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Christoph Willibald Gluck [1714-1787]

Der betrogene Kadi

Le Cadi dupé


 

Oper in einem Akt

Libretto von Pierre Réne le Monnier

Uraufführung 1761 in Wien

Personen:

Kadi, Islamischer Würdenträger, Hüter der Moral
Fatime, seine eifersüchtige Ehefrau
Nuradin, ein gutaussehender junger Mann, Opfer eines Überfalls
Zelmire, seine boshafte Geliebte
Omar, ein Färber
Omega, seine unansehnliche Tochter 

Ort und Zeit des Geschehens ist die Türkei im 17/18. Jahrhundert



HANDLUNG

Erster Auftritt 

Fatime hat keine gute Meinung von den Männern. Sie ist die Frau des Kadis, dessen Aufgabe es ist, über die Moral der Gläubigen zu wachen und Verstöße zu richten. Wenn er selbst sich doch bloß an die Tugend halten würde, die er predigt.

Heuchler sind sie alle und haben nichts anderes im Sinn, als die Frauen ins Verderben zu ziehen. Die Mädchen sollen den Schwüren der Männer nicht trauen. 

Heftige Vorwürfe macht Fatime ihrem Mann. Er denke nur an Zelmire und es ist ihm völlig gleichgültig, wenn die eigene Frau an seiner Kälte zugrunde geht. Zum Scheitan! Woher weiß Fatime von seiner Beziehung zu Zelmire? Nein, er hat überhaupt nicht im Sinn, Fatime zu verstoßen. Aber die Last der Geschäfte drückt ihn manchmal nieder, und nur deshalb findet er wenig Zeit, sich ihr zu widmen. - Ach was, er genießt die Gesellschaft von Zelmire, schimpft Fatime. - Beim Bart des Propheten, er hat mit Zelmire überhaupt nichts im Sinn. Sie soll nur hören, wie er sich an der hochnäsigen Zicke gerächt hat. Kürzlich kam ein junger Mann zu ihm, der klagte, dass er von Räubern überfallen worden sei und sein Vermögen verloren habe. Er habe ihm geraten, doch eine reiche Frau zu heiraten. Er kenne eine vermögende Familie aus Damaskus mit einer heiratsfähigen Tochter. Bei dem Vater wird er Fürsprache einlegen. Fatime soll sich vorstellen, die List gelang und Zelmire wird nun die Frau eines Bettlers. Ist das nicht lustig? Infame Lüge! Fatime flüchtet weinend in ihre Gemächer. 

Zweiter Auftritt

Zelmire hat es nicht gern, wenn Nuradin ihr ständig folgt. Sie sinnt darüber nach, wie sie sich an dem Kadi für seine Unverschämtheit rächen kann, denn Strafe hat er verdient. Nuradin ist gar nicht so arm, wie der Kadi gern glauben möchte, die Räuber haben ihm nämlich nur einen kleinen Teil seines Bargeldes weggenommen. An Bosheit steht Zelmire dem Kadi nichts nach. Omega, die Färberstochter, ist die hässlichste Person, die sie auf dieser Erde jemals gesehen hat. Diese wird sie dem Kadi als Zweitfrau unterschieben. Nuradin wird sehen, dass der Plan funktioniert, Zelmire wird den Kadi überlisten. 

Nuradin gefällt die Idee nicht besonders. Die Teure soll auf Rache verzichten. Wenn der Kadi ihr Glück sieht, wird er vor Neid platzen und das ist doch Strafe genug. 

O wie lacht ihr das Entzücken,
stets sie zu beglücken
gab er ihr Herz und Hand. 
Liebe entnimmt er ihrem Blick
und verheißt ihm Himmelsglück.
Viel zu eng ist seine Brust
für die Fülle dieser Lust. 

Zelmire will Fatime ärgern. Sie schreibt ein verfängliches Briefchen und spielt es ihr zu, damit sie ordentlich eifersüchtig wird. 

