ach! Die Freude macht mich beben,
dass ich in der Heimat bin.“ 

Wallstein, Richard und Gertrud kommentieren:

„Freude strahlt aus ihren Augen.
Angenehm täuscht sie der Schein.
Ach in ihre Schweizer Fluren
glaubt sie nun versetzt zu sein.“ 

Was hat Emmeline gesehen? Die Kleine kann sich nicht beruhigen. Die Stühle, die Bänke, der Tisch und die Schränke – und alles wie dort am nämlichen Ort. „Der Freude überlassen, kann sie sich kaum fassen. Vergnügen und Lust, presst ihr nun die Brust.“

Emmelines Überschwang der Gefühle, ungeordnet vorgetragen, geht dem Opernbesucher der Gegenwart wirklich auf die Nerven. Es wird darauf verzichtet, in diesem Punkt dem Zeitalter der Romantik und des Biedermeier die gebührende Reverenz zu erweisen. Der Handlungsfaden wird erst wieder aufgenommen, als Vater und Tochter ein ernsthaftes Gespräch führen wollen.

12-14
„Setzt Dich, liebe Emmeline,
Nah, recht nah zu mir.
Lass uns recht vertraulich sprechen.
Niemand frech belauscht uns hier.“ 

Wenn Emmeline neben ihrem guten Vater sitzt, weicht jeder Schmerz. Lehnt sie so an seiner Seite, öffnet sich ihr Herz. Unmittelbar auf ihre Beziehung zu Jacob angesprochen, kann Emmeline die Existenz des Freundes nicht länger leugnen. Sie soll das Vertrauen des Vaters belohnen und Einzelheiten ausplaudern. Das Mädchen bricht in Tränen aus, weil das vorzüglich gehütete Geheimnis verraten ist. Nie hat man sie klagen gehört, nie hat man sie traurig erblickt. Ihretwegen soll man das Opfer nicht bringen, Deutschland zu verlassen. Doch der Vater selbst fühlt sich in einer künstlichen Schweiz auch nicht wohl, wenn die Tochter heimlich leidet wie ein Tier. Er bricht ebenfalls in Tränen aus und in einvernehmendem Schluchzen torkelt man in das Finale des ersten Aktes.

15-16

Doch der Herr Graf – überquellend vor Wohlwollen - will die Schweizer immer noch nicht ziehen lassen. So uneinsichtig hat nicht einmal Ägyptens Pharao sich angestellt, als die Kinder Israels zum Gelobten Land aufbrechen wollten. Er spielt seinen letzten Trumpf aus. Er will Jacob Fribourg – sobald er ihn am Schopf gepackt hat - zum Oberhirtenmeister über seinen gesamten Viehbestand machen, weil er redlich und tüchtig ist. Das Schweizer Maidli  bricht unter dem Chaos ihrer emotionalen Belastung zusammen.

„Ja, wir kennen ihre Triebe.
Was wir ahnten traf auch ein.
Liebe, heiße innige Liebe
ist des guten Mädchens Pein. 

Nein es lässt sich nicht verkennen,
freudig glühet ihr Gesicht.
Sieh' wie ihre Wangen brennen.
Mutter, länger zweifle nicht.
Ja, ihr Herz ist aufgedeckt.
Jacob ist's für den es schlägt. 


Zweiter Akt

ZWISCHENSPIEL

17-18

Der Opernbesucher ist belustigt, wenn Paul, ein entfernter Verwandter des Papageno, Tische und Stühle heranschafft, seinem Herzen Luft macht und kräftig schimpft. Es ist ihm unbegreiflich, weshalb der Graf sich so viel Mühe macht, die Schweizer Familie bei Laune zu halten. Wenn die Emigranten unbedingt ihr geliebtes Fleckchen Erde daheim nicht missen wollen, soll er sie doch ziehen lassen, anstatt einen Aufwand zu treiben, der jeder Beschreibung spottet. Da werden Hügel aufgeworfen, Bäche umgleitet, hölzerne Stege gebaut, damit alles so aussieht, wie in der Schweiz. Wenn das so weiter geht, wird hierzulande eine Miniatur-Schweiz entstehen und bald kein ordentliches deutsches Gesicht mehr zu sehen sein. Eine Holsteinsche Schweiz gibt es schon und eine Fränkische ebenfalls.

