musirony - Die Legende vom Berg Ararat
 

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Çetin Isiközlü [geb. 1939]

Die Legende vom Berg Ararat

The Legend of the Mount Ararat

Agri Dagi Efsanesi



Oper in drei Akten

Türkisch gesungen 

Libretto vom Komponisten in Zusammenarbeit mit Nermin Gökpinar

basierend auf dem Roman von Yasar Kemal

Uraufführung der gesamten Oper 1988 in Ankara

Tondokument von 1994, Aufnahme in den TRT (Turkish Radio and Television) in Ankara

Dauer knapp 90 Minuten

Personen:

Ahmet, ein Schafhirt
Mahmut Khan Pascha, Provinzgouverneur
Gülbahar, seine Tochter
Memo, Gefängniswärter
Hasan, Schmied
Musa Bey, ein Beamter
Ismail Aga, Mahmuts höchster Beamter
Sofi, der Dorfälteste
Mutter Cindar, eine Wahrsagerin
Vier Henker
Volks aus der Region des Ararat

Die Handlung spielt in der osmanischen Provinz Dogubayazit am Fuß des Ararat



INHALTSANGABE

Erster Akt

Erste Szene: EINFÜHRUNG 

Zum Flötenspiel der Schafhirten ertönt aus der Ferne die Stimme eines Mädchens. Ort des Geschehens ist ein kleiner Bergsee zu Füßen des Ararat. Ehrfurchtgebietend ist die Silhouette der markanten Erhebung, respekteinflößend auch die Weise, welches die Hirten auf ihren Flöten intonieren. Sie handelt vom „Zorn des Ararat.“ Eine mystische Stimmung breitet sich aus, als ein weißer Vogel am Horizont auftaucht, mit seinem Flügelschlag dreimal die Oberfläche des tiefblauen Sees berührt, weiterfliegt und hinter den Wolken verschwindet. Die Hirten ziehen ihren Umhang enger um die Schultern und verlassen das Gelände. Gebannt harrt der Opernbesucher der Erzählung, die man ihm in den folgenden Kapiteln vorstellen wird.



Zweite Szene: VOR DEM HAUS DES HIRTEN AHMET

Vor der Hütte Ahmets hat sich ein höchst seltener Gast eingefunden. Ein wunderschönes weißes Pferd begehrt seine Zuwendung. Zuerst hat der Dorfälteste die Ankunft des Schimmels bemerkt. Misstrauisch beäugt er die Gravur auf dem Sattel und erkennt das Wappen des Gouverneurs. Unbehagen breitet sich in Sofis Gemüt aus und er runzelt die Stirn.

Ahmet hat den seltenen Besuch noch nicht wahrgenommen. Er sitzt in seiner Behausung und spielt auf seiner Flöte. „Der Berg Ararat beschützt die Liebenden und bestraft das Böse“ - eine ergreifende Weise. Sofi ruft den Schafhirten aus seiner Hütte und fragt ihn, wer der vornehme Gast sei, der bei ihm zu Besuch weile. Es sei niemand im Haus! Der Alte macht ihn darauf aufmerksam, dass das schöne Tier, welches sich offensichtlich zu ihm hingezogen fühlt, Eigentum des Paschas ist.

„Wem es auch gehört,
das Pferd ist mein,
das Pferd ist jetzt mein.
Es stand vor meiner Tür.“ 

Ganz so einfach ist die Besitzergreifung fremden Eigentums nun doch nicht. Sofi klärt ihn auf, dass er das Pferd zunächst auf einen abgelegenen Pfad führen soll. Wenn es dreimal hintereinander wiederkommt, dann gehöre es tatsächlich ihm. So formuliert ein uralter Brauch die Regel.

„Ein Gottesgeschenk! Von ganz allein kam es zu mir“ jubelt Ahmet. Die Dorfbewohner kommen herbei und bestaunen das wunderschöne Tier. Ahmed ist glücklich und stolz. Keiner besitzt ein solch edles Pferd. Von Berg zu Berg wird er mit ihm fliegen und in ferne Länder reiten; mit Schätzen beladen wird er zurückkehren. Wie kam es vor seine Tür? Die Männer meinen, dass das Pferd ihm Glück bringen wird, doch die Frauen argwöhnen Unheil.

