musirony - Der Vampir
 

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Schöne Oper - gern gehört




Heinrich August Marschner [1795-1861]

Der Vampir

Der Vampyr


Große romantische Oper in zwei Akten

in deutscher Sprache

in der musikalischen Revision von Hans Pfitzner

Libretto von Wilhelm August Wohlbrück

Uraufführung am 29. März 1828 in Leipzig


Charaktere:

Sir Humphrey, Herr auf Schloss Davenaut (Bass)
Malwina, seine Tochter (Sopran)
Edgar Aubry, ihr Geliebter (Tenor)
Lord Ruthven, der Vampir (Bariton)
Sir Berkley, Vater Janthes (Bass)
Janthe, erstes Opfer des Vampirs (Sopran)
Emmy, zweites Opfer des Vampirs (Sopran)
George Dibdin, ihr Bräutigam (Tenor)
Angetrunkene Hochzeitsgäste: James Gadshill (Tenor), Richard Scrop (Tenor), Robert Green (Bass), Toms Blunt (Bass), Suse (Mezzosopran)
Jäger Berkleys (Bariton)
Meister der Vampire (Sprechrolle)

Das Geschehen spielt in England vor nicht allzu langer Zeit




INHALTSANGABE

OUVERTÜRE

Erster Akt

Erstes Bild: EINE GEHEIMNISVOLLE HÖHLE IN DER WILDNIS

1

Hexen und Geister warten auf ihren Meister und erklären dem Publikum ihre Gelüste und die Gründe, weshalb sie sich ausgerechnet hier versammeln. Wegen grausiger Freveltaten wurde dieser Boden einst verflucht, so dass sich niemand hertraut. Ungestört kann die Geisterwelt sich hier beraten und sie wählt die Mitternacht als besten Zeitpunkt. Selbst bezeichnen sich die Geschöpfe einer anderen Welt als lichtscheu. Wenn die Angst und Bosheit wacht, schleichen sie im Mondenschein herbei. Schlangen und Nattern hören sie zischen und Irrlichter flackern munter dazwischen. Molche, Kröten und schwarze Katzen sowie Kobolde, Hexen und Teufelsfratzen sind aufgefordert, sich dem Reigen munter anschließen. Dazu sollen Eule und Uhu laut schreien.

Schon bald lässt der Meister sich im fahlen Feuerschein blicken. Er führt einen Unbekannten an der Hand und sieht sich genötigt, den Versammelten auf der Bühne, auf den Rängen und im Parkett über seinen Begleiter eine Erklärung abzugeben. Es handelt sich um Lord Ruthven, der ihrem Willen bereits verfallen sei. Der Genannte habe aber den Wunsch, noch ein Weilchen unter den Menschen zu weilen, was ihm unter der Bedingung gewährt wurde, einen Schwur zu erfüllen. Bis zur nächsten Mitternacht muss er drei Opfer heranschaffen, keine Schreckschrauben, sondern Bräute - zart und rein. Kann er die schwierige Aufgabe bewältigen, soll ihm weiteres Erdendasein noch für ein Jahr gewährt werden. 

Der Gebissene sieht sich mit der Forderung konfrontiert und bekundet bei der Urkraft alles Bösen, sein Versprechen einzulösen. Die Anwesenden sollen jetzt verschwinden, denn das erste Opfer kommt schon. Ohnehin ist es gleich 1 Uhr und dann haben Geister auf der Erdoberfläche nichts mehr zu suchen.

"Leise, leis’ beim Mondenschein
Husch in die Erde, husch, hinein!
Tausend Spalten, tausend Ritzen
dienen ihnen zum Aufenthalt
Lasst sie brütend unten sitzen
bis die nächste Mitternacht erschallt." 

2

Lord Ruthven hat sich auf der Aufenthaltsebene eines Vampirs schon recht gut eingelebt. Mit Begeisterung ist er bei der Sache, andere menschliche Geschöpfe auf das gleiche Niveau anzuheben. Zwei Opfer hat er schon im Griff, das dritte wird sich noch finden. Er erfreut sich an seinem eigenen Monolog und ergötzt sich an purpurnen Lippen schweigend zu nippen und mit lüsternem Mut das süßeste Blut unter wonnigem Beben kurz und bündig abzusaugen. Das Stöhnen voller Entsetzen ist für ihn köstliches Ergötzen, ihr Todesbeben ist frisches Leben.