Dritter Auftritt 

Zelmire hat beim Kadi um Audienz nachgesucht, um mit ihm ein Problem zu besprechen. Aha, ein Frauenzimmer, was wünscht das schöne Kind? Zuerst lüften wir jetzt einmal den Schleier. Offenbar scheint Fatime grundlos eifersüchtig zu sein oder der Herr Calzabigi hat ein unlogisches Libretto geschrieben. Von Angesicht kennt er Zelmire tatsächlich nicht, denn ihr Liebreiz überrascht ihn. Zelmire erklärt, dass nicht alle Menschen von ihr angetan seinen und erwartet von dem weisesten Mann der Stadt eine Analyse ihres Aussehens.

Gleicht sie einem Murmeltier oder einem Affen,
ist sie gar so missgeschaffen?
Steht etwa ihre Nase schief
oder sind die Augen trief?

Der Kadi kann beruhigen: Alles an ihr ruft sein Entzücken hervor. Was ist mit dem Hals, ist er zu lang? – Nein! - Ist etwa hinkend dieser Gang? Ist runzlig diese Stirn oder fehlt vielleicht ein bisschen Hirn? Ist sie nicht zu beklagen, ihr Vater pflegt stets zu sagen, sie sei hässlich und ungestaltet, bucklig und einäugig. - Die kleine Sirene soll schweigen. Möchte sie gern mit ihm lose Spiele treiben? Wer ist ihr Vater? Es ist Omar der Färber. Hat der Kadi nie von seiner Tochter gehört, von Omega der Missgeburt? Gehört schon, aber nie gesehen. Ist sie ihre Schwester? Nein, sie selbst ist Omega. Ihr Vater will sie immer um sich haben und deshalb erzählt er aller Welt von ihrer angeblichen Hässlichkeit, damit sie ledig bleibt. Man muss den Vater einfach zwingen, sie zu verheiraten. Aber wer nimmt schon ein Mädchen zur Frau, welches in dem Ruf steht, unter ihrem Schleier abstoßend hässlich zu sein?

Der Kadi wird sie zu Frau machen! Er will sie tatsächlich haben? Die Liebe gleicht alle Standesunterschiede aus. Der Vater soll augenblicklich herkommen. Sie will nicht dabei sein, wenn der Kadi mit ihm über die Formalitäten der Hochzeit verhandelt. Das süße Täubchen soll in seine Arme kommen. Nein, nein, noch nicht. Ach, wenn er sie doch schon jetzt küssen könnte! Alles für später. Tschüss, Auf Wiedersehen! 

Der Färber soll sofort hergebracht werden, freiwillig oder mit Gewalt, befiehlt der Kadi. Fatime wird Gift und Feuer spucken. Sein Glück wird sie nicht stören. Schon bald wird er geschieden sein. Geliebte Zelmire! Ein himmlisch süßes Leben, in ihrem Schosse wird er schweben. O seliger Tag!

Vierter Auftritt
 

Ah, sie bringen den lieben Schwiegervater. Wenn man vor den Kadi geschleppt wird, hat man in der Regel etwas verbrochen. Omar befürchtet, dass sein Weib ihn angeschwärzt hat und beteuert beim Bart des Propheten, dass er ein fleißiger Mann sei. Wenn sein Weib ihm eine saure Miene macht, schleicht er sich zum Haus heraus und lädt sich selbst zu einem Schmaus. Ungern übt er Verzicht, denn um zu genießen, muss man selbst nicht lecker sein und auf den Wermut Zucker streuen. Der Kadi will nicht palavern, sondern kommt gleich zur Sache. Seine Tochter will er zu sich nehmen, nicht als Sklavin, sondern als seine Frau. Das ist kein Spaß, sondern heiliger Ernst. 

