musirony - König Priamos
 

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Schöne Oper - selten gehört



Der verwundete Achilles



Michael Tippett [1905-1998]

König Priamos

King Priam - Le Roi Priam



Oper in drei Akten

englisch gesungen

Libretto vom Komponisten in Anlehnung an Homers Ilias

Uraufführung am 29.05.1962 am Coventry Theatre
mit John Pritchard als Dirigent

 

Charaktere:

King Priam
Hecuba
Paris
Helen
Hector
Andromache
Achilles
Patroclus
Hermes
Nurse
Old man
Young guard
und weitere

Das Geschehen nimmt Bezug auf den trojanischen Krieg etwa 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung



HANDLUNG

Erster Akt:

VORSPIEL

Erste Szene:

In einem verlassenen Zimmer des Königspalastes von Troja schaukelt eine Wiege mit einem Säugling. Dieser schreit was das Zeug hält. Die Amme versucht vergeblich, das Kind zu beruhigen. Hekuba eilt herbei und erkundigt sich nach den möglichen Ursachen des Lärms. Die Amme gibt sich hilflos und die Mutter hat auch nicht den Nerv, den Schreihals zu beruhigen. Sie lässt nach Priamos rufen, der registriert, dass die Königin bedrückt ist und will nun wissen, ob es das Kind ist, welches die Ursache für ihren Missmut ist. Was ist der stolzen, treuen und furchtlosen Gattin zugestoßen? Ihm wird bange um sie. Nun, Hekuba hatte einen Traum, der ihr nicht gefallen hat. Genugtuung empfindet die Verängstigte über die freundlichen Worte, mit denen der Gatte sie tröstet. Diesem liegt daran, dass das Unbekannte bekannt wird und der rechte Weg nicht im Verborgenen bleiben soll. Der Herrscher lässt den Traumdeuter rufen und gibt dem Weisen die Aufgabe, den Traum der Königin zu enträtseln. Mit seiner Erkenntnis hält der Geforderte nicht zurück: „Das Kind wird durch ein unabwendbares Geschick des Vaters Tod verursachen.“ Der allgemeine Schrecken ist groß.

Hekuba will dem Kind nicht länger Mutter sein. Troja und der Stadtkönig sind ihr heilig. Den heldenhaften Hektor hat sie geboren und sie wird dem Gemahl noch viele Söhne schenken. Auf einen mehr oder weniger kommt es daher nicht an. Hekuba gibt den verhängnisvollen Befehl: „Dieses Kind sei getötet!“ Der Vater wendet sich zur Wiege. Auch er war einst ein Säugling und kam ungefragt zur Welt, dem Tode sollte er geweiht werden. Nur weil man ihn leben ließ, konnte dieses Kind geboren werden. Es soll sterben, damit er leben kann! Das Kind kann nicht zwischen Tod und Leben wählen. Die Eltern werden ihm die Entscheidung abnehmen. Priamos befiehlt einem jungen Krieger, das Bündel mit dem Säugling zu nehmen, um es zu entsorgen. Eine schreckliche Konsequenz und eine Brutalität des Vorgehens ohnegleichen. Selbst will man sich nicht mit Blut besudeln und reicht die Entscheidung weiter. Doch welches Risiko geht das Herrscherpaar ein?

ERSTES ZWISCHENSPIEL

Der Chor kommentiert: „Ein Kind kommt ungefragt zur Welt. Durch seine Eltern wurde ihm das Leben gegeben und seine Eltern bereiten ihm den Tod.“ Zwischen dem Hellseher und dem Krieger entspinnt sich ein Dialog, ob die Entscheidung in Ordnung sei. Der Hellseher weiß auch nicht so recht, ob es nun ein Verbrechen ist, das Kind zu töten. Wenn es jedoch die gesamte Stadt gefährdet, sei es erlaubt. Der Krieger schiebt seine Jugend vor, dass man von ihm nicht verlangen kann, eine solch weitreichende Entscheidung zu treffen. Der Alte meint, dass der König den Tod des Kindes in jedem Fall billigen sollte. Doch die Amme ist gegenteiliger Ansicht und kündet dem Hellseher, dass ihm nicht das komplette Wissen zuteil geworden sei. Sie ahnt, dass die Situation sich völlig anders entwickeln könnte. Der Faktor Zeit wird urteilen, ob die Entscheidung eine gute war, denn das Leben ist eine Geschichte von der Wiege bis zur Bahre. Die Abneigung Hekubas zu dem Kind ist unverkennbar und in seiner Spontanität auch nicht erklärbar. Der Befehl wird von dem jungen Krieger nicht ausgeführt und er übergibt den Säugling einem unbekannten Hirten zur Pflege

