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Schöne Oper - gern gehört


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Luigi Cherubini [1760-1842]

Medea

Médée 


Oper in drei Akten

Libretto von  François-Benoit Hoffmann in französischer Sprache

Quelle: Pierre Corneille nach dem antiken Dramatiker Euripides

Uraufführung am 13. März 1797 im Théâtre Feydeau, Paris

Personen:                                           

Médée, Prinzessin und Priesterin vom Schwarzen Meer   

Jason, Führer der Argonauten

Créon, König von Korinth

Dircé. seine Tochter

Neris, Dienerin Medées

Zwei Dienerinnen Dircés

und weitere

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Die Begebenheit spielt im antiken Griechenland
  


 

HANDLUNG

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OUVERTÜRE

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Erster Akt:

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1

Beide Dienerinnen versuchen, all ihre Wünsche zu erfüllen, doch die Traurigkeit will von Dircé nicht weichen. Der Himmel überschüttet sie mit Wohltaten, aber in ihrem Gesicht zeigt sich kein Jubel. Sobald die Morgenröte den neuen Tag angekündigt, präsentiert ihr Hymen den Helden, dem sie ihre Zuneigung entgegenbringt. Traurige Farben beunruhigen ihr Gemüt. Was ist, wenn der Hochzeitsgott sich nicht zeigen wird? Dircé soll die bösen Vorahnungen verjagen, es sind nutzlose Wolken. Ihr lacht die Liebe und nichts soll die Glut eines schönen Tages verdunkeln.

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Jason hat ihr gesagt, dass er sie liebt und dass er ihr treu sein wird. Das gleiche hat er Medée auch versichert. Doch wenn er sie nun ihretwegen verlässt, wird er ihr nicht eines Tages das gleiche antun? Nein, denn Jason sieht sich genötigt, vor einer barbarischen Gemahlin aus fremden Landen zu fliehen. Die Tugend hat er in der Tochter des Créon gefunden. Das Schicksal wird den Knoten knüpfen und niemanden wird es gelingen, ihn lösen. Der Stimme der Tröstung will Dircé nachgeben, süße Freundschaft erleichtert ihr Herz. Die Freundinnen versprechen ihr ein Schicksal, welches sie bezaubern wird. Liebe, nicht Betrug soll ihre zuversichtliche Seele erfüllen. Zurückweisen wird sie die barbarische Fremde und die Frau aus ihrem Gedächtnis verbannen, die mit ihrem Zauber einen Helden verführte.

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2

Die dicken Mauern des Königspalastes von Korinth und des Königs Leibwache beschützen Jasons Kinder. Weitere Maßnahmen von Jasons Seite sind überflüssig. Dircé will wissen, welche Unruhe seinen Geist alarmiert. Psychologisch ziemlich ungeschickt erklärt Créon seiner Tochter, dass der Sohn des Pélias Anschläge seines Vater befürchtet. So wird auch Médée den Liebessentzug des Gatten nicht hinnehmen und sie es in die Nähe ihrer Kinder drängen. Dem König stellt sich die Frage, ob er nicht vorbeugend Medées Blut vergießen sollte. Jason zeigt sich sichtlich beruhigt. Wenn die Götter und Créon die Kinder schützen, wird Jason sich ganz der Zärtlichkeit eines Vaters widmen können.

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3

Zur Hochzeit von Jason und Dircé sind auch die Gefährten geladen, die am Argonautenzug beteiligt waren. Während des Aufmarsches erklingt der Chor ‚Belle Dircé, L’invincible Jason’ Schöne Dircé, unbesiegbarer Jason, euch zu Füßen legen wir die Trophäe, die der Held als Preis für seinen Sieg erbeutet hat. Lorbeeren und Glorie hat er im fernen Kolchis errungen und das brillante Wollgewebe soll den Estrich des königlichen Gemaches schmücken, um ihn stets an seine Heldentat zu erinnern. Der Chor freut sich und wiederholt seinen Vers, hat aber keine Vorstellung, welchen Schrecken das Geschenk in Dircés Befinden auslöst. Kolchis! Welch fataler Name!. Auch Jason ergreift böse Vorahnung, als er das Goldene Vlies vor sich ausgebreitet sieht. Wo ist er! Eine schattige Wolke umnebelt seine Augen! Dircé steigt von ihrem Thron, um den Festsaal zu verlassen. Verstört folgen ihr Jason und Créon. Reden soll Dircé über den schwarzen Schatten, der auf ihrer Seele ruht. Der König billigt es nicht, dass sie ihre Ängste dem Volk offenkundig macht