Ahmet nimmt sich vor, um das Pferd zu kämpfen, falls der Besitzer es zurück haben will. Er fürchtet sich nicht. Im Zorn würde er sogar die ganze Welt bekämpfen. Weiß Ahmet nicht, dass das edle Tier dem Pascha von Beyazit entlaufen ist? Instinktiv spürt Ahmet, dass das Pferd ihm zum Schicksal wird. Alle fürchten, dass Mahmud Khan mit seinen Leuten kommen und das Dorf überfallen wird. Der Pascha ist unerbittlich und wird sein Pferd zurück haben wollen.

Das Unglück lässt nicht lange auf sich warten. Der Pascha vermisst sein Lieblingspferd und hat eine hohe Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der es ihm zurückbringt. Ahmet lässt ihm ausrichten, dass man ein Geschenk, welches von Gott kommt, behalten darf. Seinen Kopf würde er notfalls opfern, das Pferd jedoch nicht. Stolze Worte! Die Soldaten warnen, dass der Regionalfürst das Dorf dem Erdboden gleichmachen könnte. Man staune, dass Musa Bey, der Beamte des Pascha, dem Hirten recht gibt. „Man opfert sein Haupt, doch nicht sein Pferd.“ Die Dorfbewohner haben Angst und flüchten in die Berge.

Mahmut Khan rückt an: „Feuer, Feuer, noch mehr Feuer!“ Das Dorf wird in Schutt und Asche gelegt. Musa Bey versucht zu beschwichtigen und lenkt ein. Er schlägt vor, dass man wieder ins Kastell zurückkehren soll, einfach nach dem Pferd suchen lässt, und es dem Fürsten anschließend zurückbringt. Doch Mahmut Khan ist in Zorn geraten. Wohin sind die Dorfbewohner gelaufen? Er will nicht nur das Pferd zurück, sondern auch den Dieb bestrafen.

Sofi hat Mut und hält dem Pascha einen Vortrag: So viel Leid wegen eines Pferdes! Verbrannt hat der Pascha das Dorf. Verachtet hat er die Gebote seiner Heimat. Ein Gottesgeschenk braucht man nicht zurückzugeben. Der Pascha soll nicht vergessen, dass der Ararat böse Taten nicht vergisst! Sofi steigert sich Wut: Der Fluch des Berges möge den Pascha zerschmettern! Dem Beschimpften reicht die Aufwallung des Dorfältesten und er lässt den Alten ergreifen. 

Dritte Szene: DIE EMPFANGSHALLE IN MAHMUT KHANS PALAST

Musa Bey hat Ahmet ausfindig gemacht und ihn gleich mitgebracht, damit er dem Pascha Rede und Antwort stehe. Gülbahar, die Tochter des Hauses erkennt den jungen Mann wieder, den sie am Kün See gesehen hat. Ihr ganzes Denken kreiste in letzter Zeit nur um ihn. 

Der Tonfall zwischen Würdenträger, Pascha und Untertan ist ebenso locker wie spontan. „Pascha, hier kommt Ahmet zu dir.“ „Komm her, du Herrscher vom Ararat,“ höhnt der Pascha den Hirten. „Du kleiner Schuft hast also mein Pferd gestohlen. Hat der schäbige Pferdedieb das Pferd wenigstens mitgebracht?“

Ahmet gibt sich extrem mutig: Seit eh und je sei es Gesetz, dass ein Pferd, das von selbst vor die Tür kommt, nicht zurückgegeben werden muss. Es sei ein Geschenk von Gott. „Kennt der Pascha die alten Bräuche nicht?“ Der Pascha kennt die Strafe für Pferdediebstahl, sie lautet: Tod dem Dieb.

„Pascha, ich gebe dir das Pferd nicht,
ich kann es dir nicht bringen.
Was würden dann die Leute, Männer,
Frauen und Kinder, sagen zu mir?
Pascha, ich kann dir nicht dieses
Pferd zurückgeben,
was würde mein Volk, meine Sippe
dazu sagen? Pascha, ich gebe dir das
Pferd nicht, ich kann
es dir nicht bringen.“ 

Immerzu wiederholt Ahmet die gleichen Worte. Gülbahar zittert um den mutigen jungen Mann. Aber Musa Bey ist genau so mutig. Nur um mit ihm zu reden, brachte der Beamte den Hirten her. Mahmut Pascha habe sein Wort gebrochen. Er handele unmenschlich! Auch ihn lässt der Erzürnte kurzerhand in den Kerker abführen. „Das Pferd kehrt nie zu dir zurück, Pascha,“ sind Ahmets Worte.