„Und die Geschichte von Priamos erzählt, dass der Vater-König, der die harte Wahl traf, einen Sohn zu vernichten, zuerst zu Hause und im Reich des Schicksals Gunst erfuhr. Hektor wuchs heran - ein braver Bursche - und dann kamen noch mehr Söhne. Die Stadt ist ruhig und gedeiht, man jagt und man betreibt die Künste des Friedens.“

Zweite Szene:

Priamos und die Söhne des Königs befinden sich auf der Jagd. Hektor will seinen Mut beweisen, denn Hektor ist Trojas ganzer Stolz. Im Moment ist er damit beschäftigt, einen Stier zu bezwingen, der zufällig des Weges kam. Plötzlich taucht ein Junge auf, springt dem Stier auf den Rücken und reitet mit dem Koloss unbeeindruckt davon. Die Jagdgesellschaft ist verblüfft, denn sie können nicht ahnen, dass der Stier der beste Freund des Jungen und deshalb ihm gegenüber zutraulich ist. Zurückbeordert erklärt der Knabe, er lebe als Hirte allein mit seinen Vater und habe sonst keine Gefährten. Seine große Sehnsucht sei ein Besuch in Troja, um sich in die Gruppe der jungen Helden einzureihen. Wenn er das will, muss er lernen, wie man Ross und Streitwagen lenkt, allerdings ist zuvor der Vater zu fragen. Hektor bietet sich an, ihn dem König vorzustellen, denn junge Helden kann Troja immer gebrauchen. Will der Knabe wirklich die Weidegründe mit der Kaserne vertauschen? In der Tat, es drängt ihn nach Abenteuern. Ein Leben in Troja hat er erwählt, denn er weiß, dass er zu Troja gehört. Er fragt Hektor nach seiner Herkunft und erhält ausführliche Informationen. Er selbst nenne sich Paris. Damit sind die Fronten geklärt und die Würfel gefallen.

Der schöne Jüngling erzählt seine Lebensgeschichte und Priamos erinnert sich der Szene neben Hekuba und der Amme an der Wiege. Ihm ist klar, wen er vor sich hat, und er gibt sich gleichzeitig erfreut, weil das Schicksal ihm ein Geschenk gemacht hat. Zutiefst hatte er gehofft, dass das Geschick seinen Befehl ignorieren würde. Der junge Soldat hatte damals sein Herz sprechen lassen. Seine Bekümmernis sitzt tief, denn das Gewissen meldet sich, die Vaterliebe missachtet zu haben. Hatte das Schicksal etwa von ihm erwartet, dass er den Säugling mit eigenen Händen umbringt? Ein zweites Mal wird er sich dem Befehl des Schicksals nicht unterwerfen! Paris mag leben und in seinem Hause mit seiner Familie wohnen. Der König spricht für sich und für Troja und glaubt beides in Einklang bringen zu können. 

ZWEITES ZWISCHENSPIEL

Die Amme, der Krieger und der Alte formatieren sich zu einem Terzett und sinnen über die bitteren Rätsel des Lebens. Ein Funken von Bedeutung und ein bisschen Verständnis lassen die Götter zu, doch die Knoten sind verworren. Die Kraft, die durch den Stil zur Blüte treibt, wird den Jüngling zum vorgesehenen Bett locken.

Michael Tippett befördert den Zuschauer zur Hochzeitsgesellschaft von Hektor mit der schönen und tugendhaften Andromache, die bis zu den Füßen würdevoll wie eine Fürstin ausschaut. Seht euch in seiner grün bestickten Tunika mit den goldenen Schnallen den strahlenden Hektor an! Ist er nicht der Tapferste von allen, Trojas größter Held? Die Frauen lieben ihn! Paris versteht sich mit Hektor absolut nicht, seitdem er weiß, dass der von allen Bevorzugte sein Bruder ist.

