musirony - Lo Spazzacamino
 

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Marcos António Portugal [1762-1830]

Lo Spazzacamino

Der Schornsteinfeger - The chimney-sweeper



Komödie mit Musik in einem Akt

Libretto von Giuseppe Foppa

italienisch gesungen

Uraufführung 1794 am Treatro San Moisè, Venedig

Charaktere:
Pierotto, Schornsteinfeger (Bass)
Il Marchese di Monte Albore (Tenor)
Donna Flora, zum Marchese in Liebe entbrannt (Sopran)
Rosina, ihre Kammerzofe, Pierrottos Leckerbissen (Sopran)
Don Fabio, Sekretär des Marchese, Intrigant (Bass)
Giannino, Kämmerer des Marchese (Bass)
Balsamino, ein Zahnarzt (Bass)
Fabricio, der ehemalige Hauslehrer, abwesend







INHALTSANGABE


SINFONIA

Erste Szene:

Wahrlich, die Liebe ist ein Teufel, der es sich vorgenommen hat, die Menschen verrückt zu machen. Donna Flora wird von dem kleinen Unhold ganz besonders geplagt. Sie hat sich nämlich vorgenommen, ganz allein das Herz des Marchese zu regieren und das schafft  Probleme. Schon früh am Morgen hüpft sie aus dem Bett, denn die Liebe mahnt sie, ihrem Opfer einen Besuch abzustatten. Viel zu früh ist sie in die weißen Seidenstrümpfe geschlüpft, denn der Marchese schläft noch und sein Kammerdiener sieht es als seine Aufgabe an, Störenfriede fern zu halten. Donna Flora hat ein robustes Organ und Don Giannino gibt sich alle Mühe, sie zu veranlassen, die Lautstärke herabzumindern. „Sprich leise! Noch leiser!“ Donna Flora macht viel zu viel Getöse. Sie soll in Ruhe erklären, was sie am frühen morgen schon auf den Plan gerufen hat. Wenn der Marchese durch ihren Lärm wach wird, kann er sehr ungehalten werden und für ihn gibt es dann Ärger. Sie soll ihm jetzt zuflüstern, welches ihre Wünsche sind. Nun, sie möchte lediglich, seinen Sekretär sprechen. Wenn es weiter nichts ist, er kann ihn herbei holen. Aber sie möge bitte ihr Temperament zügeln, der frühe Morgen ist nicht die Zeit, es loszulassen.

Die Schönste der Schönen ist gekommen, in größter Ehrerbietung verbeugt sich Don Fabio vor ihr. Ohne Umschweife steuert die Besucherin auf ihr Ziel zu. Sie weiß, dass er Einiges für sie tun kann und nun hat sie eine Aufgabe für ihn. Don Giannino muss nicht unbedingt zuhören, er soll verschwinden! Selbstverständlich steht Don Fabio der vornehmen Dame zu Diensten. Die Sache ist ebenso delikat wie ernst und fordert große Entschlossenheit, aber sie weiß, dass er sie zufrieden stellen wird. Sie soll doch an seiner Fähigkeit nicht zweifeln, Don Giannino hält Wache und niemand wird sie stören. Donna Flora wird in ihm einen dankbaren Mann finden.

Doch der Störenfried ist schon unterwegs. Im Nebenzimmer hört man ein furchterregendes Gepolter, als ob ein Schießerei im Gange wäre, doch dann wird es wieder still. Don Giannino steckt seinen Kopf zur Tür herein und mahnt die beiden, doch etwas leiser miteinander umzugehen. Doch der Kammerdiener taxiert falsch, denn Donna Flora will vom Sekretär nicht Liebe, sondern Geld. Wenn der Marchese sie liebt, wie dieser behauptet, möge er ihr doch bitte 100 Dublonen leihen. Selbst will sie ihn nicht fragen, weil es eine kleine Unstimmigkeit gegeben hat. Der Marchese habe sich frech an ihre Kammerzofe herangemacht. Das ist zu viel, Don Fabio versteht. Es wird ihm eine Ehre sein, ihr zu dienen. Wenn Donna Flora erst die Frau des Marchese ist, soll es sein Schade nicht sein. Im Moment habe sie genug gesagt und es war ihr eine Genugtuung, ihr Herz erleichtert zu haben. Er soll sie in allem, was im Hause geschieht, auf dem laufenden halten. Don Fabio verspricht es.