Zweiter Akt:
 

Vierte Szene: DER KERKER

Ein kurzes Präludium stimmt das Publikum nun auf einen Kerkerbesuch sein. Musa Bey ist empört, dass Pascha alle angelogen und betrogen hat. Nach einer Weile ertönt die Weise einer Flöte. Gülbahar fühlt sich von dem Klang des Instrumentes angelockt, erscheint an der Gittertür und versucht, den Wärter zu überreden, Ahmet sehen zu dürfen.

„Ahmet, ja das muss er sein.
Keiner spielt die Flöte so wie er.“

Gülbahar beschreibt die Attribute des Ararat: Bald tobt er im Sturm, danach ist er wieder sanft und still. Sie glaubt, dass der Berg nach ihr ruft. Der weiße Vogel kreist um sie herum, so wie die Liebe sie umzingelt. Sie versucht, nach dem Federvieh zu haschen, aber es entwischt immer wieder. Jetzt hat sie sich ein Herz gefasst und will mit Ahmet Verbindung aufnehmen - selbst auf die Gefahr hin, dass sie ihm ihre Liebe gestehen wird. Was wird der Vater mit Ahmet tun? Das Leid drückt sie nieder.

Memo, der teure Spielgefährte von einst, möge ihr doch bitte die Tür zum Verließ öffnen. Sie lässt ihm keine Ruhe. Die Bittende soll doch verstehen, dass es nun einmal nicht sein darf. Bei einen Verstoß riskiere er die Todesstrafe. Gülbahar erinnert Memo, dass sie als Kind immer freundschaftlich zusammen waren und er ihr jeden Wunsch erfüllt hat. Mit Beklommenheit gibt Memo der Flehenden schließlich nach und übergibt ihr die Schlüssel zum Verließ.

Zunächst trifft sie auf Sofi, der ihr rät, schnell wieder fortzugehen, da der Pascha auch ihn sofort enthaupten würde, wenn er von dem Besuch erfährt. Ahmet kommt. Die Liebenden fallen sich in die Arme. Überwunden sind die Hindernisse, nichts kann sie mehr trennen, nicht einmal der Tod. Für Ahmet ist der Besuch Gülbahars wie ein Traum. Beide entfernen sich in den abgedunkelten Hintergrund.

Traurig zurück bleibt Memo. „Lebt wohl meine Hoffnungen, leb wohl mein Glück.“ Verborgen in seinem Herzen bleibt die Liebe zu Gülbahar. Der Sinn seines Lebens ist nun dahin!

Die Stunden vergehen und Gülbahar muss sich nun entfernen. Sie möchte nicht ohne Hoffnung gehen und bittet Sofi dafür zu sorgen, dass der Vater das alberne Pferd zurückbekommt. Doch der Alte ist störrisch. Das liebe Kind soll sich keine Hoffnung machen. „Das Pferd kommt nicht zurück und damit basta.“ Dann wird sie eben selbst den Vater anflehen, auf den Gaul zu verzichten. Das Mädchen soll sich keine Hoffnungen auf ihr Glück machen. Wegen des dummen Pferdes muss Sofi höchstwahrscheinlich selbst sein Leben lassen. Dann will Gülbahar auch mit den Freunden sterben, erklärt diese. Zusammen sind sie dann ein Quartett.

Gülbahar hat eine Idee: Hasan der Schmid besitzt ein kluges Köpfchen und versteht ein bisschen von Magie. Kann er vielleicht einen Ausweg finden?

Fünfte Szene: HASANS SCHMIEDE


Natürlich geht die Arbeit besser von der Hand, wenn die Gesellen Hassans beim Schmieden singen. Was wünscht Gülbahar von ihm? „Hasan, gutherziger Hasan! Ich komme zu dir, um dich anzuflehen. Höre mich an, ich bitte dich, hol das Pferd zurück, hilf mir, es zu befreien.“ Er soll die Freunde retten, denn der Vater lässt alle enthaupten, wenn das Ross nicht zurückkehrt. Hasan erteilt eine positive Zusage, er verspricht Gülbahar, über eine Lösung nachzudenken wie Ahmet zu retten sei. 