Dritte Szene:

Sind Neid oder Rivalität die Ursache der Antipathie? Gegen den Willen des Vaters verlässt Paris Troja und reist zu Besuch nach Sparta, um das gastliche Haus von König Menelaos kennen zu lernen. Helena, die Tochter des Zeus und der Leda wird ihm zum Schicksal werden. Es geht alles im Eiltempo: Paris fragt ungeniert, ob sie Frau oder Hexe sei, weil sie ihn so entzücke. Voller Begierde ist er und die Erfüllung lässt nicht lange auf sich warten. Anschließend zeigt Helena kein Interesse mehr. Es gelte zu erwägen, dass sie die Königin von Sparta sei und sie erklärt Menelaos als ihren angestammten Gemahl, dem sie sich nicht verweigern könne. Paris beschließt, dass er nicht teilen wird und stellt der Geliebten ein Ultimatum, sich zu entscheiden. Helena spricht die verhängnisvollen Worte, dass sie kommen wird, wenn er sie holt. Paris bewertet die Tragweite dieses Bescheides bei klarem Verstand, denn Helena überlässt ihn dem Augenblick, den er ersehnt und befürchtet hat. Ihre Liebe ist ein Verbrechen, denn sie schließt den Krieg mit ein. Vater Zeus möge die Entscheidung treffen!

Anstelle des Göttervaters selbst erscheint als sein Bote, der ewig grinsende Hermes und arrangiert auf Befehl des Zeus die Szene mit dem rotbackigen Apfel. Es ist der Teil der Oper, dem der Zuschauer ob seines Wiedererkennungswertes die meiste Beachtung schenkt. Wem soll Paris den Apfel nun reichen, ohne sich den Verdruss der anderen Bewerberinnen zuzuziehen? Hermes erlässt ihm die Wahl nicht und Aphrodite hat es nicht schwer, das Los für sich zu entscheiden, denn sie hat das Gesicht Helenas angenommen. Zuvor hat Hermes dem Begierigen geraten, auf das Vorzugsangebot der einzelnen Kandidatinnen zu achten. Athene ist in die Gestalt Andromaches geschlüpft und offeriert das Schlachtfeld, um Ruhm und Ehre zu gewinnen. Ausgerechnet Hera mit dem Aussehen seiner ungeliebten Mutter will ihm die Familienbande schmackhaft machen und wirbt für Beständigkeit. Doch Aphrodite verschenkt selbstsicher Lust und Liebe, schließlich weiß sie, wen sie vor sich hat. Paris greift zu und gibt ihr die wohlschmeckende Frucht. Athene ist tödlich beleidigt, sie kündet den trojanischen Krieg. Die verschmähten Göttinnen fühlen sich missachtet und fluchen dem Schiedsrichter.

Unpassenderweise sei vermerkt, dass die Historiker von heute einen gewaltigen Altersunterschied zwischen Paris und Helena berechnet haben, denn die Halbgöttin war schon seit geraumer Zeit Königin von Sparta. Die Differenz beträgt etwa 16 zu 60 Jahren. Doch weshalb sollte Helena, schön geschmückt, nicht attraktiv genug gewesen sein, einem unbedarften 16-jährigen Hirten zu gefallen?


Zweiter Akt 

Vierte Szene:

Hektor erscheint zum Kampf gerüstet auf der Stadtmauer von Troja und macht den armen Paris systematisch fertig, weil dieser ohne Waffen erschienen ist. Er wirft ihm vor, ein Weiberheld zu sein, aber im Kampf wenig tauge. Was sollen die Griechen denken, wenn Trojas ranghoher Sohn, der schmucke Paris, zum Feigling wird? Dem Menelaos habe er die Frau gestohlen und sich dann davon gemacht. Paris ersucht Hektor, ihn in Frieden zu lassen, seine Schönheit sei genetisch bedingt und kein Grund, ihn deshalb abzuwerten. Selbstverständlich wird er kämpfen wie alle anderen Trojaner auch, schon allein deshalb, weil Helena sonst wütend wäre. Wie lange soll Hektor noch auf ihn warten?