Janthe kommt ausgerechnet hier her, denn sie ist dem Lord in Liebe verfallen. Zu Hause ist sie durchgebrannt und der Vater sucht bereits verzweifelt nach ihr.

3

"Teurer Eltern einzige Freude,
nun lohne ich sie mit herbem Leide,
die zu ehren süße Pflicht.
Ach, ich muss sie ja betrüben,
ewig, ewig dich zu lieben,
obwohl Vernunft dagegen spricht." 

Ruthven fühlt den Schlag seines Herzens mehr, als er zu sagen vermag. Auf ewig will er ihr gehören und sie nimmer betrüben, schwört er ihr mit treuem Sinn. Seine Liebe macht sie selig und ihr Leben weiht sie nur ihm allein. Als sie ihn das erste Mal sah, bebte sie entsetzt zurück, doch jetzt lächelt ihr sein Blick. Es dauerte ein Weilchen bis die Herzen sich fanden, doch dann zog es sie mit Zauberbanden zu ihm zurück. Nun lacht Liebe aus seinen Augen. Wie glücklich wird sie sein. Bedauerlicherweise kennt Janthe seine dunkle Seite nicht. Im Triumph ist sie jetzt sein und ihr süßes Blut zu saugen wird seine Wonne sein.

4

Hornrufe erschallen. Auf der Suche nach seiner Tochter hat Lord Berkley die richtige Spur gefunden. Der Opernchor hat ihm dabei geholfen. Wie kommt sein Kind nur in diese Wildnis? Gewiss ist sie von Räubern entführt worden!

Weh, die Vampirhöhle! Schnell hinweg mit leisem Tritt, mahnt der Chor. Der Vater hat Geschrei gehört, es war seines Kindes Stimme. Die Jäger sollen ihr Leben retten. Doch Lord Ruthven hat sie bereits tot gebissen. Armer Vater! Weh! Entsetzen! Brust und Nacken der Tochter sind mit Blut besudelt. Giftiger Zähne Spuren verraten die entsetzliche Tat. Sein Kind wurde das Opfer eines Vampirs. Der freche Räuber bekommt den Degenstich des Vater zu spüren. Nun aber nichts wie weg! Jetzt ist das Jammern auf Seiten des Verletzten.

5

Schwer verwundet richtet Ruthven sich auf:

„Weh mir! Meine Kräfte weichen!
Müßig wird die Zeit verstreichen,
kann ich nicht die Höh’  erreichen,
um dort sterbend mit den Augen
Mondesstrahlen einzusaugen,
die mir neue Kräfte geben
zum Leben. Schrecklich! Allgerechter!
Alles, alles öd und leer,
Graue Stille rings umher!"

Spontan ertönt der Hölle Hohngelächter. Doch es kommt unversehens Hilfe. Ein alter Bekannter taucht auf dem verlassenen Plateau auf. Es ist Edgar Aubry, dem er einst das Leben rettete, ein Engel hat ihn hergesandt. Natürlich ist der zufällig Vorbeikommende grenzenlos überrascht, seinen Gönner mutterseelenallein in dieser Einsamkeit vorzufinden, dazu noch in verzweifelter Lage. Ruthven behauptet, von Räubern überfallen worden zu sein und appelliert unter Anrechnung einstmals gewährter Wohltaten an sein Mitgefühl. Was kann er für ihn tun? Er ist schwer verletzt. Eine Rote-Kreuz-Ausrüstung hat er nicht dabei. Wahrscheinlich wird der Überfallene sterben. Soll er an den feigen Räubern Vergeltung üben? Aber nicht doch, er soll ihm einen wichtigen Dienst leisten. Alles wird der Freund für ihn tun! Was soll es also sein? Ach, der liebe Edgar möge ihn doch bitte auf das Steinlager oben auf den Felsvorsprung zerren, damit das gleißende Mondlicht ihm voll ins Gesicht scheinen kann. Die hellen Strahlen werden bewirken, dass der Lebenssaft in ihn zurückkehrt.

Solches Begehren kann nur ein Vampir äußern. Edgar Aubry kennt sich aus. Nun stimmt das Gerücht also doch, dass der Lord den menschlichen Wesen nicht mehr zuzurechnen ist. Entsetzlich, sein einstiger Lebensretter ist ein Vampir! Da hilft kein Zögern, er hat damals das Versprechen abgegeben, zu Diensten zu stehen, wenn der Lord es wünscht. Sollte er sich an seinen Schwur nicht halten, wird Ruthven ihn verfluchen und die Hölle auf ihn hetzen. Es bedarf keiner Druckmittel, Edgar tut wie ihm geheißen und der helle Mond bringt den Sterbenden im Handumdrehen wieder auf die Beine.
 

