musirony - Die Schöpfung
 

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ERDGESCHICHTE - MYTHOLOGISCH BETRACHTET 


Joseph Haydn [1732-1809]

Die Schöpfung

Oratorium in drei Teilen

Libretto von Gottfried van Swieten in deutscher Sprache * Entstanden 1796

Offizielle Uraufführung am 19. März 1799 in Wien, 
Erste Aufführung in London am 28.03.1800


 

 ein Bild

ERSTER TEIL 
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1
EIN ORCHESTERVORSPIEL STELLT DAS CHAOS VOR.
  
2
Der Erzengel Raphael wiederholt die Worte, mit der die Schöpfungsgeschichte das ALTE TESTAMENT einleitet.: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.... Viel war nicht zu erkennen, deshalb musste erst einmal eine vernünftige Beleuchtung installiert werden.
 
3
Es gab kein trockenes Plätzchen und deshalb schwebte der Geist Gottes über den Wassern, um sich zunächst erst einmal einen Überblick über den aktuellen Zustand zu verschaffen - so schlussfolgert der Madrigalchor. Ein zweiter Engel, der sich Uriel nennt - vielen Konzertbesuchern kaum bekannt - erklärt, dass er die Idee mit dem Licht gut findet, denn es hat die störende Finsternis vertrieben. Im Grunde meint er nichts anderes als die Drehung der Erdkugel, lässt sich aber auf eine naturwissenschaftliche Debatte nicht ein.
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Verwirrung weicht und Ordnung keimt empor. Lichtscheues Gesindel - gemeint sind die Höllengeister - fliehen in des Abgrunds Tiefe, wo sie gut aufgehoben sind. Verzweiflung, Wut und Schrecken begleitet ihren Sturz.
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ENDE DES ERSTEN TAGES
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4.
Das Firmament wird geschaffen. Gemäß Raphael kam aber vorher die Erde an die Reihe und danach alles übrige wie Mond, Sterne, Andromedanebel und sonstiger Klimbim.
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Jetzt ist die Rede vom Wetter. Was wäre eine Erde ohne Bewegung. Brausende Stürme toben und feurige Blitze zucken. Schrecklich rollt der Donner und allesverheerende Schauer stürzen hernieder. Aber nicht alles ist schaurig. Allerquickender Regen und leichter flockiger Schnee sollen künpftiges Leben angenehm gestalten. Den Kreislauf des Wassers kann Raphael nur mühsam erklären. Von der Naturwissenschaft hat er offenbar so wenig Ahnung wie Uriel. Vulkanismus scheint ihm völlig unwichtig zu sein. Er erwähnt ihn nicht einmal. 
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5.
Gabriel kommt mit der Himmelsbürger froher Schar hinzu, um das bisher Geschaffene mit Staunen zu betrachten. Viel gibt es allerdings noch nicht zu sehen. Trotzdem ertönt des Werkmeisters Lob aus ihren Kehlen - wahrscheinlich Vorschusslorbeeren zur Aufmunterung.
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ENDE DES ZWETEN TAGES
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6.
Nun wird sortiert. Die Landmasse bekommt ihren eigenen Platz, indem das Wasser angewiesen wird, sich zurückzuziehen. Die Urkontinente sind nun eingeteilt. Benannt wird auch! Das Wasser wird als Meer bezeichnet und das Land erhält den Namen Erde. 'Und Gott sah, dass es gut war'lauten die Worte der Bibel.
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7
Begonnene Arbeiten werden zu Ende geführt. Rollend schäumende Wellen bewegen ungestüm das Meer. Hügel und Felsen erscheinen, der Berge Gipfel steigt empor. Seine Fläche weit gedehnt, durchläuft der breite Strom die Ebene. Leise rauschend gleitet hell der Bach ins stille Tal.
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8
Neue Einfälle machen den Arbeitsprozess zum wahren Vergnügen. Die Erde hat Gras hervorgebracht und die Kräuter sollen Samen geben. Früchte werden die Obstbäume tragen, aber bitte nicht alles durcheinander auf einem Baum, sondern jeder Stamm soll sich an seinen Samen halten. So lief es bis heute, bis der Mensch begann zu klonen.
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9
Dem Erzengel Gabriel gefällt das frische Grün, welches sich dem Auge zur Ergötzung darbietet. Auch lässt er seinen anmutsvollen Blick über die vielen bunten Blumen schweifen. Heilpflanzen hat er ebenfalls bemerkt und sein schlanker Mezzosopran singt von der Früchte goldener Last unter denen sich die Zweige krümmen. Die Berge sind mit dichtem Wald bekrönt und der Hain bietet angenehmen kühlen Schatten.
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10
Uriel erklärt, dass vorerst genug geschaffen wurde und verkündet das
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ENDE DES DRITTEN TAGES.
 