Priamos rügt die beiden Streithammel und spricht ein Machtwort als Vater und als König. Genügt es nicht, wenn die Griechenführer sich streiten? Auch hier ging es um ein Mädchen. Achilles sei wütend auf Agamemnon und habe sich mit seinen Truppen zurückgezogen, weil der Heerführer ihm seine Kriegsbeute, die schöne Briseis, weggenommen habe. Hektor erläutert, dass man die Griechen ins Meer drängen könnte, wenn Paris sich endlich bequemen würde. Priamos gibt strengen Befehl, dass der Geschmähte seine Rüstung anlegen soll, doch Hektor gibt dennoch keine Ruhe. Er behauptet, dass Paris eine Schande für das ganze Volk sei und macht dem Vater den Vorwurf, den Hübschling überhaupt erst gezeugt zu haben. Wäre es nicht besser gewesen, ihn gleich nach der Geburt zu erwürgen, wie das Orakel es befohlen habe? Hektor soll sich gefälligst mäßigen, denn solche Sprüche mag der Vater absolut nicht hören. Seine Wut soll der Zornentbrannte gegen die Griechen lenken und Paris in Ruhe lassen. Hektor achte Menelaos mehr als Paris, so wie die Griechen den Hektor höher schätzen als den Achilles, stellt Priamos fest, doch wohin soll das führen. Die Söhne sollen sich einig und schonungslos sein. Insgeheim fleht das Vaterherz jedoch, dass Apollo den geliebten Hektor im Triumph zurückkomme lässt.

DRITTES ZWISCHENSPIEL

Aus der Ferne ertönt Kriegsgeschrei. Von Kassandra, der trojanischen Seherin, ist in der Oper nichts zu sehen, doch dem wackeren Alten ist es gelungen, den zynischen Hermes zu mobilisieren, damit dieser ihn – selbstverständlich unsichtbar – durch das Lager der Griechen führen möge, weil er gern einen Blick in das Zelt des Achilles werfen möchte. Der alte Seher hatte zunächst Angst, als er davon hörte, dass Agamemnon und der göttergleiche Achilles aufgebrochen seien, um Troja anzugreifen. Doch nun freue er sich, dass der Griechenheld sich distanziert hat. Doch Hermes mahnt, dass er nicht zu früh frohlocken möge, stellt sich auf die Seite des Achilles und kündet ihm, dass der Göttergleiche ein Herz habe, welches nur rühren könne.

Fünfte Szene:

Achilles singt, von seiner Laute untermalt, ein trauriges Liedchen und sehnt sich nach der Heimat zurück. Sein hochgewachsener Sohn Neoptolemus lebt dort mit seinem alten Vater in einer schönen Villa. Patroklos ist dem Erstgenannten ebenfalls von Herzen zugetan. Man weint gemeinsam um die vor Troja Verwundeten und Gefallenen. Fast gibt es Streit zwischen den beiden Kontrahenten, denn Patroklos billigt es nicht, dass Achilles sich weigert, am Kampf teilzunehmen. Doch der Kritisierte hat auch seinen Stolz: Auf Knien sollen die Griechen gerutscht kommen und ihn um Verzeihung bitten, weil man ihm die wonnige Briseis weggenommen hat. Verfährt man so mit Achilles? Den Vater Andromaches hat er erschlagen sowie seine Söhne; die Griechen zollten ihm Beifall und nun ist Undank der Welt Lohn. Patroklos macht sich Sorge um den Leumund seines Freundes und Waffengefährten als herausragenden Helden und meint, es müsse schon genügen, wenn die Griechen den wippenden Helmbusch und die blanke Rüstung sehen. Könnte nicht er in der glänzenden Uniform in den Streitwagen des Freundes mit den flinken Pferden klettern und an seiner Stelle in die Schlacht ziehen? Die Gefahr für die Landsleute sei nämlich groß. Hektors Leute seien gerade dabei, die Schiffe in Brand zu setzen. Ohne Schiffe ist der Rückweg in die Heimat verwehrt. Achilles folgt der Logik des Freundes, lässt sich beschwatzen und zum Verwechseln ähnlich zieht Patroklos in seinem Aufputz in die Schlacht. Achilles verspricht, ihm zusätzlich noch seine Kraft zu leihen. Der Genannte bringt den Göttern ein Trankopfer und die Freunde sagen sich „Lebe wohl“.

VIERTES ZWISCHENSPIEL

Die beiden Lauscher haben den Kriegsrat mitgehört und der Alte will von Hermes wissen, was man tun könne. Hermes fühlt sich an das abtrünnige Troja nicht gebunden und meint, dass der Olymp sich freut, wenn ein Held wie Achilles sich entschließt, seine Ehre wieder herzustellen. Der Alte fleht, dass Hermes Troja Beistand leisten und Priamus davon in Kenntnis setzen möge. Der Seher bekommt zur Antwort, dass der Bote nicht säume, wenn die Kunde böse ist.

