musirony - Die Königin von Saba
 

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Károly Goldmark [1830-1915]

Die Königin von Saba

Sába Királynöje - The Queen of Sheba 


 Oper in vier Akten 

Libretto von Salomon Hermann Mosenthal 

in deutscher Sprache

 
Quelle ist das Alte Testament, 3. Buch der Könige, Kapitel 10

.

Komponiert von 1866-1871, op. 27

 

Uraufführung: am 10.03.1875 in der Wiener Hofoper


Deutsche Erstaufführung: 1875 in Hamburg

Ungarische Aufführung: 18. März 1876 im Budapester Nationaltheater

.

Personen:      

König Salomon

Die Königin von Saba

Der Hohepriester

Sulamith, dessen Tochter

Assad, Günstling König Salomons

Astaroth, Dienerin der Königin

Baal-Hanan, Palastaufseher

.

Die Begebenheit spielt in und um Jerusalem zu biblischer Zeit, etwa 950 v. Chr. 


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HANDLUNG

Erster Akt:

Der königliche Palast wurde festlich geschmückt, weil man die Ankunft der Königin von Saba erwartet. Harfen und Zymbeln erklingen; die Töchter Jerusalems und die Frauen Salomons huldigen ihrem Gebieter. Alle wollen dabei sein, wenn die stolze Heidin vor Jehova das Knie beugt. Auch Sulamith, die Tochter des Hohenpriesters, hat Grund zum Jubilieren, denn ihr Assad kehrt zurück. Sie erzählt es ihren Freundinnen: Vater hat ihn ausgewählt und der Hochzeitsschleier liegt bereit. Der Erkorene ist ihr Labekelch, der lieblich ihr die Lippen kühlt und sie mit seinem Honigkuss erfreut; ein Myrtenstrauß ist er, der sich an ihren Busen schmiegt und sie mit seinem Wonneduft labt. Der Chor weiß zu berichten, dass Assad unter Rosen weidet und bestätigt, dass er wirklich ihr gehört. Sie zittert vor Erwartung.

Assad steht bei König Salomon in Gunst und wurde mit der ehrenvollen Aufgabe beauftragt, den hohen Gast auf halbem Weg abzuholen. Die Königin wartet zur Zeit noch am Tor von Gad, um sich für ihren Auftritt ein  bisschen frisch zu machen. Gleich wird sie da sein, ein Grund für Assad, sich etwas betreten von den übrigen zu verabschieden. Der Hohepriester tritt vor: "Schau mein lieber Sohn, wer auf dich wartet!" Es ist Sulamith, die auf ihn zustürzt und ihn umarmen will. Wehe ihm! Entsetzen scheppert durch sein Gebein und sein Herz erstarrt. Was ist passiert? Assad ist völlig durcheinander und weiß nicht, ob er fliehen oder bleiben soll. „Welches Bangen, welche Qualen, sende Herr uns deine Strahlen.“ Der Chor beruhigt die aufgebrachte Stimmung. Endlich kommt der König. Salomon spürt sofort, dass irgend etwas nicht stimmt. Alle schweigen! Assad sagt nichts! Das holde Auge Sulamiths schwimmt in Zähren. Sie sucht sich ein Plätzchen zu Füßen des Königs. Dieser, für seine Weisheit international bekannt, sucht das Zwiegespräch mit Assad. Der König erkennt die Situation. Die Gefühle des jungen Mannes gehörten Sulamith, doch seit der Fahrt ins fremde Land hat das Herz sich abgewandt. Assad bestätigt: Die finsteren Gewalten, die zwischen Erd’ und Himmel walten, haben ihm mit einem Zauberbann umgeben. Was war passiert? Assad, müde von der Reise, hatte sich am Libanon ein bisschen ins Moos gelegt und hört plötzlich ganz in der Nähe das Plätschern einer Silberquelle. Was sieht er? Ein Schwanenleib windet sich aus dem Wasser und schwarze Haare hüllen den Nacken ein. Wer ist diese Person? Nicht schwer zu erraten – es ist die Königin von Saba. Assad ist bezaubert, die Faszination hält an. Salomon macht kurzen Prozess. Die Flausen müssen verschwinden. Morgen geht es mit der Braut zum Hochaltar, bestimmt der König. Assad erklärt, dass er seiner Braut die Treue halten will und Friede zieht nach banger Pein versöhnend in das Herz hinein.