Zweites Bild: EIN SAAL IM SCHLOSS VON DAVENAUT

6-7

Malwina ist die heimlich Verlobte von Edgar Aubry. Im Palast ihres Vaters wartet sie auf ihn.

„Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
auf die bunte neugeschmückte Flur.
Ach, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
von meines Herzens nie geahnter Wonne. 

Die Flur im bunten Festgeschmeide,
der Baum im duftigen Blütenkleide,
der Vögel Chor, der mich umklingt
und jubelnd auf zum Himmel dringt. 

Ach, alles jauchzt und teilt mein Glück!
Heute wogt es in mir auf und nieder,
Ja, „heute“ schallt es von außen wieder!
Ja, heute kehrt der Teure ihr zurück.“ 

Wir unterbrechen Malwinas wonnige Ergüsse, denn Edgar steht bereits an der Pforte. Rechtzeitig ist er erschienen, um Lord Davenauts einziges Töchterlein als Erster zum achtzehnten Geburtstag zu gratulieren. Es ist Edgars innigster Wunsch, sie zu heiraten. Er hat aber Bedenken, dass der stolze Vater aus dynastischen Erwägungen seine Zustimmung verweigern könnte. Zudem sind die Geschäfte, die er für den Verwandten in London erledigte, nicht gut gelaufen und Malwinas Verehrer kann nichts anderes in die Waagschale werfen, als seine große Liebe. Doch der Vater hat sich damit abgefunden, dass ihm männliche Nachkommen verwehrt sind und seinen Namen nicht weitertragen können. Das Geheimnis ihres Herzens, einem Mann angehören zu wollen, hat der Vater erraten und den Earl von Marsden für sie als Gemahl ausgewählt. Es soll ein Geburtstagsgeschenk sein, doch die beiden Liebenden können ihre Bestürzung nicht verbergen.

8

Malwina hat Charakter und erklärt dem Herrn Vater, dass sie den Earl nicht heiraten möchte, weil ihr Herz einen anderen gewählt hat. Sie entschuldigt sich, weil sie es bisher versäumte, dem Vater reinen Wein einzuschenken. Wer ist der Verwegene, der es gewagt hat, den Blick auf sie zu werfen? Edgar erklärt, dass seit seiner Kindheit Tagen sein Herz für Malwina schlägt; die Tochter zu beglücken, wird sein einzig Streben sein. Davon will der Aufgebrachte nichts wissen, denn er hat dem Earl sein Wort gegeben und „was ein Davenaut versprochen, wurde niemals je gebrochen“. Zornentbrannt erwartet er von seiner Tochter den schuldigen Gehorsam. Flennen nutzt nichts! Der Earl von Mardsen reitet gerade durch das Tor. Des Dorfes muntere Jugend soll hereingeführt werden, damit sie Malwina gratuliere.

9

Der Diener Georg hat ein Anliegen an die Gäste:

„Seht, dort naht der Schwiegersohn
an der Hand des alten Herrn.
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
das der Alte hört so gern.“ 

Unter den Jubeltönen der Dorfbevölkerung tritt Davenaut in den Festsaal. Er stellt den neuen Gemahl vor: „Hier Malwina ist der Mann, den ich deiner Wert erachte.“ Die Wahl macht den Bräutigam froh, doch beglückt sei er nur dann, wenn auch Myladys Auge freundlich lachen würde. Das ist keineswegs der Fall, davon ist sie weit entfernt und sie sagt leise: „Wehe mir!“ Auch Aubry äußert sich unbeherrscht: „Gott, wen sehe ich?“ Vor allem, wen sieht das verehrte Publikum? In der Tat, es ist Lord Ruthven, der sich unter falschem Namen eingeschlichen hat. Natürlich bestreitet der Ertappte seine Identität und behauptet, der Bruder des Vermuteten zu sein. Lord Ruthven möchte von Aubry gern wissen, was er von seinem Bruder, der sich seit Jahren auf Reisen befindet, Interessantes zu erzählen weiß. Aubry wird unsicher. Schneidend wie ein giftiger Pfeil zuckt sein Blick ihm durch die Seele. Diese Ähnlichkeit des Bruders, das bedeutet nimmer Heil.