Zweite Szene

Don Fabio ist ein Spitzbube und macht sich Gedanken, wie er aus der Situation für sich Vorteil ziehen kann. Wenn er die hundert Dublonen erst einmal in Händen hält, findet sich dafür eine bessere Verwertung, als sie Donna Flora zu geben. Die Idee, die eitlen Wünsche der Dame zu unterstützen, dünkt ihm dagegen nicht schlecht. Zeit ist nicht zu vergeuden. Einen feinen Trick wird er spielen. Ausführlich diskutiert er seine Idee mit Giannino, mahnt diesen aber ausdrücklich, nichts zu verraten und auch Donna Floras Erscheinen zu verheimlichen, denn sonst gehe es ihm schlecht. “Einen schlauen Fuchs haben wir da“, kommentiert, unbeeindruckt von der Drohung Giannino Don Fabios Pläne. Der Kammerdiener ist nun damit beschäftigt, die Kleidungsstücke auszulegen, welche der Marchese heute tragen wird.

Dritte Szene

Zwanzig Jahre bevor Giacomo Rossinis Barbier die Welt eroberte, hat Marc' Antonio Portogallo seinen Spazzacamino auf die Menschheit losgelassen. Der Schornsteinfeger ist ein kleiner Unglücksrabe und nicht besonders geschickt im Klettern. Wenn er im Kamin fegt, stürzt er häufig ab und wie das Unglück es will, schlägt er mit dem Kopf zuerst auf. Der Radau im Nebenzimmer war die Ursache dieser kleinen Ungeschicklichkeit. Immerzu stellt das Schicksal ihn vor Situationen, denen seine Intelligenz nicht gewachsen ist. Doch er ist eine grundehrliche Haut und sein Frohsinn ist umwerfend und hilft ihm über alle Fährnisse hinweg. Oh spazzacamin! Oh spazzacamino! Donette son qua. Son bravo, son lesto. Tan tantan rá – meine Damen hier bin ich, ich bin gut, ich bin schnell.“

In welch feinem Raum ist er gelandet. Er hatte gedacht, er würde in der Küche herunterkommen. Sieh an, welche schönen Kleider hier achtlos herumliegen. Maestro Pierotto würden sie gut sitzen, exakt seine Größe. Der Mantel aus Brokat mit den goldenen Litzen gefällt ihm am besten – ein großartiges Stück. Wie weich der Stoff sich anfühlt – wie entzückend. Dazu weiße Strümpfe und schöne Schlappen. Die Perücke auf dem Ständer duftet wie frisch gepudert. Wehe, man würde ihn in diesen Kleidern finden! Alle schlafen noch, man hört keine Geräusche. Die Welt ist überall schlecht.

Was sieht er im Spiegel? Er ist doch nicht hässlich! Keine Macht der Welt kann ihm verbieten, sein Gesicht zu waschen. In diesen Kleidern würde seine Figur vorteilhaft zur Geltung kommen. Courage Don Pierotto! Das Schlimmste was ihm passieren kann: man wird ihn fürchterlich verhauen, wenn er sich erwischen lässt. Vielleicht wird man ihn sogar töten! Doch sobald Gefahr droht, wird er schnell den Kamin hochsteigen. Pierotto kann der Versuchung nicht widerstehen. „Evviva, Evviva ... Wie nett ist es ein Marchese zu sein!“ Pierotto weiß sich vor Vergnügen nicht zu lassen. Jetzt Muss er noch in der Waschschüssel das Antlitz vom Russ befreien. Die Perücke über die schwarzen Zotteln gestülpt, schaut er aus wie edel geboren. Ein Unterschied zu Leuten niedrigen Standes ist nicht auszumachen. Sieht er nicht fast aus wie der Marchese selbst? Welche Grazie, welcher Schneid? Ist er nicht ein wirklicher Prachtkerl? Noch sauberer und schöner als er, ist keiner! Ein wirklich entzückender Amor! „Tan tan tan tan. Beeilt euch Mädchen!“ Kommt und bewundert all diese Schönheit. Zum Teufel, wer könnte jetzt noch sagen, dass er nicht von edlem Blut sei. Die offene Tür veranlasst ihn, einen Raum weiterzugehen. Allzu gern möchte er nun wissen, welchen Eindruck er auf andere macht.