Endlich, die Königin rollt an, man schwingt die Palmwedel und huldigt: „Willkommen edler Gast in diesen Hallen, Dir wird  es schon bei uns gefallen. Zu Füßen liegt dir das gelobte Land“. Die Königin hat Geschenke dabei: Düfte, die die Luft versüßen (Badezimmerspray) und auch sonst jede Menge Gold und Kostbarkeiten. Dann naht der Höhepunkt des Vormittags. Was noch kein Auge je erblickt. Die Königin entschleiert ihr Gesicht.

Assad ist verblüfft. War das nicht die Badenixe in der Oase?

Diese Frau und diese Züge.
Ewiger Gott, es ist kein Wahn.
Ist es kein Traumbild, keine Lüge?
Holdes Leben blickt ihn an.
Durch die Seele zieht ein Bangen,
zieht ein glühendes Verlangen.

Astaroth, die Dienerin der Königin, merkt zuerst, dass etwas nicht stimmt. Dem Hohepriester bleibt es auch nicht verbogen.

Wie entstellt sind seine Züge,
ihn umstrickt ein irrer Wahn.
Hält mit teuflischem Verlangen
ihn ein böser Geist umfangen?
Er, gekrönt durch Ruhm und Siege,
nun dem Dämon untertan?


Der Königin wird die Sache zu dumm. Was will der fremde Mann von ihr? Assad versteht die Welt nicht mehr, kommt näher und flüstert: „Tu doch nicht so. Hast du vergessen, im Mondlicht, die Nacht am Libanon?" Belkis schiebt ihn weg und erklärt dem König und den Umstehenden: „Ich kenne diesen Menschen nicht.“ Salomon zu Assad: „Morgen ist Hochzeit mit Sulamith, reiß dich zusammen.“ Und zur Königin: „Doch du mein Gast tritt ein, das Festgelage harret dein.“ Heil dem König! Sabas großer Königin sei Heil!

Zweiter Akt:

Belkis hat ihre Gemächer bezogen. Es ist Abend, sie tritt im Bademantel heraus auf die Terrasse und hängt ihren Gedanken nach.

Er, der ihr das Herz bezwungen,
er, den dieser Arm umschlungen,
er führt sobald der Morgen graut
zum Altar die junge Braut.


Eifersucht plagt die Königin von Saba.

Soll sie dieses alles missen,
seine Locken nicht mehr küssen?
Könige sah sie vor sich schmachten,
doch sie durfte sie verachten.
Dass den Liebling ihrer Seele
eine andere ihr nun stehle.
Nein, nur sie will ihn besitzen,
durch das Herz zuckt ihr ein Blitzen.
Siegen will sie, triumphieren.
Die Nebenbuhlerin wird ihn verlieren.

Astaroth hat eine Nachricht: „Süße Herrin, du bist hier? Eine Kunde bring ich dir. Jener Mann, der sich vermessen, der dir frech ins Auge sah, wandelt träumend unter den Zypressen.“ Die Königin fordert ihre Dienerin auf, den Geliebten herzuschaffen. Astaroth versteht und vokalisiert, was das Zeug hält. Angelockt durch „Magische Töne“ wird der Ahnungslose  zurechtgewiesen:

„Kommst du endlich, endlich wieder.
Ach so lange harrt ich schon.
Steigst du endlich zu mir nieder,
süßer Freund vom Libanon.“

Assad ist vorsichtig geworden:

„Willst du wieder mich berücken,
Dämon, mit den süßen Blicken?
Bist ein Wesen du von oben,
aus der Lüfte Hauch gewoben?“

„Lass das Zweifeln, lass das Klagen,
fühle meine Pulse jagen“


Der Königin Abschied: „Halte ein, du darfst nicht gehen“, „Good bye, my love, Auf Wiedersehen!“