Mit unbefangenem Geplauder neutralisiert Ruthven die Situation: Die junge Rose, die am Weg einsam blüht, soll verzeihen. Im innersten Gemüt habe ihr Anblick ihn erfreut und er denkt, dass ihr die Zeit sein armes Angesicht erträglich machen wird. Doch Aubry lässt sich nicht länger täuschen. An der Narbe an seiner Hand hat er den Entsetzlichen erkannt. Wie darf der Unglückliche es wagen, die Augen zu ihr aufzuschlagen. Er kann nicht an sich halten und beschimpft den Eindringling als grauses Scheusal der Natur. Er soll an seinen Schwur denken, mahnt Ruthven leise. Davenaut signalisiert: „Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste. Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste, denn ehe noch die Mitternacht entschwunden, ist auf ewig Malwina mit ihm verbunden.“ Malwina bittet um einige Tage Frist. Nicht einmal um einen Tag will der Vater die Hochzeit verschieben, denn der Earl muss am nächsten Tag schon nach Madrid reisen, um seinen Posten als Botschafter anzutreten.

Aubry sieht keine Chance, Ruthven auszutricksen: Dieser triumphiert:

„Lachen kann ich seiner Wut,
denn sein Schwur hält ihn gefangen.
Mägdlein mit den Rosenwangen,
bald ist mein dein süßes Blut.
Stimmen der Geister, die mich umklingen,
jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.“
Grinsend blicke ich nach oben
Wo die Elemente toben.“

 

Zweiter Akt

Drittes Bild: PLATZ VOR SCHLOSS MARDSEN

10

Die Handlung verlagert sich auf einen Nebenschauplatz. Noch wurde Malwina nicht gebissen und schon wendet der Unhold sich Emmy zu. Auf Schloss Mardsen wird Hochzeit gefeiert. Der Chor der Trinker animiert zu fröhlichem Geplauder. „Alles jauchzt und alles schwärmt, alles tobt und alles lärmt, alles bricht in Jubel aus. So ist es recht beim Hochzeitsschmaus.“ Einige Gäste machen sich lustig. Eine Hochzeit ohne Braut und Bräutigam haben sie noch nie gefeiert. Der Brautvater beruhigt sie. Die Tochter sei ihrem Bräutigam nach Davenaut entgegengegangen. Vielleicht hat der Vermisste sich verspätet. Endlich kommt sie, doch weshalb schaut sie so traurig aus? Eine Braut hat fröhlich zu sein. Was fehlt Emmy? Das Mädchen schildert seinen Seelenzustand:

11

„Dort an jenem Felsenhang
lauschte ich den Weg entlang,
Georgen zu erspähen.
In der Abendsonne Strahl
glüht und zittert Berg und Tal,
er lässt sich nicht sehen!
Wenn beim frohen Hochzeitsfest
mich der Bräutigam warten lässt,
soll mich das nicht traurig machen?
Dort im Strauch mit süßem Schall
lockt und girrt die Nachtigall,
und er ist noch ferne.
Durch der Bäume grünes Reis
lauscht der Vollmond. Still und leis’
flimmern schon die Sterne!
Alles zeigt, der Abend kam,
und noch fehlt der Bräutigam.
Soll mich das nicht traurig machen?“ 

Also, der erwähnte Georg ist Diener auf Schloss Davenaut, der wahrscheinlich wegen der Turbulenzen der Hochzeitsvorbereitungen seines Herrn unpässlich ist. Perth, der Brautvater, hat natürlich von den Vorfällen keine Ahnung und meint, dass der Junge wegen Malwinas Geburtstag nicht zeitig fortkommen konnte. Emmy möchte auch gern solch ein vornehmes Fräulein sein, dann ließe Georg sie bestimmt nicht warten. Blunt, einer der betrunkenen Gäste, meint, dass eine Braut den Stellenwert einer vollen Flasche habe, die man nicht vergisst. Scrop, ein anderer Gast, hat eine Neuigkeit zu berichten. In der vergangenen Nacht sei die Tochter des reichen Berkley von einem Vampir umgebracht worden. In der Vampirhöhle habe man sie gefunden. Der Vater habe den Vampir erstochen. Green erklärt, dass solche Tat wenig nutze, denn ein Vampir steht morgens lebendig von selbst wieder auf. Hat Green schon einmal einen Vampir gesehen? Nicht direkt, aber man sagt, dass Vampire totenblass aussähen und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für die Zwielichtigen ausübe. Die selige Mutter hat Emmy schon öfter ein Märchen von einem Vampir erzählt und sie ausdrücklich vor ihm gewarnt. Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.