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Dircé reagiert sehr förmlich: Mein Vater! Mein Mann! Verzeiht die Tränen, die das Glück trüben, welches die Götter versprochen haben. Unablässig beunruhigt sie dunkle Vorahnung und versetzt ihre Seele in Aufruhr. Fortuna ist eifersüchtig und will das ihr gewährte Glück zerstören. An Jason wendet sie sich: Mein Herr hat bereits eine Frau. Allein ihr Name beflügelt ihre Furcht. Den glühenden Blick ihres Zorns wird Dircé nicht ertragen können, wenn sie kommt und von ihr den Gatten zurückfordert. Das gesamte Universum kennt die Furcht vor Medeas Zauberkünsten.

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Janos unternimmt einen linkischen Beschwichtigungsversuch. Den machtlosen Zorn Medeas soll Dircé nicht fürchten. Unglücklich wird die Verworfene als Beute ihrer Reue rastlos umherziehen und all ihre Sünden abbüßen. Ihr Missgeschick wird ihren Kampfesmut lahm legen. Dircé fühlt sich schuldig und argumentiert, dass Medée die Frau Jasons auch dann ist, wenn die Verbindung sich nachträglich als unglücklich herausstellt. Gewiss wird die Verlassene Schritte einleiten, ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen. Es ergibt sich die Frage, ob die Götter nicht für die Betrogene Partei ergreifen und am Ende ihr eigener Tod steht. Die Elemente der Unterwelt unterwerfen sich dem Charme Medées und stehen ihr devot zu Diensten. Ihre Tränen, ihren Zorn und ihre Zauberkunst wird sie einsetzen, um in ihre alte Position zurückzufinden. Alles hat Dircé zu befürchtet, wenn sie sich mit Jason vereint.

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Entfernt hat Jason sich für immer von der grausigen Gefährtin, die sein Unglück verursacht und Schande über ihn gebracht hat. Die Erinnerung an einen langen Irrtum will er hinter sich lassen, damit der Lauf seines Lebens eine Wende bekommt. Eine neue Hochzeit soll es sein, die seine Tortur beendet. Dircés Liebreiz und Tugend umschmeicheln sein Herz. Zerbrechen wird Jason seine widerwärtigen Ketten und schwört, der lieblichen Dircé die positiven Kräfte seines Herzens uneingeschränkt zu Füßen zu legen. Nichts wird sie trennen können. Créon legt nach: Die Tochter erwartet die Fülle himmlischer Güte. Die glücklichste Frau unter der Erde wird sie sein und er selbst ein glücklicher Großvater. Der Chor sieht die Situation ebenfalls rosig. Hymen wird sich den flehenden Bitten des Volkes nicht verschließen können und die Linien der beiden Liebenden zusammenziehen. Den Frieden soll der Hochzeitsgott in die Seelen des glücklichen Paares transportieren.

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4

Médée hat sich in einen langen Schal eingewickelt, als sie am Eingang des königlichen Palastes erscheint und mit lauter Stimme Einlass begehrt. Hier ist also der Palast des berühmten Jason, in dem er seine Lorbeeren und das Goldene Widderfell ausbreitet! Die Palastwache wagt es nicht, Médée den Einlass zu verwehren. Dircé überfällt die kalte Furcht. Noch besteht kein Grund, in Panik auszubrechen, denn Médée gibt sich dialogfähig, Créon dagegen nicht. In ruhigem Ton und völlig korrekt wendet Médée sich zunächst an die anwesenden Hochzeitsgäste und den König. Sie sei nicht hergekommen, um Schrecken zu verbreiten und gelassen soll man ihr zuhören. Ihr Zorn ist nicht gegen die Menschen von Korinth gerichtet, sondern ihr Geschick führt sie her. Sie nimmt es nicht hin, dass Jason sie in der Öffentlichkeit als perfide bezeichnet. Den Schleier hat Médée von ihrem Gesicht genommen, dass alle erkennen können, wer sie ist.