Vierte Szene

Der Marchese tritt auf. „Veninzette donne belle, fide ancelle dell’amore - Charmante junge Schönheiten! Ergebene Mädchen der Liebe!“ Er kränkte das edle Herz von Donna Flora und findet daran  noch  Gefallen. Der Schatz soll ihm vergeben, wenn er ihn zeitweilig schmäht. Die Signale der Liebe soll man fürchten. Ach, was ist das nur für ein Leben. Sein Herz ist schon immer ein Zappelphilipp gewesen. Eine andere Zofe wird sich heute vorstellen. Das alte Dienstmädchen hat er entlassen müssen und das neue muss erst noch trainiert werden. Es ist das Mädchen von Donna Flora. Noch heute wird er mit ihr sprechen. Verwicklungen wird es geben. Er hofft, dass sie ihm nicht über den Kopf wachsen werden.

Fünfte Szene

Welche Furcht hatte Pierotto und welches Glück, sich rechtzeitig verstecken zu können. Nun hat er Gelegenheit, den Selbstgesprächen des Marchese zu lauschen und nur für das Publikum hörbar, Kommentare zu geben. Der Adelige verspürt den dringenden Wunsch, den Grandeur einmal weglegen zu können und würde sogar bereit sein, Lumpen anzuziehen, um seine Person zu verwandeln. Welche unerhörte Chance bietet sich ihm? Er entdeckt die schwarze Kluft Spazzacaminos und verspürt die gleichen Gelüste wie er, die Tracht einmal anzuprobieren. Oh weh! Pierotto registriert, dass seine textile Ausrüstung gefunden wurde. Nun will er aber sehen, was er damit macht. Der Marchese beeilt sich, die Sachen anzulegen, bevor der Besitzer sie ihm streitig machen kann. Der Marchese soll aufpassen, dass er die wertvolle Berufskleidung nicht ramponiert! Der Tausch ist schnell vollzogen und der neue Schornsteinfeger betrachtet sich kritisch im Spiegel. In dieser Verkleidung wir ihn niemand identifizieren. Doch, zumindest Pierotto traut sich zu, ihn wiederzuerkennen.

Wie ein Blitz kommt dem Marchese eine Idee. Er wird in diesen Klamotten zum Haus von Donna Flora eilen und ein bisschen spionieren, was die Dame treibt. Pierotto wäre es recht, wenn der Marchese die Klamotten für immer tauschen möchte. Durch den geheimen Treppengang wird er das Haus verlassen. Wie seine Beine zittern. Hoffentlich merkt es keiner. Der Marchese fasst sich ein Herz. Soll er die übrige Ausrüstung auch mitnehmen?

Sechste Szene

Unbemerkt kommt der Schlossherr in seiner Verkleidung nicht weit. Giannino läuft ihm in die Quere und schimpft ihn übel aus. Was er hier zu suchen habe? Wer gab ihm die Erlaubnis, das Haus zu betreten? Er soll sich beieilen, schleunigst zu verschwinden. An Dieben bestehe kein Bedarf. Davon gäbe es im Haus schon genug. Recht hat er, kommentiert Pierotto aus seinem Versteck. Der Marchese möchte entgegnen, dass sein Verhalten nicht zu tolerieren sei. Doch er bekommt das Wort abgeschnitten. Er wagt es, den Mund aufzumachen?  Wie ist er überhaupt ins Haus gekommen? Den Stock wird er gebrauchen, wenn er nicht sogleich verschwindet. Er solle nur nicht denken, dass er dazu nicht imstande sei. „Warte, Bürschchen!“