Nun darf gelobt und gepriesen werden. Der Herr hört es gern und die himmlischen Heerscharen erfüllen diese Aufgabe mit Wonne, lassen sich aber vokal durch den Madrigalchor vertreten.
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11
Es ergeht die Aufforderung, die Leier zur Hand zu nehmen und in die Saiten zu greifen, damit erneut Lobgesang erschalle. Der Herr hat Himmel und Erde in herrliche Pracht gekleidet, ist aber damit noch längst nicht fertig. denn die Woche ist noch nicht zu Ende.
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12
Am zweiten Schöpfungstag wurde das Firmament nicht endgültig fertiggestellt. Es muss nachdekoriert werden. Weitere Sterne werden hinzugefügt, den Planeten ihre Umlaufbahn zugewiesen und die Tierkreiszeichen wie Widder, Stier, Löwe und Skorpion finden im Universum ein geruhsames Plätzchen mit Auslauf.
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13 - 14
Im vollen Glanz steigt jetzt die Sonne strahlend auf. Ein wonnevoller Bräutigam, ein Riese stolz und froh, zu rennen seine Bahn. Mit leisem Gang und sanftem Schimmer schleicht der Mond durch die stille Nacht - mal nimmt er ab, mal nimmt er zu oder er versteckt sich irgendwo. Den ausgedehnten Himmelsraum ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold. Die Engel und der Chor wechseln sich ab, Lob und Kunstverstand des Schöpfers in die vier Himmelsrichtungen zu tragen. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und seiner Hände Werk.
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ENDE DES VIERTEN TAGES
 

 
ZWEITER TEIL
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15-16
Es wird langsam Zeit an die Schaffung von Lebewesen zu denken. Die Vögel des Himmels kommen zuerst an die Reihe. Mit starkem Fittich schwingt der Adler sich der Sonne entgegen. Er teilt den Luftraum mit der Lerche, die den Morgen begrüsst. Vor Liebe girrt das zarte Taubenpaar. Aus Busch und Hain erschallt die süße Kehle der Nachtigall. Noch ist ihre Brust nicht auf Klage eingestimmt
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17-18
Der Schaffensprozess geht weiter. Es geht von Hölzchen auf Stöckchen. Von den Vögeln kommen wir nun zu den Walfischen. Jedes lebende Geschöpf wird gesegnet, damit es sich mehre. Die Vögel der Luft sollen auf jedem Ast singen und die Flutenbeweger sollen fruchtbar sein, wachsen und in Schwärmen den Ozean durchfurchen, um auf diese Weise ihren Gott zu erfreuen. Während die Engel ihre Harfen zupfen, nähern wir uns dem
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ENDE DES FÜNFTEN TAGES
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19
Es wird eine kleine schöpferische Pause eingelegt und Rückschau gehalten. Die Engel und der Chor rühmen nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Quantität der geschaffenen Lebewesen. Wer fasst ihre Zahl? Der Herr ist groß in seiner Macht und ewig bleibt sein Ruhm.
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20-21
Vieh und kriechendes Gewürm fehlen noch in der Kollektion. Sogleich öffnet sich der Erde Schoss und Geschöpfe jeder Art in vollem Wuchs nehmen den neuen Lebensraum in Anspruch. Vor Freude brüllend steht der Löwe da. Der gelenkige Tiger schießt empor und das zackige Haupt erhebt der schnelle Hirsch. Mit fliegender Mähne wiehert voller Mut und Kraft das edle Ross. Auf der grünen Matte weidet schon das Rind und das wollereiche sanfte Schaf blökt unentwegt.
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Und nun die unappetitliche Überraschung. Wie Staub verbreitet sich in Schwarm und Wirbel das Heer der Insekten und in langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm.
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22
Raphael findet alles gut, egal was kommt. Opposition kann er sich auch garnicht erlauben, sonst ergeht es ihm wie Luzifer. Der Erzengel meint: Nun scheint im vollen Glanz der Himmel und die Erde prangt in ihrem Schmuck. Die Luft füllt das leichte Gefieder und das Wasser schwellt durch der Fische Gewimmel. Den Boden drückt der Tiere Last. Trotz allem, etwas fehlt noch. Es müsste jemand sein, der in der Lage ist, den Wert des ganzen Zaubers zu erkennen, um sich positiv darüber auszulassen und sich der frohlockenden Engelschar anzuschließen.
 