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5

Jason tut entrüstet und Créon ereifert sich. Mit welchem Recht, fremd und schuldig, dringt Médée hier ein, um die Feier zu stören. Er drohe einer Unglücklichen, von der Fortuna sich abgewandt habe. Glaubt Médée etwa, dass sie für Ihren Überfall mit Straflosigkeit davonkommt? Ihre Vorahnung hat Dircé nicht getäuscht. Ihr flehenden Blick ist auf den Vater gerichtet. Die Tochter soll sich vor dem machtlosen Zorn der Besucherin nicht fürchten, ihre Feindschaft geht ins Leere. Noch bevor die Sonne sich versteckt, hat sie aus der Stadt zu verschwinden. Créon soll sich mäßigen. Wenn Dircé und Jason lieb an seinem Herzen liegen, soll er die fatale Hochzeit unterbinden. Wenn er zulässt, dass Jason seinen Eid bricht, den er ihr geschworen und ihrem Groll weiteren Verdruss hinzugefügt hat, wird er den schwarzen Humor, den ihre Seele besitzt kennen lernen. Zittern soll er vor Medées Hass. An der barbarischen und gottlosen Frau sei es, zu zittern. Sie soll der Qualen gedenken, welche die Hölle für sie vorbereitet hat. Der letzte Tag ihres Aufenthaltes in der Stadt neigt sich dem Ende entgegen. Für Dircé ist nun der Zeitpunkt gekommen, ohnmächtig in die Arme ihrer Dienerin zu sinken.

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6

Hallo, Jason! Du sagst gar nichts und bewahrst deine Ruhe. Der Beunruhigte dreht die Augen weg und flieht ihren Anblick. Gestaltet sich so das Wiedererkennen nach allem was sie für ihn getan hat? Wie gefallen ihm seine Lorbeeren und das superbe Widderfell, welches nun in seinem Bettgemach seinen Glanz ausstrahlt. Endlich rafft Jason sich auf. Tatsächlich hat er mit ihrer Hilfe einen großen Sieg vollbracht. Doch sein Herz weist diese Wohltat zurück, weil sie seinen Ruhm mit Schande bedeckt hat. Médée setzt sich zur Wehr. Für ihn allein verriet sie ihr Volk, verließ sie den armen alten Vater und zerriss ihren Bruder. Der Leser möge sich erinnern, dass das Schiff der Argonauten auf der Flucht mit dem Goldenen Widderfell – es war der Tempelschatz von Kolchos – an Geschwindigkeit verlor. Um die Verfolger anzuschütteln, zerhackte Médée ihren kleinen Bruder in Stücke und warf die Körperteile ins Wasser. Die Verfolger waren genötigt, die Leichenteile einzusammeln und  wie ein Puzzle wieder zusammenzusetzen, um ihrem Totenkult zu genügen. Den Zeitverlust nutzten die Griechen, um zu entkommen. Nun stellt Jason die Sache so dar, dass Medée ihre Verfehlungen auf ihn übertragen möchte, er sich aber entschuldigt sieht und es gegen sie spreche, ihn anzuklagen. Für seine Kinder hat er in Korinth um Asyl nachgesucht und erhalten, eine kriminelle Mutter kann er den Kleinen nicht zumuten. Beschämt muss er nun dem Hochzeitsgott unter die Augen treten, weil er die Verbindung entzwei brach, aber gegen ihr Verbrechen ist seine Ordnungswidrigkeit gering. Er ängstigt sich nicht und bereut es nicht und hofft, dass Hymen an seiner neuen Verbindung keinen Anstoß nimmt. An ihm allein soll sie sich rächen, wenn sie ihm seine neue Wahl vorwirft, gegen Jason soll sie donnern, sein Herz wird ihr vergeben. Die ganze Welt schaut mit Abscheu auf sie und demütig soll sie sein, damit sie ihr Asyl in Korinth behalten darf.

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7

Sie besaß ein Vaterland und hatte auch einen Vater. Von Jasons Kindern ist sie die unglückliche Mutter. Kriminell wurde sie durch ihn. Den Menschen hat sie sich entfremdet. Alles hat sie für ihn geopfert. Aber die Liebe ist seinem Herzen nicht entflohen. Sein Gefühl gehört jetzt nur einer anderen. Bevor sie Jason kannte, war Dircé tugendhaft. Ihr Herz ignorierte den Kummer, ihre Tage waren friedlich und nachts schlief sie ruhig. Médée will nicht, dass er isoliert ist. Abschwören will sie ihrem Zorn. Médée appelliert: Er sieht sie in Tränen. Sie will ihn kniend umarmen. Er soll wertschätzen alles, was sie für ihn getan hat. Jason soll zu seiner Frau zurückkehren.