12

„Sieh' Mutter dort den bleichen Mann
mit seelenlosen Blick.
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
sonst ist es bald um dich getan.
Weich schnell von ihm zurück!
Schon manches Mägdlein, jung und schön
hat ihm zu tief ins Aug geseh'n,
musst es mit bitteren Qualen
und seinem Blut bezahlen!
Denn still und heimlich sag’ ich’s dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampir!
Bewahr uns Gott auf Erden,
ihm jemals gleich zu werden.“ 

Der Chor wiederholt den Refrain. Emmy erzählt die Moritat zu Ende:

„Das Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
es lockte sie sein Blick;
hört nicht der Mutter Warnen an,
und bald ward es um sie getan.
Nie kehrte sie zurück!
Ein Opfer ward sie seiner Lust.
Mit blutiger Spur an Hals und Brust
fand man den Leichnam wieder;
sie führt zur Hölle nieder!
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
umher als grausiger Vampir!
Bewahr’ uns Gott auf Erden,
ihr jemals gleich zu werden.“ 

Nach dieser präzisen Belehrung darf der Opernbesucher glauben, dass Emmy ein solches Schicksal nicht passieren kann. Doch warten wir es ab. Auf Schloss Davenaut hat Ruthven erfahren, dass der Wirt John Perth die Hochzeit seiner Tochter mit dem Diener Georg feiern will, weil er ihn abwesend glaubt. Eine Braut ist in der Regel noch Jungfrau und für den Vampir das dritte gefundene Fressen. Druck und Charme setzt Ruthven ein, um sich an sein Opfer heranzumachen. Er schenkt Emmy einen kostbaren Ring und lässt den Festsaal des Schlosses für die Hochzeit von Emmy und George beleuchten. Zusätzlich will er ihr die Aussteuer richten und hat für George eine Festanstellung als Gutsverwalter einrichten.

13

Die Komplimente werden immer plumper.

"Welche Wonne sondergleichen,
sanft die Wange ihr zu streichen.
Ihr die weiche Hand zu drücken.
Liebend ihr ins Aug’ zu blicken,
so den Arm um sie zu schlingen,
sie zu drücken an die Brust.
Ach, welch ein Opfer würde er bringen,
gönnte sie ihm diese Lust." 

Emmys Abwehr ist nur mäßig. Sie denkt, der gnädige Herr wolle sie nur beschämen. So eitel sei sie nicht, für Ernst zu nehmen, was sein Mund ihr verspreche.

Mit der Braut will er den Hochzeitstanz eröffnen und einen Kuss will er ihr auch noch rauben. Georg, der inzwischen eingetroffen ist, sieht seine Position als Bräutigam in Frage gestellt. Emmy hält das Ansinnen des Lords für einen Scherz. „Nein, liebe süße Kleine, glaube mir, ich scherze nicht. Deine Schönheit ist es allein, die so sehr mein Herz besticht.“ George ist mit Recht empört. Er macht Emmy eine gewaltige Eifersuchtsszene und droht, sich mit seiner Pistole zu erschießen, wenn sie die Schmeicheleien des gnädigen Herrn weiterhin zuließe. Emmy beschwichtigt, dass sie sich nur nachgiebig stelle, weil der gnädige Herr bereit sei, für beider Wohlergehen zu sorgen.

Ruthven sieht sich bereits als Triumphator, doch plötzlich taucht Aubry auf. Er hat sich vorgenommen, seinem ehemaligen Wohltäter ins Gewissen zu reden.

14-15

Aubry erwägt, seinen Schwur zu brechen, um Ruthvens Hochzeit mit Malwina zu vereiteln. Doch nimmt sich der Vampir in einem ausgedehnten Monolog genügend Zeit, den Angreifer einzuschüchtern. Ruthven habe sich bei seiner Geburt sein Los, ein Vampir zu werden, nicht ausgesucht. Glaube Aubry wirklich, dass er den Mächten der Hölle gewachsen sei und es wagen könne, ihnen zu trotzen? An seiner Nachkommenschaft aus der Verbindung mit Malwina würden sich die Bösen grausam rächen. Edgar ist verzweifelt und sieht keinen Ausweg, denn von allem was ihm droht, ist das minder Schreckensvolle: Wahnsinn, Wahnsinn, oder Tod. Trotzdem soll das Publikum auf die schöne Arie: „Wie ein schöner Frühlingsmorgen lag das Leben sonst vor mir ...“ nicht verzichten.