Omar dreht ab, leider muss er es klagen, nie sah man ihresgleichen. Die Vögel zu verscheuchen, hier zu - ach nur allein - scheint sie gemacht zu sein. Klaren Wein will er einschenken. Gern würde er mit ihr dienen, hüten wird er sich, sich zu erkühnen. Sie schielt, hat krumme Beine, und ist bucklig vorn und hinten. – So will der Kadi sie haben! Gut, wenn der Kadi unbedingt sein Schwiegersohn sein will, gibt er ihr das Töchterlein, so wie es ist. Aber unter 1000 Zechinen wird Omar so eine Perle nicht weggeben. Was, der Preis so hoch, dafür kann er eine Sultanstochter kaufen. Man handelt, 300 Zechinen, 500 Zechinen, Omar ahnt Schreckliches, will sich aus der Schlinge ziehen und es bleibt bei 1000 Zechinen. Das reizende Kind soll sofort hergebracht werden. Der Kadi brennt vor Sehnsucht. Wenn es ihm leid tut, die Ware nimmt er notfalls zurück, aber die Zechinen....... darf er in jedem Fall behalten. Allah segne das holde Brautpaar. Möge es sich vermehren wie der Sand am Meer. - Er soll jetzt abhauen. 

Fünfter Auftritt

Fatime ist außer sich. „O, mein Trauter sage mir, stoßest du mich weg von dir?" Schlimme Nachrichten hat man ihr hinterbracht. Er soll sagen, dass es nicht wahr ist oder es wird ihm noch leid tun. Soll er doch seinem Flattersinn folgen, aber gelassen zusehen wird sie nicht. Sie rührt sich nicht von der Stelle. Das neue Täubchen wird gebracht, eine Herzensstärkung für den Schwiegersohn. Die süße Omega soll den Schleier heben. Was, diese Missgeburt soll seine neue Frau sein. Fatime lässt es an Heiterkeit nicht fehlen. Omar entschuldigt sich, der Eile wegen die Tochter nicht habe herausputzen lassen können. Omega versucht mit Ironie der Situation halbwegs gewachsen zu sein. Diese Kleider hat der Schneider nach der Taille ihr gemacht. Schlank gewachsen, wie aus Sachsen, wie das Herze lacht. Komm o Herzensschatz, gib ihr einen Schmatz. Der Kadi will Omar sieden und braten lassen, er soll die richtige Tochter heranschaffen. Wird er nicht bald die Holde sehn, ist’s um ihn geschehen. Aber er hat bloß die eine Tochter, die ganze Stadt ist Zeuge. 

Sechster Auftritt 

Fatime und Omar klären die Situation auf. Der geprellte Kadi macht gute Miene zum bösen Spiel. Omega wird zurückgegeben. Sie weint herzzerreißend, geht aber nicht leer nach Hause. Der Dirigent schenkt ihr nach der Abschiedsverbeugung seinen Blumenstrauß. Omar darf die Zechinen behalten. Zelmire und Nuradin werden ein glückliches Paar. Der Kadi kehrt reumütig zurück und Fatime ist wieder die Nummer eins. 

Wer andern eine Schlinge knüpft verstrickt sich öfters selbst darein. 

Anmerkungen: 

Die Partitur der deutschen Fassung galt als verschollen, wurde aber vor einigen Jahren in den Archiven der Hamburger Staatsoper wieder aufgefunden. Die Texte, aufgeteilt in 16 Musiknummern, enthalten gesprochenen und gesungenen Dialog, der den Sprachgepflogenheiten der heutigen Zeit gekonnt angepasst wurde. Das vorliegende Singspiel, in Frankreich ist es eine frühe Form der Opera Comique,  gehört in den Bereich der sogenannten „Türkenopern“, zu der neben Gluck auch Haydn, Mozart und Weber Beiträge lieferten. 

Hintergründig geht es darum, ein Trauma zu verarbeiten. „Die Türken vor Wien“ hatten das Abendland mit Schrecken erfüllt, und die „Türkengräuel“ hatten sich im kollektiven Bewusstsein eingenistet. Den ehemaligen Feind machte man zum Papiertiger und dichtete ihm Großzügigkeit und Trotteligkeit an, was mit der Historie aber nicht so ganz in Einklang zu bringen ist. Es sei aber auch nicht verschwiegen, dass die Exotik und Fremdartigkeit des Orients eine magische Anziehungskraft hatte, die im neunzehnten Jahrhundert in den Opern von Bizet, Delibes, Massenet in Richtung Indien abdrehte.

***
musirony 2006 - Engelbert Hellen

 

 


 




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