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Jason bedauert, es sei zu spät und schiebt die Schuld Créon zu, dessen Zorn sie hochgeputscht habe. Nun, wenn der König zornig ist, kann man ein anderes Asyl suchen. Er soll mit ihr fliehen, so wie sie mit ihm geflohen ist. Er wird den König nicht in Verlegenheit bringen. Er könnte glauben, dass er der Komplice ihrer Schandtaten sei und seinen Kindern würden die Vergehen der Mutter vorgehalten. Er kennt ihren Zorn und ihren perfiden Charme, der aber nicht ausreicht, um eine Wiedervereinigung zu bewirken.

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8

Medée sieht ein, dass weiteres Flehen nutzlos ist. Sein feiges Herz ist habgierig. Er sieht das angenehme Leben neben Dircé im Palast des Königs, dem sie nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat. Kein Wort der Klage wird mehr über ihre Lippen kommen. Kalt stellt sie ihn vor die Alternative. Jason soll wählen zwischen ihrer Liebe und ihrer Feindschaft. In seinem Herzen hat Créon ihm ein Asyl angeboten. Medée soll verschwinden und nicht länger seinen Palast beschmutzen. Der Schlag, eines mächtigen Königs wird sie treffen und sie soll seinen Zorn fürchten. Medeé flieht nicht und fürchtet sich nicht! Ihr Vater regierte ebenfalls und sie hat ihn verlassen. O Kolchos! Die Liebe ist ein fatales Geschenk und kostet Blut und Tränen. Jason hat gewählt, nun gibt Medée ihm ihren Hass.

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Zweiter Akt:

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1-2

Die Hölle hat sie vereinigt und die Hölle wird sie trennen. Sie wird Jason verlassen, wie sie ihn heiratete. Ihre Kinder wird sie nie mehr umarmen können. Doch der König von Korinth und seine freche Tochter werden für alles büßen. Ihr Schlag wird furchtbar sein. Als sie eilig die Stufen von Créons Palast hinabsteigt, kommt ihre treue alte Dienerin ihr aufgeregt entgegen gelaufen. O furchtbarer Tag, o bedauerliches Schicksal! Eine Gruppe von Menschen hatte das Gebäude umzingelt und forderte Medées Tod. Das Volk ist gegen sie. Neris hat sie verzweifelt gesucht, um sie zu warnen. Mit der höchstmöglichen Schnelligkeit soll sie entfliehen. Jeden Moment kann es zu spät sein. Die Zeit drängt. Den König sieht Médée kommen, sie will ihn erwarten.       

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3

Ah, da ist die Verworfene, den Blick scheu und den Mund gottlos. Die Schiffbrüchige soll das Land verlassen, bevor Créon die Geduld verliert. Ihr Leben sei im Prinzip verwirkt, doch der Mann seiner Tochter hat Gnade für sie erfleht. Dem humanen Helden gelang es, Créons Herz zu erweichen und Rettung für sie zu erwirken. Créon erhofft, dass Médée seine Milde nicht falsch auslegt. Er weiß, dass sie sich frührer oder später rächen wird. Ihre Tränen und ihren dunklen Zauber fürchtet er nicht. Sie wird keinen Vorteil erlangen. Médée fleht, ihr das Asyl in Korinth nicht wegzunehmen. Einsam und ruhig wird sie ihre Tage beenden. Glücklich wird sie sein, wenn sie hin und wieder ihre Kinder bekommt. Sie wird dann vergessen, dass Jason seinen Eid gebrochen hat. Ihr Jammern rührt ihn überhaupt nicht. Denkt sie etwa, sie kann ihn erwischen, wenn sie Schmerz vortäuscht? Die kriminelle Schwester, die gottlose Tochter soll das Land verlassen und ihn nicht länger anspannen. Neris bekommt es mit der Angst zu tun. Médée soll den mächtigen König nicht reizen, denn sein Zorn ist bedrohlich. Eines Tages, auf den ihr armes Herz sich vorbereitet, wird die Situation sich verändern. Auf welches kriminelle Niveau wird die Rachsüchtige sich herablassen? Médée verlegt sich aufs Verhandeln. Sie nimmt zur Kenntnis, dass der König ihr eine dauerhafte Bleibe verweigert, aber einen Tag für ihre Schmerzen soll er ihr gewähren. Nun Créon ist kein Tyrann, da ihm hierzu die Härte fehle. Auch wenn er das Opfer seiner Güte wird, einen Tag will er der Flehenden nicht verwehren. Der Himmel soll es ihm lohnen, wirft Neris schnell ein. Wenn der König die Säumige  jedoch am folgenden Tag noch antrifft, wird sie grausam sterben. O Kolchis, wie Médée sich nach ihrem lieben Vaterland und ihrem verlassenen Vater sehnt. Nach Kolchis soll sie zurückkehren, es ist das Land welches sie verraten hat. Das glückliche Klima Griechenlands bekomme ihr nicht, behaupten Créons Wachen. Jupiter soll notieren, welchen Schmerz man ihr zufügt. Der Chor hat böse Vorahnungen. Jupiter möge den unmenschlichen Zorn Médées einhüllen und abwenden.

