musirony - Die Erschaffung der Welt
 

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  Zauber des Balletts



Darius Milhaud [1892-1974]

Die Erschaffung der Welt

La Création du monde

The Creation of the world


Ballett in einem Aufzug und fünf Szenen

Libretto von Blaise Cendras
nach Motiven der schwarzafrikanischen Mythenwelt


entstanden 1923

Dauer der Aufführung etwas mehr als eine Viertelstunde


Uraufführung
am 25. Oktober 1923, Paris, Thétâre des Champs-Elysées

Choreographie:  Jean Börlin
Ausstattung: Fernand Léger
Formation: Ballets suédois,
usführende: Jean Börlin, Ebon Stradin

Besetzung: 2 Flöten, 1 Oboe, 2 Klarinetten, 1 Saxophon, 1 Fagott, 1 Horn, 2 Trompeten,
1 Posaune - Klavier, dazu Schlagzeug und diverse Streichinstrumente.

Charaktere:

Ngama, Medere und Nkwa, Schöpfergottheiten,
Vögel, Fledermäuse, Krokodile, Insekten  und weitere in vielfacher Vergrößerung,

Die ersten Menschen                                           

Ort und Zeit: Planet Erde, Bereich Afrika, vor etwa 2 Millionen Jahren und dem Zeitraum davor



HANDLUNG  

Gemäß afrikanischer Vorstellung war die Erde in ihren Uranfängen zwar wüst, aber nicht leer. Auf dem Boden wälzte sich Biomasse, die ihre Form noch nicht gefunden hatte. Drei Schöpfergottheiten, Ngama, Medere und Nkwa verspüren Handlungsbedarf und nahmen sich der Sache an. Die Tatendurstigen wissen allerdings nicht so recht, was sie formen wollen, denn es fehlt an geeigneten Vorbildern. Beschwörungen und Appelle an die Rohmasse erzielen erste Resultate.

Ungewollt gerät alles ein bisschen bizarr: Riesige Vögel, schreckhafte Fledermäuse, rachenaufsperrende Reptilien! Die Phantasie wird bis an ihre Grenzen ausgeschöpft. Damit die Lebewesen genügend zu essen haben – gedacht ist an fettarme vegetarische Kost – wird das Pflanzenreich erschaffen. Nahrhaftes Gemüse, Obst, Beeren und Körner sollen den Hunger stillen. Als Tischdekoration entstehen schöne Orchideen für die Blumenvase.

Die Weltschöpfer sind mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden und versuchen, die Resultate zu optimieren. Als erstes wird den Kreaturen beigebracht, ihren Schöpfern zu huldigen und ihnen für die Wohltat ihrer Erschaffung zu danken, damit die Gottheiten das Gefühl bekommen, etwas Positives geleistet zu gaben. Der unbändige Bewegungsdrang der neuen Wesen wird geregelt und kanalisiert. Nur so konnte die Kunstform des Balletts entstehen.

Nun ist es an der Zeit, den Menschen zu erschaffen. Ein Paukenschlag im Orchester und schon ist er da. Gleich zwei Exemplare einer Gattung - Mann und Frau. Ballettbegeistert üben die beiden erste Schritte zum Tanz der Begierde. Alles schaut  interessiert und ungeniert zu. Als erstes sind es die Affen, die alles nachmachen.

Anmerkungen:


Darius Milhaud ist der Meister der kleinen Form. Es genügt ein Kammerensemble von 17 Instrumenten, um „Die Erschaffung der Welt“ ohne Radau auf der Bühne darzustellen. Inspiriert wurde Milhaud durch seinen Aufenthalt in Brasilien, in den USA und durch eine Big-Band in London, einen ganz neuen Sound zu schaffen, in dem klassische Strukturen mit den Elementen des Jazz kombiniert wurden. Der große Erfolg stellte sich nicht sogleich ein, sondern seine Beliebtheit erlangte das reizvolle Stück erst im Laufe der Jahre, nachdem der Hauch des Ungewohnten sich verflüchtigt hatte.

***
musirony 2006 - Engelbert Hellen

 


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