SZENENWECHSEL

In den Tempel von Jerusalem ziehen die Jungfrauen ein. Weizenkörner in goldenen Schalen und Öl in Krügen bringen sie herbei. Sulamith, die Braut, weiß gekleidet, auf dem Kopf den wallenden Hochzeitsschleier! Sie trägt einen offenen Korb mit zwei Turteltauben. „Dies Taubenpärchen sanft und rein, lass mich dir Herr, als Opfer weih’n“, betet sie. Die Täubchen flattern und das Herz hüpft ihr im Busen. Der Hohepriester beginnt mit der Zeremonie, als plötzlich die Königin mit einem Geschenk für die Braut auftaucht. Assad ist wie von Sinnen, wirft den Ehering fort und stürzt auf die Königin, um sie zu entschleiern. Ohne zu bedenken, was er sagt und was er tut, bekennt er seine Beziehung, doch sie erklärt ein zweites Mal, dass sie ihn nicht kenne. Salomon selbst schützt ihn vor der aufgebrachten Menge, die auf ihn eindringen will. Die Tempelwache nimmt ihn fest.

Dritter Akt:

Jetzt gibt es erst einmal Ballett. Der Bienentanz wird aufgeführt. Assad wurde wegen Tempelschändung zum Tode verurteilt. Belkis bittet den König um die kleine Gefälligkeit, ihr den Knaben zu schenken. Salomon geht auf Ihren Wunsch nicht ein, sieht darin eine Laune und verweist auf den Schiedsspruch des Priestergerichts. Es wundere ihn, so sagt er, dass sie sich um das Leben eines Straftäters sorge, von dem sie zweimal behauptet habe, dass sie Ihn nicht kenne. Die Königin droht mit Krieg, aber Salomon bleibt gelassen und verabschiedet sie. Sulamith erscheint weinend vor dem König  und  erreicht, dass das Todesurteil in Verbannung umgewandelt wird. Die Verzweifelte hat sich die Locken abgeschnitten und Trauerkleidung angelegt. Sie will in die Wüste gehen und sterben. Salomon spendet ihr Trost.

Vierter Akt:

Von Sehnsucht getrieben, ist die Königin ihrem Liebsten in die Wüste gefolgt, wo er ziellos umherirrt. Sie greift ihn auf und will ihn überreden, gemeinsam in ihre Heimat zu fliehen. Er fürchtet, erneut verraten zu werden und stößt sie von sich. Enttäuscht scheidet sie von ihm und ein aufkommender Sandsturm lässt Bild und Erinnerung an sie in der Ferne entschwinden. Assad hatte seinen Weg fortgesetzt und ist unter einer Dattelpalme zusammengesunken. Sulamith und ihre Gefährtinnen sind dem Rat des weisen Salomon gefolgt und finden den zu Tode Erschöpften unter der Palme. Ein letztes Abschiednehmen, die Verzückung kennt keine Grenzen, begleitet von dem Gesang der Jungfrauen, sterben beide den Liebestod
.

ein Bild

                                                                                                   Foto: E. Hellen

.

 

Anmerkung:


Karol Goldmark musste vier Jahre warten, bis die Wiener Hofoper sich entschloss, das Werk aufzuführen. Doch dann trat seine „Königin“ den Siegeszug um die Welt an. An der Partitur nahm er später immer wieder Veränderungen vor, obwohl sie eigentlich abgeschlossen war. Der Komponist schuf noch weitere Opern, die aber an den Erfolg seines Erstlings nicht anknüpfen konnten. Gustav Mahler, Bruno Walter und Richard Strauss haben das Werk dirigiert. Leo Slezak war ein prominenter Darsteller des Assad und Amalie Materna nahm sich der Rolle der Königin an.

 

Karol Goldmark ist gebürtiger Ungar, lebte seit seinem siebzehnten Lebensjahr in Wien und Gmunden, betrachtet aber beide Nationen als seine Heimat.

 

***

musirony 2006 – Engelbert Helllen 
 


 

 

 

 

 

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