Sechste Szene: Mutter Cindar

Auf dem Heimweg trifft sie Mutter Cindar. Woher kommt die schöne Gülbahar zu dieser frühen Morgenstunde? Auch Cindar informiert die Verzweifelte über ihren Kummer. Die Wahrsagerin möge doch bitte in die Zukunft schauen, ob es für sie Hoffnung gibt. Das Mädchen soll nicht den Mut verlieren. Der neue Tag kann vieles ändern. Mutter Cindar sieht einen Stern am Firmament, eine Hälfte leuchtet hell, die andere dunkel. Ein weißer Vogel umkreist die Verängstigte im Liebesflug. Gülbahar strecke die Hände aus, um den Vogel zu streicheln, doch ob er sich liebkosen lässt, kann Cindar nicht mehr erkennen. Ganz einfach abwarten, ermuntert die Wahrsagerin. 

Siebte Szene: VOR MAHMUT KHANS PALAST

Hasan ist es gelungen, den Aufenthaltsort des Pferdes ausfindig zu machen. Er führt die Stute zum Palast und erwartet, dass der Pascha ihm aus Dankbarkeit um den Hals fällt. Wider Erwarten reagiert dieser genau entgegengesetzt. Er behauptet, er kenne das Pferd nicht, das Tier sei nicht sein Eigentum. Sein Ross sehe so nicht aus, man solle es forttreiben. Ein Bey widerspricht ihm, doch Pascha nimmt es nicht zur Kenntnis. Er sei auch einer von den anderen, wird ihm vorgehalten. Nein, Pascha habe falsch verstanden. Wie kann so etwas sein, dass der Pascha etwas falsch versteht? Der Blutdurst umnebelt sein Gehirn, er will die Eingekerkerten unbedingt hinrichten lassen. Die anwesenden Würdenträger und die Dorfbewohner sind völlig irritiert. Deutlich erkennen sie am Sattel das eingravierte Wappen von Mahmut Khan. Ihr Disput mit dem Pascha führt nicht zur Rehabilitierung der Verurteilten. „Noch vor der Dämmerung sollen alle enthauptet sein.“

Achte Szene: DER KERKER

Das Bühnenbild zeigt den Kerker aus einer anderen Perspektive. Neben dem Gitterfenster sieht man eine Treppe, die zum Palastturm hinaufführt. Gülbahar hat die letzten Worte ihres Vaters gehört und sieht ihre Rettung einzig bei Memo. Wird es ihr gelingen, ihn zu überreden, die Gefangenen fliehen zu lassen? Sie verspricht ihm dafür, jeden Wunsch zu erfüllen.
„Memo, Memo, teurer Bruder …..” Das Publikum kennt inzwischen ihre Einleitung. Alles will sie ihm geben, Sie wird ihm geben, was er will. Memo kann ihren inständigen Bitten nicht lange widerstehen, aber er hat einen edlen Charakter und nutzt ihre Situation nicht aus. Er erbittet lediglich eine Locke von ihrem Haar. Mit dem Schwert darf er sie abschneiden. „Gülbahar“ sagt Memo, „noch eines bitte ich dich, vergiss diese Nacht nicht, solange du lebst.“

Memo soll das Tor öffnen, denn die Stunde des Todes sei gekommen. Mahmut Khan erscheint mit den Henkern und fordert die Gefangenen heraus. Doch Memo erklärt mit bitterem Lächeln, dass er die Gefangenen - in der Annahme, dass es des Paschas geheimer Wunsch gewesen sei – zur Nachtzeit freigelassen habe. Mahmut sieht im Kerker selbst nach und findet die Gefangenen nicht mehr vor. Seine Wut kennt keine Grenzen. Er gibt den Henkern einen Wink und diese dringen auf den Gefängniswärter ein. Memo kämpft sich den Weg frei und gelangt zur Treppe. Von den Henkern mit dem Schwert attackiert, steigt er rückwärts empor. Das Ende der Fahnenstange ist bald erreicht und mit den Worten: „Leb’ wohl Gülbahar!“ stürzt er sich in die Tiefe. Gülbahar sieht es durch den Gitterrost und reagiert mit einem lauten Schrei. Nun kommt der Pascha endlich zur Besinnung, doch es ist zu spät.