Paul hat sich eine Unverschämtheit geleistet und berichtet, dass ein armer Teufel am Gitter des Parks gestanden sei und inständig gebeten habe, ihn doch hereinzulassen. Er war schon im Begriff, das Tor aufzumachen, weil der Fremde so schön bat und ihn weich geklopft hatte. Doch dann hat er Namen und Herkunft genannt und alle Sympathie für den jungen Schweizer hatte sich in Nu verflüchtigt. Zufrieden reibt er sich die Hände, dass er überlegt handelte, den Eidgenossen hübsch wieder davon gejagt zu haben. Jacob Fribourg hat der Fremdling geheißen.

Noch etwas anderes geht dem lieben Paul durch den Sinn, nämlich, dass Emmeline so recht versteckt in ihn verliebt sei. Schließlich ist er ein recht annehmbarer Bursche, dem keiner seinen Rang streitig machen kann. Er und Emmeline gäben ein charmantes Paar ab. Das Schweizer Mädchen hat sogar schon Feuer gefangen. Das Wesen der Liebe sieht Paul so, dass sie sich immerzu versteckt äußert, indem die liebende Person das Gegenteil von dem simuliert, was sie eigentlich möchte.

„Wenn sie mich nur von weitem sieht,
so läuft sie, was sie kann,
wie Feuer ihr Gesichtchen glüht,
Sie sieht mich gar nicht an.
Sie sucht sich schnelle loszudreh'n,
wenn sie mein Arm umschließt;
das müsste doch ein Blinder sehn,
dass dieses Liebe ist.“ 

19-20

Emmelinens Geisteszustand hat in der Tat arg gelitten. So schlimm wie mit Lucia di Lammermoor steht es um sie allerdings noch nicht. Es fehlen ganz einfach die perlenden Koloraturketten. Die Gestörte führt Zwiegespräche mit dem Geliebten und der einfältige Paul meint, der Angesprochene zu sein. Mit dem Vater konstruiert Emmeline ebenfalls Dialoge, wobei es ihr nichts auszumachen scheint, wenn der Papa gar nicht anwesend ist.

„Wird der Vater ihr verzeih’n,
dass sie ihm sein Herz gegeben.
Ohne ihn kann sie nicht leben,
ohne ihn nicht glücklich sein!

Vater, nicht die strenge Miene,
wende dich nicht ab von mir.
Sieh doch deine Emmeline
fleht zu deinen Füßen hier. 

All sein Wesen atmet Liebe,
ewige Treue spricht sein Blick,
Vater kröne unsere Triebe.
Schaffe unser beider Glück.“ 

Paul kann Emmelines Ergüsse nicht emotionslos hinnehmen. Doch der Alte ist ihm einfach suspekt.

„Ach, der Vater weigert sich,
das ist ein Malheur für mich.
Sie erweicht ihn sicherlich,
das ist noch ein Trost für mich.
Grämte sie zu Tode sich,
ach, das wäre ein Schmerz für mich.“

21-22

Nicht nur der Vater, auch der Vetter muss einverstanden sein, wenn Paul Emmeline zur Frau nehmen wird. Der Verwandte verbietet ihm, seine Ohren mit solchen Lächerlichkeiten zu quälen. Paul erreicht jedoch, dass der Vetter sein Einverständnis nicht verweigert, wenn Emmeline mit Gewalt absolut seine Frau werden will. Der Autoritäre wechselt das Thema und will wissen, mit wem er vorhin an der Gartenpforte gesprochen habe. Er bekommt heraus, dass Jacob Fribourg zu Besuch kam und abgewiesen wurde. Ist Paul wahnsinnig? Er soll nun alles daransetzen, den Entschwundenen ausfindig zu machen. Paul ist nur bereit, sich in Bewegung zu setzen, wenn er Emmeline zur Frau bekommt. Der Graf kommt hinzu und Durmann hat Probleme, das Missgeschick zu verdeutlichen. Alle Domestiken werden losgeschickt, um den Entschwundenen herbeizuschaffen. Sie sollen die Straßen absuchen und in ihrem Eifer nicht nachlassen, bis der Gesuchte gefunden ist. Doch noch ist nicht verloren, denn ganz in der Nähe ertönt die wunderbare Weise einer Schalmei.
 