Sechste Szene:

Selbst Hermes ist ganz aus dem Häuschen, als er sieht, dass Patroklos die zündelnden Trojaner vor den griechischen Schiffen zu Paaren auseinander treibt. Der Götterbote hat sich einen neuen Dialogpartner gesucht – es ist Priamos selbst. Der Herrscher Trojas hatte schon geahnt, dass es nur Patroklos sein könnte, der das Herz des Achilles gerührt habe. Doch Hektor hat sich den Intimfreund des Achilles zum Zweikampf ausgesucht und die körperliche Aussprache zu seinen Gunsten entschieden. Paris ist Hektor nicht beigestanden und hat keine gute Figur gemacht. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als den Vater aufmerksam zu machen, wie gut dem herrlichen Hektor die Rüstung des Achilles steht. Hektor beruft sich auf die Unterstützung Apollos, begrüßt die Familie, klammert Paris großzügigerweise nicht aus und ignoriert seine Ausflüchte. Zeus, dem Beschützer der Stadt, wird in seinem Tempel ein Opfer gebracht, weil er sein Haupt seiner ihm geweihten Stadt zugeneigt habe. Er soll doch bitte ihre Mauern stützen und am stärksten sprechen, wenn andere Göttinnen ihm in den Ohren liegen und dem blühenden Troja Schaden zufügen wollen.

Doch man hat die Rechnung ohne Achilles gemacht. Sein furchterregender Schlachtruf vor den Mauern der Stadt lässt alle erzittern.


Dritter Akt

Siebte Szene:

Die Dienerin soll heizen, weil Hektor, sobald er aus der Schlacht kommt, gern baden möchte. Das Herz Andromaches ahnt Böses. Sie erinnert sich des Tages, als Achilles ihren Vater und ihre Brüder erschlug. Reicht das nicht? Jetzt kommt er und fordert auch noch ihren Hektor, denn er möchte ihn gegen Patroklos eintauschen. Wenn Achilles erregt ist, wird er zum Barbaren und kennt kein Erbarmen. Andromache schwebt in Angst.

Die Schwiegermutter erscheint und rät der Verzweifelten, auf die Stadtmauer zu steigen, um Hektor zu überreden, herunterzukommen, weil Troja ihn noch brauche. Auf König Priamos will er nicht hören, vielleicht hat die Jüngere mehr Erfolg. Andromache denkt nicht daran, sich eine Abfuhr zu holen, ihr Platz sei im Hause und nicht auf der Stadtmauer. Reicht Trojas Bedrängnis tatsächlich aus, den wütenden Achilles zum Zweikampf auf dem Wall zu erwarten, anstatt sich um die Familie zu kümmern? Andromache findet das Verhalten Hektors empörend. Von ihrem Haus wird nicht viel übrig bleiben, wenn Troja erst erobert ist. Sobald Hektor und die übrigen Männer tot sind, wird die Stolze als Sklavin den Griechen übereignet - auch kein angenehmes Los. Das beste wäre es, wenn Hekuba ihren Gatten bewegen würde, Paris den Griechen auszuliefern, denn sie dürsten nach Rache und Hektor und Troja wären gerettet. Man munkelt, dass Hekuba dem Odysseus übereignet werden soll, damit sie ihm den Haushalt führe und Penelope mehr Zeit für ihren Webstuhl zur Verfügung habe. Hekuba hält Andromache für einfältig. Glaubt die Naive etwa, Kriege würden wegen einer Frau geführt? Die Griechen sind nicht mit tausend Schiffen gelandet, weil sie Helena zurückholen, sondern Trojas Schätze rauben wollen.