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4

Nun ist es an Neris ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Die unglückliche Prinzessin, die elende Frau, vom Gatten verstoßen, von den Göttern verlassen. Wie viele Schmerzen bleiben ihr, die sie noch zu erdulden hat? In ferne Wüsten wird sie ihr Unglück schleppen und unter freiem Himmel wird sie sterben. Fliehen wird sie von Küste zu Küste. Kein Haus wird sie gastlich aufnehmen. Ohne einen Freund zu treffen, der ihr hilfreich die Hand gibt, wird das Unglück der Versklavung ihr Los sein. Doch alle Qualen werden sie gemeinsam ertragen. Ein zartes Interesse vereint sie mit der Gefährtin ihres Schicksals. Folgen wird sie der lieben unglücklichen Prinzessin bis in den Tod und niemals mit Weinen aufhören. Aber was beobachtet Neris. Die Stirn der Herrin ist zerfurcht. Der Blick ist verlaufen und der Geist abwesend. Unruhe bewegt ihren Busen. Sie seufzt. Ohne Zweifel meditiert die Verlassene über einen Entwurf, ihrem Schicksal zu begegnen. Medée zu sich selbst: Von dem Tag, den er ihr lässt, wird sie gut profitieren. Alle werden sterben und der Schlag wird in seiner Art grausam sein. Nicht genug kann ihr eifersüchtiger Zorn sich an dem kriminellen Gatten rächen. Den Busen wird es seiner neuen Gefährtin zerreißen. Sie hat ihren Bruder verloren und Jason wird keine Söhne mehr haben. Über was hat die unglückliche Herrin in ihrem Herzen  nachgedacht. O Neris, die Schmerzen sind beendet, der Tatendrang ist erwacht, die Glut kommt zurück und der Sieg ist gewiss. Aus dem Palast kommt Jason.

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5

Jason höhnt, ob sie den Effekt von ihrem blinden Zorn und ihrer Wut in ihrer Tragweite erkannt hat. Er weiß, dass sie seinen Tod wünscht, aber trotz allen Hasses ist die Bereitschaft ihn zu lieben ihr nicht abhanden gekommen. Er wertet diese Regung positiv und er ist nicht abgeneigt, ihr für den Aufenthalt im Exil  Erleichterung anzubieten. Nachdem das Gewitter nachgelassen hat, ist sie zur Nachgiebigkeit bereit. Sie bittet ihn, von seinem Reichtum etwas abzugeben. Wovon spricht sie? Jason soll gerecht sein und als Abgeltung für ihre Schmerzen ihr die Kinder überlassen. Ihr die Kinder überlassen? Welch schlimme Lästerung! Sie soll aufhören, ihn darum zu bitten, er kann nicht zustimmen. Versteht Jason nicht? Medée reklamiert ihre Kinder! Sollen die Kinder ihr etwa in die Verbannung folgen? Niemals wird er sie weggeben. Sie sind sein Blut und sein Leben. Médée jammert herzerreißend. Die Götter sind Zeugen von Jasons sensiblen Herzen. Er verweigert nicht aus Rachsucht, aber er kann es nicht zulassen. Médée weint und nimmt Abschied. Es ist der Gang der Dinge, dass sie die lieben Kinder verlassen wird. Für immer hat sie die Kleinen verloren, der Vater hat es so bestimmt. Weit weg von ihnen wird sie sterben. Sie wird sie nicht mehr sehen. Jason ist gerührt und fasst einen plötzlichen Entschluss. Bis zu ihrer Abreise darf sie die holde Anwesenheit der beiden noch genießen. Er lässt sie ihr für einen Tag. Welche Wohltat umfängt Médée. Sie sind die Früchte ihrer Liebe zu Jason. Oft wird sie sich die glücklichen Stunden ins Gedächtnis zurückrufen. Auch Jason überkommt die Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Zeit, sperrt sich aber sofort, weil die Gedanken peinigend sind.