16-17

Ruthven und Emmy kommen eng umschlungen des Weges und eilen leisen Schrittes zur fernen Laube, in der sie ungestört die Zweisamkeit pflegen können. Doch Emmy kommen Bedenken, immerzu glaubt sie Schritte zu hören. Das furchtsame Närrchen soll sich endlich küssen lassen.

Nein, ach lasst zurück mich gehen.
Gnädiger Herr, ach, schonet mein.
Würde Georg bei Euch mich sehen,
nimmer könnt’ er mir verzeih’n.“ 

Das nun folgende schreckliche Geschehen lässt der Librettist, dem plötzlich daran gelegen ist, das verängstigte Publikum zu schonen, unsichtbar vorbeigleiten. Er lässt die Hochzeitsgesellschaft aus dem Saal auftauchen, welche den Hintergrund verdeckt. Ein Quintett formiert sich aus Blunt, Green, Scrop, Gadshill und Suse, um sich in Banalitäten zu ergehen.

Georg erzählt dem alten Perth, dass Emmy tot gebissen wurde und er auf den gnädigen Herrn mit seiner Pistole geschossen habe.

18

„Freuden und Leiden im irdischen Leben
wechseln so rasch wie die Stunden entschweben.
Wir zogen so fröhlich und munter daher
Zu vereinen die Braut mit dem Gatten.
Ach, und jetzt gehen wir bange und schwer,
zur Gruft, ihre Leiche zu bestatten.“ 


Viertes Bild: SCHLOSS DAVENAUT 

19

Der Dialog zwischen Malwina und Aubry führt den Zuschauer wieder zurück ins Schloss Davenaut. Malwina beschwört Aubry, den Mut nicht zu verlieren, obwohl sie nicht genau weiß, was ihr eigentlich bevorsteht. Der Geliebte rät, alles daran zu setzen, die Hochzeit bis auf den morgigen Tag zu verschieben. Doch sie fürchtet den Vater, sonst nichts, denn ihr Herz sei rein. Die Liebenden sind der Ansicht:

„Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
im treuen Busen reine Liebe hegt,
dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
kein böser Zauber kann ihn je erreichen.“ 

Beide umarmen sich. Sie sollen recht behalten.

20

Ruthven hatte mit Emmy zu viel Zeit vertrödelt und kommt mit erheblicher Verspätung im Schloss an. Seine Frist endet um Mitternacht. Doch Malwina gibt sich störrisch und Aubry hat seine Courage wiedergefunden, rebelliert und lässt sich auch nicht wegsperren.

„Ha, trauet dem Verruchten nicht!
Seht des Verworfenen Angesicht!
Sein Auge flammet Höllenglut!
Er lechzt die ganze Zeit nach ihrem Blut.“

Es nützt Ruthven nichts, dass er Aubry an seinen Schwur erinnert. Schließlich geht es um Malwinas Leben. Davenaut begreift den wahren Sachverhalt immer noch nicht. Doch die Frist ist abgelaufen. „Zermalmung weht durch seine Glieder. Gottes Donner wirft ihn nieder.“

Der Chor, anfangs noch ratlos, hält nun tröstende Worte bereit:

„Wie nach verderblichem Wettergetose
lächelt die Freude mit heiterem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
wendet sich jede Gefahr dir zum Glück.“

Anmerkung:

Etliche Musikwerke der deutschsprachigen Hochromantik wurden wegen ihrer holprigen Verse im Laufe der Zeit ins Abseits gedrängt, doch sollte man nicht verkennen, dass der unfreiwillige Humor, der ihnen innewohnt, auch Wonne auslösen kann. Vampire übten damals wie heute schon ihren Reiz aus und genüsslich lauerte der Zuschauer auf den Moment, in dem das Monster zubiss. Eine andere Gruppe nichtmenschlicher Wesen waren die zahlreichen Undinen, Willis, Rusalkas und sonstigen Nixen, die in der zärtlichen Verbindung mit einem Sterblichen nicht glücklich werden konnten, so sehr sie sich auch danach sehnten. Ihr Element war das Wasser und in dasselbe wurde der Geliebte hineingezogen, sobald er seinen Treueschwur brach.

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen
 

 


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