Hat Helena, die gerade den Raum betritt, die Worte Hekubas mitbekommen? Sie soll sich nicht einbilden, dass der trojanische Krieg ihretwegen geführt wird. Die Angesprochene sieht in den Ausführungen Andomaches keinen Sinn und erklärt, dass es der Wunsch ihres Gatten Paris sei, mit ihr zu korrespondieren. Andromache kann sich nicht länger beherrschen. Ihr Gatte sei nicht Paris, sondern Menelaos! Sparta sei der Ort, wohin sie gehöre. Wie sieht es eigentlich mit ihrem ehelichen Gelübde aus? Hat sie die geweihten Bande ihres Heimes nicht wahrgenommen? Nein, Sie kann sie nicht gespürt haben, denn eine Hure sei eben keine Gattin. Nicht Liebe zog sie zu Paris, sondern Lust. Paris habe seine Liebeskünste von anderen Huren gelernt, die Helena vorausgingen. Hekuba ermahnt die Aufgebrachte, sich zu beherrschen. Schmähungen seien nicht angezeigt. Die Ehebrecherin soll nach Griechenland zurückkehren und dem Krieg ein Ende machen. Er wird aber nicht enden, korrigiert Hekuba.

Helena kleidet sich in Hochmut und geht voll in Opposition. Es berühre sie nicht, wenn Andromache rast. Sie kann nicht wissen, wer sie ist und was sie ist. Helena bezieht sich auf einen Dialog zwischen Männern, die geäußert haben sollen: „No wonder Greeks and Trojans go to war for such a woman.“ Sie sprachen wahr, denn sie sei in der Tat die Tochter des Zeus. Gezeugt wurde sie, als seine gewaltigen Schwingen über Leda zusammenschlugen. Hausfrauen, ihresgleichen, können überhaupt nicht begreifen, was Männer in ihren Armen fühlen. Wenn die beiden Frustrierten von Lust und Hurerei sprechen, prallen diese Worte an der Wirklichkeit der Liebe ab, deren Sturmwind Ganymed gen Himmel trägt. Helena spricht von Begierde und brennender Ekstase, die jeden Preis wert sei - auch den der Ehre.

Jetzt ist es Hekuba, die ausrastet. Muss Troja zur brennenden Hölle werden, damit die ungeliebte Fremde ihrer Eitelkeit frönen kann? Hätte sie selbst doch den Paris nach der Geburt erwürgt, wäre Helena jetzt nicht in Troja. Beide Frauen starren sich hasserfüllt an. Man beginnt anschließend zu beten. Jede der drei Widersprüchlichen fleht die Göttin an, die sie für ihre Wünsche vor ihren Karren spannen möchte. In diesem Moment überkommt Andromache die furchtbare Ahnung, dass Hektor dem Achilles im Zweikampf unterlegen war und bereits tot ist. Die Dienerinnen erkundigen sich, ohne die Stimmung der Fürstin aufzufangen, ob Hektor bald komme, denn das Bad sei geheizt.

FÜNFTES ZWISCHENSPIEL

König Priamos ist nunmehr die Kunde von Hektors grässlich entstellter Leiche schonend beizubringen. Einigen Dienerinnen bricht die ruchlose Tat entweder das Herz oder raubt ihnen den Verstand. Von der feinen englischen Art hatten die Alten Griechen keine Vorstellung. Dem Besiegten, wenn er denn tot war, wurde nicht nur die Rüstung ausgezogen, sondern auch das Hemd. Der Körper wurde verstümmelt und blutüberströmt öffentlich zur Schau gestellt.

Achte Szene:

Paris schiebt Pflichtgefühl vor und sagt dem Vater zweimal in aller Deutlichkeit, dass Achilles es gewesen sei, der seinen Liebling getötet und schändlich zugerichtet habe. Priamos hat noch ausreichend Energie, den Schadenfrohen zu beschimpfen. Wie gern hätte er den Weiberhelden, der zum Kämpfen zu feige war, entbehrt und Hektor behalten. Zum wiederholten Male bereut er, dass er ihn nach der Geburt nicht sogleich erwürgt habe. Paris fühlt sich gekränkt und ungerecht behandelt. Er erklärt, dass er jetzt losgehe, um den Achilles zu töten. Korrekterweise sei eingefügt, dass dem Bogenschützen das Unternehmen tatsächlich gelang, aber auch nur deshalb, weil Apollo auf seiner Seite stand und den Pfeil ins Ziel lenkte, als er von der Bogensehne schnellte. Das Ziel war die Achillesferse, der einzige nerwundbare Körperteil. An dieser Stelle hatte seine göttliche Mutter den Säugling gefasst und in den Styx getaucht, um den Körper gegen Verletzungen immun zu machen. Rätselhaft ist allerdings ist, weshalb der abgehärtete Held an dieser bescheidenen Blessur stirbt, anstatt davonzuhumpeln. Die andere Version, dass Achilles zu Tode kam, weil die Amazonenkönigin Penthesilea, die auf Seiten der Trojaner kämpfte, ihn zum Fressen gern hatte, ist genau so unglaubwürdig. Deshalb steht von dieser Unart auch nichts im Libretto.