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Jason muss jetzt gehen. Er sieht die Priester aus dem Tempel kommen und zum Palast eilen. Gemeinsam mit dem König will er mit ihnen die Opfergaben besprechen, die erforderlich sind, damit die Götter seinen Kindern wohlgesonnen sind. Auch für Médée will er bitten, die Olympier sollen sich auf ihrem zukünftigen Lebensweg zu ihr von ihrer vorteilhaften Seite zeigen. Der Vater ihrer Kinder verlässt sie tatsächlich. Oh schlimmer Abschied! Wie schrecklich, dass sie ohne ihn sein muss. Vergiss dein Unglück liebe Frau und ertrage dein Schicksal friedlich!  Lebe wohl! Jason hat sein Herz zum Erlöschen gebracht und ignoriert die Tränen, die Médée weint.

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6

Neris zeigt sich erfreut, dass man Médée erlaubt hat, ihre Kinder wiederzusehen. Sie soll sich beeilen und es genießen, sie zu umarmen. Doch der Sinn Médées hat sich gewandelt. Sie hasst ihre Kinder, sie besitzen den gleichen Blick wie der Vater. Wo wird sie die Kinder sehen dürfen? Neris soll zum Palast Kréons eilen und schöne Gaben mitnehmen. Da ist einmal die brillante Robe und ein mit Juwelen reichverziertes Krönchen, einst zauberhaftes Geschenk ihres Vorfahren. Den Kindern soll sie erneut von der Mutter Liebe sprechen. Neris ist sprachlos! Will Médée etwa ihre Rivalin selbst verzieren? Das Verzieren hat Pluto besorgt! Sobald Dircé sich in die fatale Robe einhüllt, wird sie von ihr verschlungen werden. Wie gedenkt Médée nach diesem furchtbaren Exzess davonzukommen?

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7

Das Finale des zweiten Aktes wird akustisch von einer Tempelszene gekrönt. Bacchus soll herabsteigen und Hymen Gefallen an den Opfergaben finden. Ach, wie der liebliche Gesang zu Médées Herzen drängt! Die schönste Braut trägt die schönste Krone, höhnt sie.  Die Spenderin beklagt, dass sie das Diadem der Braut nicht selbst ins Haar stecken konnte. Hymen hat einen schönen Tag beschert, der sich allerdings noch nicht dem Ende zugeneigt hat. Die Solisten, vom Chor der Hochzeitsgäste und der Priester begleitet, tragen ihre Wünsche vor. Hymen soll nicht nur die Wünsche Dircés zur Kenntnis nehmen, sondern auch die Stimme Médées vernehmen, denn sie beklagt das Schicksal welches Jason ihr bereitet hat. Diesem liegt daran, dass die Götter über die Sicherheit seiner Kinder wachen mögen. Der Chor unterstützt seine Bitten und fleht, das ihre Tage vom Glück geformt sein sollen. Die Unbeständige ist von der Schönheit des Chorgesanges angetan und kann nicht anders, als die Götter anzugehen, ihrer Rachegedanken zu lächeln. Der Brautzug mit dem glücklichen Paar kehrt zum Palast zurück.

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Dritter Akt:

 

1-2

Neris ist den Wünschen ihrer Herrin nachgekommen, hat die verhängnisvollen Geschenke abgeliefert und wandelt mit den Kindern am Strand von Korinth, um sie der Mutter zuzuführen. Das Vorspiel zum dritten Akt, von drohenden Naturgewalten unterstützt, künden das kommende Unheil bereits an. Es ist die Tragödie Médées, dass sie sich ständig im Wechselbad der Gefühle befindet, mal ist sie aufbrausend und von Hass erfüllt, dann dreht sich ihre Welt um einhundertachtzig Grad und sie gibt sich ergeben und liebevoll. In schlimmer Vorahnung zu welcher verhängnisvollen Tat das Schicksal ihr die Hand reicht, hat sie sich angemessen gekleidet. Sie trägt eine blutrote Tunika und hat einen herabhängenden schwarzen Schleier, mit Silberpaletten im Haar befestigt, Die Arme nackt, hält sie einen spitzen Dolch in der Hand.