Nun hält es Pierotto doch für angemessen, dem Marchese in seiner Verkleidung zur Hilfe zur eilen. Während der Mann mit dem Stock einen Disput mit ihm beginnt, nimmt der Schlossherr die Gelegenheit wahr, den Ort der Gefahr schleunigst zu verlassen. Zufrieden stellt Pierotto fest, dass der Diener irritiert ist. Er weiß nicht, wen er vor sich hat und tut so, als ob er ihn für seinen Herrn halte. Ah, der Marchese möchte heute seine Zweitperücke tragen, völlig in Ordnung! Er wird sich jetzt beeilen, den Stock wegzulegen und ihm eine Tasse Schokolade holen. Man muss nur korrekt gekleidet sein und schon wird man hofiert, hat Pierotto herausgefunden. Bald ist Giannino zurück: „La Cioccolata per vostr’eccellenza!”

Siebte Szene:

Pierotto trinkt die Schokolade viel zu hastig und hat nicht bedacht, dass sie zu heiß sein könnte. Um weiteren Schaden für seine Zunge zu vermeiden, taucht er Brot in die süße Suppe, anstatt einen Schluck Wasser zu nehmen. Er findet es unverschämt, dass man einem Mann gleich ihm, gewöhnliches Wasser anbietet. Die Audienz beginnt - die Besucher kommen. Don Fabio kündigt sich als erster an. Was kann er wollen? Sein Rang befindet sich unter seinem Status, Pierotto atmet daher auf. Wie befohlen hat Don Fabio der Geldkiste hundert Dublonen entnommen, damit Donna Flora ihr Geschenk bekommen kann. Wie kann das angehen? Hundert Dublonen für eine Frau und nur ein mageres Trinkgeld für einen Kaminfeger. Pierotto steckt das Geld zunächst erst einmal ein, vermeidet einen Disput, so dass Don Fabio denkt, der Marchese habe Zahnschmerzen. Er bedauert zutiefst, aber noch mehr, dass von den  hundert Dublonen für ihn nichts abfällt.

Achte Szene

Als nächstes hat Don Fabrizio, der alte Hauslehrer, seinen Besuch angekündigt. Hoffentlich kommt nicht die ganze Stadt und will ihn heute sehen. Der Lehrer lebt in bitterer Armut und will den Marchese wahrscheinlich anbetteln. Armut muss man lindern. Was es bedeutet, arm zu sein, davon weiß Pierotto ein Lied zu singen. Werden hundert Dublonen für den armen Mann ausreichen? Oh, Don Fabrizio soll ein anderes Mal wiederkommen. Don Fabio wird ihm sagen lassen, dass Durchlaucht furchtbare Zahnschmerzen plagen.

Neunte Szene

Donna Floras Mädchen ist die nächste Besucherin und bittet empfangen zu werden. Wird der Marchese trotz seiner „furchtbaren Schmerzen“ in der Lage sein, sich dem Besuch zu widmen? Pierotto hat jetzt genug gehört von seinen angeblichen Zahnschmerzen. Rosina soll hereinkommen und ihren Respekt erweisen. Mi einem Knicks und einem wahren Herzen verbeugt sie sich vor dem Signore. Sie schätzt sich glücklich, dass der Marchese ihr seine Gunst zuwendet. Dem Publikum verrät Rosina jedoch ihre wahren Gedanken. Der kleine Fuchs schaut zu ihr herüber. Sie könnte einen Versuch machen, ihn für sich einzunehmen. Hoffnung erfüllt ihr Herz.           