23

Die betörend schöne Tenorstimme, welche die Schalmei begleitet, gehört niemand anderem als dem armen Jacob. Sein Herzeleid singt er sich von der Seele:

„Vom weit entfernten Schweizerland
komm ich voll Gram hierher.
Mein liebstes auf der Welt entschwand,
ich sah es dort nicht mehr!
Da ließ ich fahren Herd und Haus,
da trieb’s mich in die Welt hinaus,
Ihr guten Leute saget an,
wo ich die Liebste finden kann." 

Pauvre Jacques klopfte an jedes Haus doch niemals steckte Emmeline den Kopf heraus. Nun ist sein Mut gesunken, denn er hat kaum noch Hoffnung, sein Mädchen zu finden. Wo ist der Mann, der ihm sagen kann, wo sie sich aufhält?

24

Plötzlich steht der arme Jacob auf der Gartenmauer und trägt sein Anliegen von ganz oben erneut vor. Jacob soll sich freuen, er wird seine Landsleute wiedersehen und Emmeline ist auch unter ihnen! Der Herr Graf hat seinen leutseligen Tag. Doch auf keinem Fall soll er Emmeline unmittelbar vorgestellt werden. Das sensible Mädchen muss schonend auf die Ankunft des Geliebten vorbereitet werden. Der freudige Schock könnte das Leben kosten, wenn sie völlig unvorbereitet dem Glück ihres Lebens gegenübersteht. Jacob hat Verständnis für die Maßnahmen, die man ergreifen wird, um von dem Mädchen gesundheitliche Schäden fernzuhalten, weiß er doch selbst vor Freude nicht wie, ihm geschieht.

25 – 28  

Die Wiedersehensfreude zwischen Emmelines Eltern und dem armen Jacob ist überschwänglich. Man erkundigt sich, ob die alte Linde noch steht und ob der Nachbar den Garten auch gut pflegt. Jacob will wissen, ob Emmeline ihn nicht vergessen hat.

„Es ist kaum zu glauben,
wie das arme Mädchen litt,
Schmerz bezeichnete und Tränen
jeden Tag und jeden Schritt!

Ihre Ruhe war verschwunden,
Schwermut tat ihr Auge kund.
Duldend schlichen ihr die Stunden,
dennoch schwieg der Armen Mund!“ 

29 – 30  

Paul ist von seiner Suche nach dem Entschwundenen ohne Resultat zurückgekommen. Erfreut nimmt er zur Kenntnis, dass der Vermisste von allein eingetroffen ist. Sichtlich erleichtert nimmt er die Wende zur Kenntnis, hat den Rivalen aber nun in unmittelbarer Reichweite. Doch sein Bekümmernis ist unwichtig, denn alle Sorge gilt der Tochter.

„Still, dort naht sich Emmeline.
Seht des Mädchens heitere Miene.
Lasst uns schnell zur Seite geh'n,
denn noch darf sie ihn nicht seh'n."

31

Jacob ist nicht ganz einverstanden, dass er nicht ein einziges Wort mit Emmeline reden darf, doch das Recht ist auf der Seite der Stärkeren. Die dünne Handlung quält sich ins Finale des Mittelteils, schließlich muss man sich ein bisschen Seelenschmerz noch für den dritten Akt aufheben. Der Bauernchor hat das letzte Wort:

„Schlummre ruhig, gutes Mädchen!
Heiter sei Dein Traumgesicht,
Freunde folget still und leise,
störet ihre Ruhe nicht!“ 


Dritter Akt: 

32

Die Mauer, welche das Grundstück umfriedete, wurde über Nacht entfernt und an ihre Stelle ein Prospekt von beachtlicher Größe angebracht, der die Schweizer Berglandschaft simulieren soll. Sobald Emmeline erwacht und einen Blick aus dem Schlafzimmerfenster riskiert, sollen ihr vor Staunen die Augen überlaufen. Wenn sich dann Jacob Fribourg aus dem Hintergrund auf sie zu bewegen wird, wäre die Überraschung perfekt und könnte einen unauslöschbaren Eindruck in ihrem Gemüt hinterlassen.

33

Doch wir wollen nicht vorgreifen, denn zunächst muss Durmann den Vetter von seiner Vorstellung abbringen, dass der liebe Gott die Emmeline für ihn geschaffen habe. Der Dialog, den beide miteinander führen, sorgt für ausreichend Situationskomik.