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Der Engel des Todes hat über den Palast Créons seine Flügel ausgebreitet. Kommt, Kinder des Jason, ihr werdet mein schönstes Opfer! Neris will nicht wahrhaben, in welcher Umnachtung sich Médée befindet, schiebt die Kinder der Mutter zu und fordert die Kleinen auf, sie zu umhalsen. Erschrocken weicht die Geforderte zurück und mahnt ihre Kinder, dass sie fliehen sollen. Neris entscheidet, sie sollen auf die Mutter zulaufen und sich an sie schmiegen. Doch die Erzürnte warnt, sie nicht anzurühren mit ihren unschuldigen Händen. Erst jetzt sieht Neris, dass Médée in der erhobenen Hand einen Dolch hält. O Götter, welchen gotteslästerlichen Plan hält die Unglückliche in ihrem Innersten verborgen.

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Abrupt kommt in Médées unberechenbarem Verhalten die Kehrtwende. O Kinder, meine lieben Kinder. Wie sehr die Mutter euch bewundert und mit welcher Inbrunst sie an ihnen hängt. Niemals könnte sie ihre Herzen mit dem Dolch durchbohren. Die heilige Gerechtigkeit hat ihren Arm besänftigt und sie vor einer verabscheuungswürdigen Gotteslästerung bewahrt. Den treulosen Gatten, der ihr Schicksal in die Wildnis lenkt, sollen die Götter verderben. Sein Name erweckt maßlosen Zorn in ihr und sein Blut soll die Beunruhigung, die sich ihrer bemächtigt und zu verschlingen droht, zum Stillstand bringen. Doch wenn sie die Kinder anschaut und den Blick Jasons in ihnen erkennt, putscht der Hass wieder nach oben.

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Neris lenkt die aufkommende Gewaltbereitschaft in andere Bahnen und ruft Médée in Erinnerung, dass doch ihr Hass bereits triumphiert habe. Im Moment tut das furchtbare Gewand an Dircé Wirkung und die Morgenröte des kommenden Tages dürfte die Verhasste nicht überleben. Nun soll die unglückliche Mutter den Groll sterben lassen und ihre Seele der Milde ausliefern. Anschließend wird sie die Kinder ihrem Mann zurückbringen. Médée kocht vor Zorn. Wenn die Kinder der Dienerin lieb sind, möge sie diese sogleich von ihr entfernen. Sie soll sie vor ihr verstecken, bevor ein Unglück passiert. O Götter, an welchen Ort soll sie die Kleinen bringen. Im Palast Créons wird der Tod sich vor ihren Augen zeigen. Neris drängt die Kinder, ihr zu folgen. Dort wo die Götter ihnen nahe sind, werden sie Schutz finden. Die Dienerin entfernt sich mit ihnen und begibt sich zum Tempel der Juno.

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3

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Kaum sind sie fortgegangen, kehrt Milde in ihr Herz zurück. Sie empfindet süßes Beben und lauscht der Stimme natürlichen Empfindens. Ihr Auge sieht sie nicht mehr - im Moment ist das gut so. Nein, sie will den Kleinen nichts zuleide tun. Die Kinder sind in Sicherheit, aber nicht ist es der Vater. Sie wendet sich an die unerbittliche Tisiphone, welche ihr helfen soll, die Feigheit ihres Herzens zu überwinden. Offenbar missversteht Médée den Auftrag der Rachegöttin, die Mordtaten nicht decken, sondern verfolgen soll.

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Furchtbare Schreie ertönen aus dem königlichen Palast. O Verbrechen! O Verrat! Bedauernswerte Prinzessin! Wie süß das Geschrei in Médées Ohren klingt. Gesänge des Frohsinns machen sich in ihrem Herzen breit. Jason ahnt die Zusammenhänge. Welch fürchterlichen Vorteil nahm die Verworfene von seiner Milde. Ach, Jason weint um seine Dircé und seiner Kinder erinnert er sich nicht? Ein langes Stöhnen ist ihnen reserviert. Hat Jason überhaupt eine Ahnung wie weit Médée in ihrem Hass gehen wird? Die Eumeniden sollen ihr vorangehen und ihr die Opfer ausliefern. Sie nimmt den Dolch, der ihr entfallen war, wieder an sich und flüchtet vor der aufgebrachten Menge in den Tempel. Entreißt ihr das Leben, hetzt Jason.