Priamos jammert, dass die Gegenwart für ihn schwer genug sei, und findet es überflüssig, von der Vergangenheit verhöhnt zu werden. Der oftmals erwähnte junge Krieger taucht auf und setzt dem Verzweifelten auseinander, dass jede Gewalttat eine andere zur Folge hat. Nach dieser Eröffnung begehrt Priamos nur noch seinen eigenen Tod. Aus der Ferne kündet ein naseweiser Chor, dass Paris von Agamemnon den Tod zu erwarten habe. Immerhin ist die Information ein kleiner Trost und weckt des Königs Lebensgeister. Als Nächstes legt Priamos sich mit dem Alten an, weil er den Traum Hekubas falsch gedeutet und ihn über Hektors Tod nicht informiert habe. Der Traumdeuter entschuldigt, dass er die Wahrheit gesagt habe, soweit er sie kannte. Priamos flucht der Amme, seinen Eltern, seiner Seele und allen anderen, bis er erschöpft zusammenbricht.

SECHSTES ZWISCHENSPIEL

Dem Publikum wird nun erneut Einblick in das Zelt des Achilles gewährt. Der Missmutige sitzt neben einer Leiche und grübelt. Es ist nicht sein Freund Patroklos, sondern der tote Körper gehört zu Hektor. Achilles rät ab, das Laken wegzuziehen, weil es die Pietät gebietet, Unappetitlichkeiten vom Opernpublikum fernzuhalten.

Neunte Szene:

Im Zelteingang erscheint plötzlich und unverhofft Priamos. Er ist waffenlos und hat Geschenke dabei - Hermes hat ihn hergeführt. Er komme, um den Leib seines Sohnes Hektor loszukaufen. Mutig! Mutig! Rhetorisch geschickt, versteht der Alte es, den Griechenhelden für sein Begehren einzunehmen. Er umfasst seine Knie und küsst die „schrecklichen menschenmordenden Hände“. Priamos wirft sein fortgeschrittenes Alter in die Waagschale und verweist auf die Rolle des liebenden Vaters. Mit Hektors Tod habe er nichts mehr, was ihm bleibt. Der Großmütige soll ihm den geschundenen Körper nicht missgönnen und für eine ehrenvolle Bestattung freigeben.

„Old man, I am touched.
Brutal Achilles has felt pity!
You shall have the body to take back to Troy.
Patroclos, do not be angry
When you hear in the dead lands
That I gave Priam Hector’s body back.
Fare well!” 

Ohne fürstliches Lösegeld läuft nichts! Achilles hat plötzlich das Bedürfnis nach Konversation und lädt den Greis zu einem Gläschen Rotwein ein. Boshaft lässt Priamos den Gastgeber raten, wer ihn töten könnte. Sein Sohn Paris wird es sein, tönt er siegesgewiss und der Alte sollte tatsächlich recht behalten. Erstaunlich! Erstaunlich! Wer tötet Priamos, will der andere wissen? „Neoptolemos, des Achilles Sohn!” Die weisen alten Griechen, was sie alles im Vorfeld schon herausgefunden hatten!

SIEBTES ZWISCHENSPIEL

Im Tempelchen erscheint plötzlich Paris. Er sucht seinen Vater und begehrt, nun endlich umarmt zu werden.

„I have killed Achilles and avenged Hector. Embrace me, father!”
„You ask to much!” ist die abweisende Antwort. 

Pech gehabt, armer Paris! Hermes soll nicht ins Abseits gedrängt werden. Er tritt als Todesbote auf und fasst zusammen was die nächste Szene bringen wird.

Zehnte Szene:

Schon fühlt Priamos die Luft von einem anderen Planeten. Die Welt, die er betritt, kann nicht durch ihn sprechen, sondern sich nur durch Musik mitteilen. Nur Helena wird noch den Vorzug haben, persönlich, direkt und sanft angesprochen zu werden. Den letzten Lebensfunken nutzt Priamos, um den Kontakt zu seiner Schwiegertochter aufzunehmen.

„Mysterious daughter, who are you?”
„I am Helen!”
„Have I been gentle with you?”
Neither you nor Hector
never by word or deed reproached me.” 