Welch hübscher kleiner Leckerbissen. Da muss man nicht erst lange werben, als Feudalherr steht es ihm zu, einfach zuzugreifen. Rosina behauptet, dass sie sich sehr geehrt fühle. Pierotto weiß nicht, wie man die Phrasen in solchen Situationen drechselt und sagt einfach „Heh! Heh!“ Immerhin etwas! Die Besucherin erzählt nun, dass sie Dinge gesehen habe, die andere nicht wahrnehmen wollen. Sie habe aber zuvor eine Frage: Hat der Marchese etwa eine Erkältung? „Ja, ja!“ Die Wissbegier der Zofe ist gestillt und nun möchte Rosina loswerden, was sie zu erzählen hat. Der Marchese muss wissen, dass Donna Flora versuche, ihn auszutricksen und Don Fabio bestehle ihn mit ihrer Billigung nach allen Regeln der Kunst. Weiß Donna Flora nicht, dass er von Adel ist und man sich gegenüber Menschen von hoher Geburt redlich zu verhalten hat? Sie weiß es, aber die beiden halten sich nicht daran.

Der Dialog ist nun in der Sackgasse gelandet, aber der Funken der Liebe ist schon übergesprungen. Rosina übermittelt dem Publikum, dass der Vogel bereits in ihrem Netz zappelt, er aber die Courage nicht findet, offen zu reden. Also muss die Gangart geändert werden. Der Husten ist schlimm und wegen der Ansteckungsgefahr soll er nicht allzu nahe an sie herankommen. Der Kater will jetzt die Sahne schlecken. Pierotto ist der Ansicht, dass er an seinem gesellschaftlichen Status gemessen viel zu hoch über ihr stehe, als dass ein kleiner Husten sich als Störfaktor erweisen könnte. Noch ein bisschen “Hi! Hi!“ und ein bisschen „Ha! Ha!“ und der Spatz ist gepackt. Der Eheschließung mit einem Ring als Zugabe steht im Prinzip nichts mehr im Wege. Pierotto hat feste Zusage gegeben. Er sieht in ihr eine süße Verlockung – Liebe schimmert in ihrem Blick - und sie vermutet in ihm ein Unterpfand an Treue. Das sind zwei Voraussetzungen, die ein dauerhaftes Glück zweifellos gewährleisten könnten.

Zehnte und elfte Szene

Rosina soll jetzt den Raum verlassen, denn Donna Flora hat Ihren Besuch angekündigt. Nur ungern gehorcht sie und argwöhnisch mahnt sie: „Was getan ist, kann nicht mehr ungetan gemacht werden.“

Donna Flora betritt den Raum, doch Pierotto tut so, als ob er sie nicht sähe, denn er hat Angst, dass er ihrem Dialog nicht gewachsen sein wird. Giannino schaltet sich tröstend ein und erwähnt die furchtbaren Zahnschmerzen des Marchese. Nun ergreift Donna Flora die Initiative. „Soll sie so unglücklich gemacht werden, dass der Marchese ihr keinen Blick gönnt?“ Sie mutmaßt, dass sie verleumdet wurde, aber sie sei eine loyale Frau. Pierotto wird der Boden unter den Füßen zu heiß. „Heh! Heh!“ Er zieht den Ring von seinem Finger, der allerdings dem Marchese gehört und überreicht ihn ihr, um sie los zu werden. „Einen Ring für Donna Flora? Welche Freude! Ist es möglich? Sie wagte nicht zu hoffen? Ist das gar ein Hochzeitspfand?“ Pierotto reagiert mit „Ha ha!“ Noch einen Blick möchte sie erhaschen. Donna Flora wird dann aber ernst und erwähnt, dass sie eine ungeduldige Frau sei. Sie hoffe, dass er verstanden habe und nicht zögert, die Wünsche ihres Herzens zu erfüllen. „Hi hi!“

Zwölfte und dreizehnte Szene:

Ab durch den Schornstein! Nichts wie weg! Pierotto hat zwei Eheversprechen abgegeben, zwei kostbare Ringe verschenkt und hundert Dublonen veruntreut. Der Marchese ist von seinem Ausflug zurückgekehrt, hat Donna Flora nicht angetroffen, aber erkunden können, dass sie untreu ist und mit seinem Sekretär gemeinsame Sache macht. Traurig ist die Wahrheit! Auf ein maßloses Durcheinander ist er gestoßen. Letzteres sieht Pierotto in seinem Versteck genau so. Auch Giannino gerät nun in Bedrängnis. Der Marchese hat die Spazzacamino-Bekleidung von sich geworfen und fragt nun nach seinem Mantel und seiner Perücke. Der Kammerdiener hat die Dinge nicht zur Hand und der Marchese verliert langsam die Geduld. Wer von beiden hat nun den Verstand verloren? Der Marchese möchte sich ankleiden! Versteht der Diener das nicht? Wenn er die zuletzt getragenen Sachen nicht finden kann, soll er andere herbeiholen.

Don Fabio und Giannino müssen nun Rede und Antwort stehen. Wo sind Perücke und Mantel geblieben? Wo ist der Ring? „O erzähle mir, Meister Fabio: Was hast du mit den 100 Dublonen gemacht? Ich warte auf deine Antwort.“ Die beiden versuchen, sich herauszureden, begreifen die Zusammenhänge aber selbst nicht und stiften noch mehr Verwirrung als schon vorhanden ist. Zumindest tun sie so und sehen ihre Rettung darin, den Marchese als verrückt hinzustellen, eine versteckte Unterstellung, die dieser zurückweist. Das Durcheinander ist perfekt.

Vierzehnte und fünfzehnte Szene

Rosina wird von Giannino verdächtigt, den Ring des Marchese gestohlen zu haben, weil sie ihn am Finger trägt. Rosina beschuldigt im Gegenzug den Marchese, ihr Herz geraubt zu haben und der Ring sei sein Geschenk. Hier saß sie an seiner Seite und er nannte sie seine Braut. Er schenkte ihr den Ring und mit einem Tanz war die Sache beschlossen. “L’anello mi donaste e poi con un balletto la cosa terminó.”

Donna Flora kann auch einen Ring vorweisen und besteht darauf, geheiratet zu werden. Sie berichtet von den Einzelheiten der Übergabe. Wenn er seine Liebe nun leugnet, bedeutet das eine schroffe Härte. Ohne ihn kann sie nicht leben. Sie behauptet, dass er sich ihr zudrehte, ihre Hand hielt und mit sanften Worten sie mit dem Titel „Braut“ beehrte:

 „La mano mi stringeste
A poi con quest’anello
Di sposa il dolce nome
Da voi si pronunziò.”

Seinen Kammerdiener will er vom Balkon werfen, wenn er weiterhin behauptet, der Marchese selbst habe den beiden Frauen die Ehe versprochen. Hinter allem muss ein großes Geheimnis liegen. Pierotto würde gern Klärung schaffen, weiß aber nicht, wie er die Dinge richtig setzen soll. Im Geiste sieht er einen großen Stock auf sich niedersausen.

Sechzehnte Szene

Der Marchese sieht ein, dass er nur noch mit Humor weiterkommt. Den braucht er auch, denn nun wird ihm der Zahnarzt Doktor Balsamino gemeldet. Dieser ist natürlich informiert, dass der Patient sich widerspenstig erweisen könnte und aus Angst vor Schmerzen behaupten wird, keine Zahnschmerzen zu haben. „Wer zum Teufel ist das,“ will der Marchese wissen. Balsamino gibt seiner Freude Ausdruck „sua eccellenza“ behandeln zu dürfen, um ihn von seiner großen Pein zu befreien. Er soll seiner nicht spotten und ihm sagen, ob es der obere oder der untere Zahn ist, der er behandeln soll. „Andate dico!“ Er soll abhauen, hat er gesagt. Alles sei nur ein Missverständnis. Balsamino lässt nicht locker. Der Marchese möge ihn doch bitte in den Mund schauen lassen, ob eine Füllung vonnöten ist oder ob der Zahn gezogen werden muss. Der Marchese wird staunen, wie schnell er es herausfinden wird. Der Marchese schwört, keine Zahnschmerzen zu haben und versucht, den auf ihn eindringenden Dottore mit den Händen abzuwehren.