Dritter Akt 

Neunte Szene: VOR MAHMUT KHANS PALAST 

Hasan muss nun endlich das Versprechen einlösen, welches er Gülbahar gegeben hat. Er hat einen Sänger und einen Erzähler voraus geschickt, um Mahmud Khan „Die Legende vom Berg Ararat“ nahe zubringen. Dann erscheint Hasan selbst, um ihm ins Gewissen zu reden. Die Schuld am Schicksal der Liebenden treffe ihn allein. Die Rache des Berges soll er fürchten. Mahmut ist unbeeindruckt und Hasan weiß, dass man im Moment den Bogen nicht überspannen sollte. 

Unerwartet bekommt er Unterstützung durch den Wesir. Dieser rät, Ahmet in eine Falle zu locken, damit man ihn los und das Volk besänftigt ist. Bisher ist es niemandem gelungen auf dem Berg Ararat ein Feuer anzuzünden, weil der Berg es nicht duldet und jeden Abenteurer verschlingt. Es sei Selbstmord, den Berg zu besteigen. Der Pascha soll den Wagemutigen anfeuern, den Versuch zu riskieren. Gelingt es ihm, wird ihm seine Strafe erlassen und obendrein bekommt er Gülbahar zur Frau. Der Pascha selbst wird die Hochzeit ausrichten.

Sofort wird Ahmet durch einen Boten die Nachricht überbracht. Er ist bereit, das Wagnis auf sich zu nehmen. „Heil dir und Dank Pascha, dass du mein Schicksal in meine Hand legst! Lebe wohl, lebe wohl, Pascha!“ Das Glück sei mit dir, Ahmet. Wird er eine Chance haben, zu überleben? Die Dorfbewohner sind aufmerksam geworden. Immer mehr Menschen strömen zum Dogubayazit-Palast, um zu erfahren, wie die Sache angegangen wird und wie sie ausgeht. Immer mehr Menschen kommen. Der Strom will nicht abreißen. „So viele Menschen hat das Tal noch nie gesehen!“ sagt Ismail Aga.

Mahmut Khan ist ein wenig mulmig zumute. Für eine gute Tat würden sich niemals so viele Menschen versammeln! Woher haben sie die Kunde bekommen? Mehr als Sterne am Himmel scheinen es zu sein und keiner spricht ein Wort. Sie rühren sich nicht und starren stumm zum Gipfel des Berges. Gegen eine solche Masse können die Soldaten nichts ausrichten. Welchen Ausweg weis Ismael Aga? Der Pascha soll aufgeben, Ahmet zurückrufen und ihm die Tochter ohne Gegenleistung zur Frau geben! Mahmut will den Rat nicht annehmen, das Volk würde merken, dass im Dogubayazit-Palast die Angst umgeht und rebellieren. Niemand kommt auf die Idee, dass Pascha Angst haben könnte, denn die Menge habe nichts Böses im Sinn, führt Ismael Aga die Gegenrede. Den Pascha quält die Besorgnis, die richtige Entscheidung zu verfehlen.  Doch eine Hoffnung bleibt: Vielleicht bezwingt Ahmet den Gipfel tatsächlich und zündet das Feuer an. Vielleicht sieht das Volk heute Nacht zum ersten Mal ein Feuer auf dem Ararat! Aber der Pascha weiß doch selbst, dass der Gipfel niemanden an sich heranlässt, sondern macht ihn zu Stein. Aber vielleicht ist Ahmet gar nicht so töricht, bis zum Gipfel aufzusteigen, sondern entzündet das Feuer schon weiter unten. Ismael Aga ist unerbittlich. Ahmet sei ein ehrlicher Mensch, er gehe dem Tod bewusst entgegen und wird zum Gipfel gelangen. Der Ararat wird den Mutigen verschonen, denn er habe Hasans Segen. Alle hoffen, dass der Berg ihn nicht verschlingen wird.

Die Menschenmenge wird immer gereizter. Man soll den Berg doch in Ruhe lassen. Was hat Hasan mit der Sache überhaupt zu tun. Das Wort „Feuerteufel“ wird laut. Alle starren auf den Berg. Plötzlich sehen alle eine Flamme auf dem Gipfel. Ein Aufschrei der Erleichterung. Ahmet hat es geschafft! Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurde auf dem Gipfel des Ararat ein Feuer entzündet. Hasan jubelt. Die Menschen brechen in Freudenrufe aus. Ballett muss her! Einer ist missvergnügt - es ist Sofi. „So viel Leid wegen eines Pferdes.“ Allen erklärt er erneut, was die Sitte gebietet, wenn ein Pferd dreimal an denselben Platz zurückkehrt.