Der König erkundigt sich noch, ob sie Paris geliebt habe. Ein klares „Ja“ ist die Antwort. Sie wird nach Griechenland heimkehren, denn Troja sei dem Untergang geweiht.

Des Königs Geist ist bereits auf dem Weg ins Totenreich. Im engsten Familienkreis streitet man sich noch ein bisschen um Vergangenes und Zukünftiges. Vom Schwert des Neoptolemos durchbohrt, sinkt Priamos am Altar zu Boden, das Orakel zu erfüllen. Seine Lippen bewegen sich lautlos. Die Umstehenden sind betroffen und sich des geschichtlich bedeutsamen Moments bewusst. Hermes gibt dem Toten das Geleit in die Unterwelt.

Anmerkung:

Die Ilias des antiken Dichters Homer zu einem Opern-Libretto aufzubereiten ist immer ein heikles Unterfangen, welches fast an Vermessenheit grenzt. Michael Tippett ist das Risiko eingegangen und stellt Auszüge aus dem gewaltigen Epos in einen neuen Kontext. Dem Komponisten geht es um eine Antwort auf die Frage, ob der Mensch die Möglichkeit hat, an seinem vorbestimmten Schicksal etwas zu korrigieren. Oder soll man den Mächten ihren Lauf lassen, nicht rebellieren und Dinge tun, die ethisch anfechtbar sind? Am Beispiel der Lebensgeschichte König Priams demonstriert der Komponist seine Botschaft. 

König Priamos will sich seiner Vorbestimmung entziehen. Das Orakel lautet, dass er zu Schaden kommen wird, wenn sein Sohn Paris am Leben bleibt. Er versucht, seinerm Schicksal zu entgehen und ordnet die Tötung des Säuglings an. Doch das Endresultat kann er nicht verändern. Wie ein wilder Bach sucht die Vorbestimmung ihren Weg mit Blick auf das Ziel. Tippetts Oper ist eine Herausforderung, das eigene Leben zu vergleichen und gibt letzthin doch die Antwort, dass Rebellion und Widerspruch zwecklos sind.

Der Komponist hat wichtige Szenen aus dem Leben und dem Umfeld der trojanischen Familie eingefangen und hält sich im wesentlichen an die homerische Vorgabe oder erweitert sie zum besseren Verständnis seiner Philosophie. Mit dem Baby in der Wiege beginnt auch schon die Verstrickung. Die Szene mit dem Apfel leitet die Katastrophe ein. Der trojanische Krieg ist nicht mehr abzuwenden. Der zweite Akt bringt uns den Streit der feindlichen Brüder Hektor und Paris. Hermes geleitet den Zuschauer in das Zelt des Achilles, der seinen Freund Patroklos in seiner Rüstung in die Schlacht entlässt. Patroklos, der die Brandschatzung der griechischen Schiffe verhindern will, wird getötet und von Achilles gerächt.

Im dritten Teil gehen die verfeindeten Frauen Hekuba, Andromache und Helena verbal im Streit aufeinander zu. Priamos gelingt es, die entstellte Leiche seines Sohnes auszulösen. Trotzdem wird Achilles mit Hilfe Apollos durch Paris getötet. Dieser erhofft nun endlich die Liebe seines Vaters zu erringen, doch das Rad des Schicksals lässt eine Aussöhnung nicht zu. Zu gewaltig agiert der Kosmos, als dass das Steinchen eines Einzelnen im Getriebe etwas ausrichten könnte. 

Fasziniert von der gewaltigen Komposition, welche die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers fordert, bleibt es dem Besucher überlassen, die individuelle Antwort auf die Frage nach der Unausweichlichkeit von Ereignissen so zu beantworten, wie sein Innerstes es ihm eingibt. Tippetts Komposition hat großartige Momente, welche die Spannung wach halten, obwohl die großen melodischen Bögen fehlen. Wenn der Zuhörer Nutzen ziehen will, muss er sich das Werk über den geistigen Gehalt erarbeiten. 

Die Uraufführung alternativ mit Brittens "War Requiem" in der geschundenen Stadt Coventry nach dem beendeten Zweiten Weltkrieg aufzuführen, war eine kluge Entscheidung. Die Oper klagt nicht an, sondern untersucht und analysiert kosmische Abläufe.

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen

 


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