Pierott fühlt sich ungemütlich in seiner Haut. Im tiefsten Innern grundehrlich, kann er es nicht zulassen, dass dem Marchese aus Jux ein gesunder Zahn gezogen wird. Er gibt sein Versteck preis und opfert sich der Wahrheit zuliebe, ohne auf seine Sicherheit acht zu haben. „Hey, wen haben wir da? Wer bist du und wo kommst du her?“ wird Pierotto sogleich mit Fragen überschüttet.

Pierotto wehklagt, dass er ein armer Teufel sei. In diese Welt kam er als Waisenknabe und als solcher wird er sie wieder verlassen. Heute kam er durch den Kamin, habe die schönen Kleider liegen gesehen und nicht widerstehen können, sie einmal anzuprobieren. Die Möglichkeit, sich in den Spazzacamino zurück zu verwandeln, sei ihm verwehrt gewesen, weil der Marchese seine Berufsklamotten an sich genommen habe. Diese Tat sei genau so zu tadeln wie seine Anmaßung. Der Marchese möge ihm vergeben, aber auch verstehen. Immer war er eingeschlossen in sein dummes Gesicht und nun bot sich endlich die Gelegenheit, einmal ein feiner Herr zu sein. Die Schokolade habe vorzüglich geschmeckt und er möchte von hier nicht weggehen. Der Marchese gibt sich keine Mühe, sein Lachen zu verbergen. „Was ist mit den Frauen?“ Nun, er habe sich nicht entschließen können und beiden die Ehe versprochen. Die Ringe habe er den Damen nur geliehen und die Dublonen seien an Don Fabrizio weiter gereicht worden. Der Signore möge ihm bitte vergeben. Aber wie eine Ratte weggeschoben werden, möchte er nicht. Zu viele bösartige Katzen lauern in der Welt. Gewiss hat der Marchese in Form einer Anstellung Verwertung für ihn. Alle vorgekommenen Ungereimtheiten wird er aufklären. Das Publikum ist erstaunt, welche rhetorische Geschicklichkeit der Spazzacamino an den Tag legt. Den schmalen Pfad zwischen Schmeicheln, Bitten und Argumentieren legt er zurück wie ein Seiltänzer.

Finale

Was ist nun mit den beiden Frauen? Eine Dame beansprucht Pierotto für sich und keine Dame möchte leer ausgehen. Noch einmal legt Pierotto sich mit dem Grafen an und macht ihm seinen Rang als Marchese di Monte Albore streitig, weil er diesen Titel für sich beansprucht. Pierotto, das ist zu kess. Überziehe den Bogen nicht, sonst reißt die Sehne!

Das Finale des Dramma giocoso beansprucht eine Viertelstunde bis alle emotionalen und wirtschaftlichen Aspekte zur Zufriedenheit der Akteure und des Publikums geregelt sind. Doch Rosinas Herz hat der Spazzacamino erobert, sie wird ihn auch ohne Titel beherrschen. Donna Flora verbindet sich mit dem Marchese und darf – wie es sich immer gewünscht hat - sein Herz allein regieren. Das gräfliche Paar finanziert den beiden Bürgerlichen eine prachtvolle Aussteuer und beide finden eine feste Anstellung im Schloss. Was will das Publikum mehr?

Anmerkungen:

Bemerkenswerter als die Uraufführung in Venedig ist die Inszenierung am Königlich-Herzoglichen Hoftheater in Parma zum Karneval des Jahres 1800 mit bedeutenden Sängern unter dem Schutz der Königlichen Hoheiten. Die Sinfonia, die der Buffo-Oper vorangestellt wird, lässt aufhorchen und bietet höchstes Niveau. Seine kompositorisch fruchtbarste Zeit erlebte Marc’Antonio Portogallo in Neapel, der Stadt, in der Domenico Cimarosa den Ton angab.

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen

 

 

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