Zehnte Szene: AM KÜP SEE 

Mit dem freudigen Ausgang sollte die Oper eigentlich zu Ende sein. Doch der Dichtert hat sich ein böses Nachspiel ausgedacht, damit das Werk noch mehr Gewicht bekommt.

Ahmet will von Gülbahar nichts mehr wissen. Wie zu Anfang spielt die Szene wieder am Küp See. Das Paar hat Holz gesammelt und zünden schweigend ein Feuer an.

„Ahmet! Ahmet! Du sagst nichts,
meidest meinen Blick. Sag mir, was dich
bekümmert. Ahmet! Habe ich nicht alles
getan, um dich zu befreien?
Hilfe erflehte ich von Memo und Hasan,
dem Vater habe ich mich widersetzt.
Nur für sich, Ahmet, nur für dich. Was habe ich
denn getan, um deinen Zorn zu erregen?
Ahmet! Ahmet! Ahmet!

Schließlich rückt Ahmet mit der Sprache heraus. Er ist eifersüchtig. „Womit hat Gülbahar Memo beglückt, um mich zu retten?“ Gülbahar gehen die Worte durch den Sinn, die Memo zuletzt zu ihr gesagt hat. Eine Rückblende macht dem Zuschauer die Kerkerszene noch einmal deutlich. Gülbahar erwidert, dass er nichts anderes, als eine Locke von ihr gefordert habe. Nur mit einer Locke habe sie ihn beglückt höhnt Ahmet? Memo erscheint erneut als Vision:

„Eine Locke von deinem Haar!
Noch eines bitte ich dich, vergiss
Diese Nacht nicht, solange du lebst,
Gülbahar, Gülbahar!“

Schweigend sitzen sie wieder beieinander, um sich schließlich zum Schlaf niederzulegen. Zwischen sich und Gülbahar legt Ahmet seinen Dolch. Die Frau versteht, dass es das Ende ihrer Beziehung bedeutet. Schmerz und Verzweiflung verwirren ihren Sinn. Der Chor im Hintergrund erklärt die Situation. Gülbahar ergreift den Dolch, stürzt sich in grenzenloser Enttäuschung auf Ahmet, um ihn zu töten. Dieser erhebt sich und verschwindet im Dunkel des Hintergrundes. Gülbahar lässt den Dolch fallen und ruft verzweifelt: „Ahmet gehe nicht!“ Ob Ahmet nun tödlich getroffen wurde, bleibt dem Publikum verborgen. 

Die Hirten kommen und lagern sich flötespielend am Ufer des Sees. Im Morgengrauen fliegt ein weißer Vogel über den See, taucht seine Flügel dreimal in das Blau des Wasser und verschwindet in der Ferne.

Anmerkung: 

„Die Legende vom Berg Ararat“ kann man als erste Oper in türkischer Sprache von Bedeutung ansehen. Anlass der Uraufführung waren die sechsten Internationalen Ankara-Festspiele 1988/89. Vorher gab es eine konzertante Aufführung in Auszügen im Jahre 1976 in Rom.

Der Komponist behauptet, dass die Muse ihn im wahrsten Sinne des Wortes wachgeküsst habe. In der Tat ist es ein Werk von einer ungeheuren Eindringlichkeit und Geschlossenheit. Betörend die Musik - weder avantgardistisch angehaucht, noch aufgesetzte Folklore. Entgegen jeder orientalischen Gepflogenheit berückt das hinreißende Libretto durch die Sparsamkeit seines Ausdrucks. Keine blumige Weitschweifigkeit, gesagt wird nur, was nötig ist – präzise in der Wortwahl, knapp wie eine Novelle. Mit mythologischer Wucht fühlt der Zuschauer sich getroffen - bis zur letzten Szene entlässt ihn das Musikdrama nicht aus seinem Bann. Es erzählt die Geschichte der Tochter des Paschas und ihrer Liebe zum armen Schafhirten Ahmet. Ein geheimnisvolles weißes Pferd wird allen Beteiligten zum Schicksal.

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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