23
Uriel weiß bereits, was die Schöpferkraft in die Wege leiten will:
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DIE ERSCHAFFUNG DES MENSCHEN
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Hören wir seinen Report: Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Als Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des Lebens haucht er ihnen ein und sie wurden zur lebendigen Seele.
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24-25
Mit Würde und Hoheit angetan, mit Schönheit, Stärke und Mut begabt, gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch - ein Mann und König der Natur. Die breit gewölbte erhabene Stirn verkündet der Weisheit tiefen Sinn und aus dem hellen Blick strahlt der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild. An seinem Busen schmiegt sich für ihn und aus ihm geformt die Gattin hold und anmutsvoll. In froher Unschuld lächelt sie ihm zu. Der himmlische Chor feiert das
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ENDE DES SECHSTEN TAGES
 
mit lautem Gesang.
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26
Vollendet ist das große Werk. Der Schöpfer sieht es und freut sich. Auch unsere Freude erschalle laut. Des Herren Lob gilt unser Lied. Uriel stellt fest: Zum Herrn blickt alles auf und fleht ihn an um Speis und Trank. Er öffnet seine Hand und gesättigt werden alle. Die drei Engel erklären noch den Prozess von Werden und Vergehen: Der Herr nimmt den Odem weg und dann stirbt der Mensch. Er haucht ihn wieder ein und dann steht er, verjüngt an Gestalt mit neuer Spannkraft zu neuen Schandtaten bereit..
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Vollendet ist das große Werk. Alles lobt des Herren Namen, denn er allein ist erhaben. Alleluja!

 
DRITTER TEIL
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27-28
Von der Schönheit des Paradieses berichtet der dritte Teil des Oratoriums. Aus Rosenwolken bricht geweckt durch süßen Klang der Morgen jung und schön. Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie zur Erde hin. Das beglückte Paar geht Hand in Hand im Garten spazieren. Aus ihren Blicken strahlt des heißen Danks Gefühl. Die Welt so groß und wunderbar - sie ist das Werk des Herrn. Gesegnet sei seine Macht und sein Lob erschalle in Ewigkeit. In diesen Tönen geht es noch eine ganze Weile weiter.
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29-30
Adam und Eva kommen nun selbst zu Wort. In tiefem Bass fordert der Erstgenannte seine Gefährtin auf, ihm zu folgen. Er wird sie leiten und jeder ihrer Schritte erweckt Freude in seiner Brust. Sie betrachtet ihn als ihr Ein und Alles. Sein Wille sei ihr Gesetz und das Gehorchen bringt ihr Freude und Glück, piepst ihr heller Sopran. An der Seite der holden Gattin fließen sanft die Stunden dahin. Keine Sorge trübt den Augenblick. In Freude schwimmt das Herz, denn seine Liebe ist ihr Lohn.
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Der Tau des Morgens - wie ermuntert er und die Kühle des Abends - wie erquickt sie. Überhaupt, wie reizend ist der Blumen süßer Duft. Wie labend ist der runden Früchte süßer Saft
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31 - 32
Uriel meint ganz trocken, dass der Glückszustand nicht anhalten wird, wenn falscher Wahn, mehr wissen zu wollen als angemessen ist, sie nicht zu Dummheiten verleitet. Ahnt er bereits, dass Adam und Eva die Plantage bald nicht mehr bewirtschaften dürfen?

   
Frei nacherzählt aus dem ersten Kapitel der Genesis, nach dem 'Verlorenen Paradies'  von John Milton, dem englischen Texter Lidley und in Anlehnung an die deutsche Übersetung von Gottfried van Swieten durch
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