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4

Tumult entsteht. Das Volk bittet die Erinnyen den monströsen Frevel zu bestrafen. Jason bangt um seine Kinder. Er bittet die Götter, ihm seine Söhne zu geben. In ihrer Güte sollen die Olympier die Kinder beschützen. Neris kommt aus dem Tempel mit der größten Niedergeschlagenheit, bewegt sich auf Jason zu und hebt an, ihm das grauenvolle Geschehen im Tempel zu übermitteln. Médée hat das Herz ihrer Kinder mit dem Dolch durchbohrt. O kriminelle Mutter! Vielleicht ist Rettung noch möglich und ihr Zorn lässt sich einhüllen.

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5-6

In diesem Moment öffnet sich das Portal des Tempels und in der erhobenen Hand hält Médée den Dolch mit der blutigen Klinge. Die Mörderin ist nicht allein, umringt ist sie von den Racheengeln, den drei Erinnyen. Jason hält entsetzt an und das Volk weicht zurück. Médée ergreift das Wort: Jason, erkenne deine gewalttätige Frau! Jason fragt entsetzt die Barbarin, wo sie seine Kinder gelassen hat. All ihr Blut habe sie gerächt. Jason stellt ein zweites Mal die gleiche Frage. Nie werden sie zu ihm zurückkehren. Der verzweifelte Vater bricht zusammen. fällt auf die Knie und hebt die Hände zum Himmel. Médée soll ihm seine Kinder geben. Sie sind ihrem kleinen Bruder ins Reich der Schatten gefolgt. Sein Unglück soll er von Küste zu Küste schleppen, an allen Orten wird man ihn  verabscheuen. Er soll bereuen, damit seine Seele nicht für immer verloren geht. Den Weg in den Hades wird sie ihm vorangehen. Ihr ist der Weg bekannt, ihm steht er offen. Nach tausend Torturen wird ihr Schatten ihn an den Ufern des Styx erwarten.

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Die Erde bebt, der Boden öffnet sich und Médée schreitet mit den Racheengeln hinab. Die herausschlagenden Flammen verschlingen den Tempel und den schönen Palast. Der Chor rät, den grauenvollen Ort fluchtartig zu verlassen.

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Anmerkung:

Durch die gesprochenen Dialoge unterscheidet sich die französische Urfassung wesentlich von der nachfolgenden deutschen Version. Georg Friedrich Treitschke übertrug die Rezitative in Verse, die von Franz Lachner fünfzig Jahre später ‚nachkomponiert’ wurden. Den deutschen Text übertrug Carlo Zangarini ins Italienische und diese Version erlebte ihre Uraufführung erst am 30. Dezember 1909 an der Mailänder Skala. Die Medea ist eine der wichtigsten Opern des 18. Jahrhunderts, orientiert sich an den Reformopern Glucks und weist den Weg zur Romantik. Vorübergehend in Vergessenheit geraten, brachte Maria Callas mit der Ausdrucksfähigkeit und der dramatischen Wucht ihrer Stimme die Oper in den fünfziger Jahren wieder in Erinnerung. Gwyneth Jones und Leonie Rysanek verweigerten den Leckerbissen nicht und boten ebenfalls eine überragende Gestaltung der Titelpartie. Die italienische Version der Oper wirkt opulenter, obwohl sie stilistisch zu Cherubini eher befremdet. Die französische Urfassung ist reizvoll und wurde der Weltöffentlichkeit im Jahre 1995 anlässlich des XX Festival della Valle d’Itria in Martina Franca vorgestellt. Die Tochter des Créon nennt sich nicht Glauce, nicht Kreusa, sondern Dircé. Abweichend ist auch das Finale der Oper. Auf den feurigen Zauberwagen, mit dem Medea entschwindet, wird aus Kostengründen und fehlender Fahrpraxis allgemein verzichtet.

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Der Medea-Stoff hat auch in heutiger Zeit von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Wie oft geschieht es, dass der Ehemann sich einer Jüngeren Partnerin zuwendet und der Ehestreit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. Ihr seelisches Leid wird nicht beachtet, wenn es der Rachsucht der Verlassenen dient, den ehemaligen Partner zu treffen.

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Musirony August 2007 – Engelbert Hellen

 


 


 
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