Die Fertigstellung der künstlichen Schweiz soll kräftig gefeiert werden. Es wurde ein Paradies geschaffen, dass die Engel im Himmel ihre Freude haben. Die Bauern auf der Erde freuen sich ebenfalls, wenn sie reichlich zu Essen und zu Trinken bekommen werden, wirft Paul ein. Nun, für ein festliches Gelage wird der Herr Graf sorgen. Bei Wein und Schmaus sollen die Dörfler sich gütlich tun. Noch muss Paul sich noch von dem Wahn befreien, dass man nicht Jacobs Ankunft feiern möchte, sondern alle ihre Sonntagskleider anlegen, weil Wallstein seine Verlobung mit Emmeline anordnen wird.

34

Lassen wir den unmöglichen Paul hinter uns und wenden wir uns zunächst Gertrud und Richard und dann Emmelines Gemütszustand zu.

„Ach wie herrlich ist der Morgen!
Es entschwinden alle Sorgen.
Keine Träne füllt den Blick.
Heiter strahlt die Sonne nieder.
Ruh' und Frieden kehren wieder
in dies arme Herz zurück.“ 

35-36

Emmeline glaubt, man wolle sie irreführen, als sie den Blick aus dem Fenster auf die herrliche Schweizer Berglandschaft wirft. Sie traut ihren Augen nicht - im Hintergrund grüßt das Matterhorn. Dann ertönt die Weise einer Hirtenflöte, die von Jakob gespielt wird, bis dieser in Person auf der Bühne erscheint. Jauchzend finden die Liebenden zueinander und stimmen - wie sich das gehört - ein Liebesduett an. „O komm an die treue, heiß klopfende Brust. Ich kann es nicht ertragen, zu groß ist die Lust.“

37-38

Die Familie beschließt im Gastland zu bleiben. „Ach wie schön ist es hier zu leben, wie herrlich, wie gemütlich... Es sind die Tränen der innigsten Wonne. Sie gewähren unendliche Lust.“ Es sind Worte, die vielen Emigranten von der Zunge gleiten, wenn sie erst einmal auf deutschem Boden Fuß gefasst haben. „Gottlob, wir bleiben hier!“ beschließt Richard nun endgültig.

„Lasst den Herrn uns dankbar preisen.
Unser Dank steigt himmelwärts,
denn des Wiedersehens Freuden
knüpft er an den Trennungsschmerz.“


Anmerkung: 

Als Patenkind von Joseph Haydn hatte Joseph Weigl es nicht schwer, die musikalische Landschaft des deutschen Sprachraums prägen zu helfen. Eine Fülle übereifriger Komponisten unterbreitete dem Publikum zu jener Zeit gefällige Unterhaltung mit tragischem Einschlag und glücklichem Ausgang, doch die Nachwelt trennte schon bald die Spreu vom Weizen.

Die Oper „Die Schweizer Familie“, von Franz Schubert bewundert, erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit und erreichte hohe Aufführungsziffern, und das nicht nur in Deutschland. Das Werk entstand nach der französischen Komödie „Pauvre Jacques“ der Autoren Sewrin und Alissan de Chazet, hat Singspielcharakter mit gesprochenen Dialogen, und passt sich dem Stickmuster von Zauberflöte und Freischütz wohlgefällig an.

In der Arie des zweiten Akts „Vom weit entfernten Schweizerland...“ drückt der arme Jacob seinen Schmerz aus, weil man ihm die Liebste weggenommen hat. Die Buffo-Partie des Paul, der ebenfalls hinter Emmeline her ist, erinnert in seiner ungelenken Art an Mozarts Papageno. Der gute Vater Richard besitzt viele Eigenschaften des Sarastro und die überspannte Emmeline kommt in ihrer Ängstlichkeit Webers Agathe ein wenig nahe.

Die Trivialität des Textes ist nicht zu verleugnen, sollte aber als Geist ihrer Zeit in seinem herzerfrischenden, teils unfreiwilligem Humor breiten Anklang finden. 

Das Finale der Oper wirkt allerdings reichlich unglaubwürdig. Ein echter Schweizer würde nach allgemeiner Klischeevorstellung seine Heimat niemals verleugnen und ohne zwingenden Grund die heimischen Berge gegen ein sorgenfreies Leben auf Geschenkbasis im Ausland eintauschen. Die Euphorie der handelnden Personen im Umfeld einer „künstlichen Schweiz“ dürfte nur kurze Zeit anhalten.

***
musirony 2008- Engelbert Hellen

 

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