musirony - Die Zauberin - Part 1
 

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Schöne Oper - selten gehört


Foto: Thomas Reheis


Peter Tschaikowski [1840-1893]

Die Zauberin 
Tscharodeika - The Enchantress


Oper in vier Akten

Libretto von Modest Tschaikowsky
nach einem Drama von Ippolit Schpashinski


Uraufführung am 20.10.1887 in St. Petersburg am Marinsky Theater
unter Leitung des Komponisten

Darsteller:
Nastasja, genannt Kuma, Schankwirtin eines rustikalen Gasthauses am Oka-Fluss
Fürst Nikita Danilitsch Kurtjatew, Gouverneur von Nischni-Nowgorod, begehrt Kuma
Prinz Juri, sein Sohn, ein Bärenfänger, von Kuma geliebt
Fürstin Eupraxia, eifersüchtig auf Kuma
Kudma, ein Hexenmeister, gibt der Fürstin das Gift
Iwan Shuran, Jagdgefährte Juris, treu ergeben
Paissi, ein Bettelmönch, heuchlerisch und verschlagen
Polya, Freundin Kumas
Mamirow, mürrischer Begleiter des Fürsten, erfolglos
Nenila, kräftig gebaute Dienerin der Fürstin
Im Gefolge Kumas: Foka, Balakin, Potap, Lukasch, Kitschiga

Russland im 15. Jahrhundert



INHALTSANGABE


VORSPIEL

Erster Akt:

1
Nicht weit von der Stelle, an der die Oka in die Wolga mündet, besitzt Kuma ein Gasthaus. Eigentlich heißt die schöne Wirtin Nastasja, aber liebevoll nennt die Bevölkerung sie Kuma. Die Menschen lieben es, bei ihr einzukehren, zu schlemmen, zu singen und ihren Spaß zu haben. Allerdings sind ihr nicht alle wohlgesonnen. In Nischni gehe das Gerücht um, Kuma sei eine Zauberin. Es ist natürlich blanker Unsinn was Balakin erzählt. Überdurchschnittlich gutes Aussehen und ein hoher Beliebtheitsgrad berechtigen nicht zu solcher Annahme. Doch der Pessimist bleibt bei seiner Ansicht und behauptet sogar, dass die alten Frauen in ihren Gebeten den Himmel anflehen, Kumas Gasthaus anzuzünden und sie selbst in der Oka zu ertränken. Missgunst treibt oftmals seltsame Blüten. Es wird schlimm für Kuma werden, denn der Fürst, welcher in Nischni-Nowgorod die Gerichtsbarkeit ausübt, sei ihr nicht wohl gesonnen. Alles Unsinn! Der Gästechor steht auf Seiten der schönen Wirtin und ist nicht bereit, sich den Spaß vermiesen zu lassen. 

2
Was hat der Bettelmönch eigentlich hier zu suchen? Er lügt, dass sich die Balken biegen. Paissi erzählt Foka, dass ihm im Traum ein Erzengel erschienen sei. Er habe sich eine Feder, prächtiger als das Morgenrot, aus dem Flügel gerupft und ihm gegeben. Der fromme Bruder soll endlich das Lügen lassen. Nur wer schwach im Glauben ist, hat in seinem Herzen für Geheimnisse kein Gespür. Foka stellt ihm einen Becher hin, denn wer den Becher an die Lippen setzt, kann nicht gleichzeitig dummes Zeug reden. Der Herr pflanzte den Wein und der Teufel presste ihn aus - zum Untergang aller Menschen! Wein ist ein Produkt des Teufels und ein Attribut seiner Macht. Der Satan hat der Menschheit beigebracht, wie man ihn destilliert. Wein erwärmt das Fleisch, der Teufel soll gesegnet sein, meint Foka. Paissi hat Angst, dass der Rachen der Hölle ihn eines Tages verschlingen wird, kann es aber nicht lassen, Fokas Einladung, unentwegt anzunehmen. Mit Tränen der Sorge nippt der fromme Bruder an seinem Becher, ist den Tränen nahe und beschuldigt Foka, ihm den Pfad zur Hölle gewiesen zu haben. 

3.
Zwei Gäste geraten in Streit. Es kommt öfters vor, dass einer den anderen beschuldigt, ihn bestohlen zu haben oder beim Spiel zu mogeln. Schnell beruhigen die Streithähne sich wieder. Der Mädchenchor singt ein Liebeslied und schon ist die Welt ist wieder in Ordnung:

Ich werde ausgehen.
Ich werde ausgehen in das Tal.
Ich werde gehen auf die Wiese.
Ich werde auf einen Schneeballbaum klettern
Und einen Zweig abpflücken.
Sie wird in die Arme des Liebsten sinken
Und sich ausruhen. 

Haben Nastasja und ihre Freundin Polja nicht wunderschön gesungen? Kuma sammelt die gewohnten Komplimente ein und ist sich der Wirkung ihrer Persönlichkeit voll bewusst. Sie versteht es immer wieder aufs Neue, ihre Stammgäste für sich einzunehmen. Auf der grünen Wiese ist sie gewesen und hat mit den Mädchen nach essbaren Beeren Ausschau gehalten. Die offene Landschaft hat ihr Lied aufgefangen. Will der stille Wanderer nicht den Weg mit ihr gemeinsam gehen. Warum ist er so traurig? Ach, wie langweilig wäre es ohne Nastasja!

4
Nun nehmen die Mädchen Paissi aufs Korn. Wie hat die gesegnete Seele den Weg eigentlich hier her gefunden? „Kshi Kshi!“ Die Mädchen necken ihn ob der Einhaltung des Zölibats. Paissi glaubt, Kuma maßregeln zu müssen. Wie kann eine Witwe leben, ohne Reue zu empfinden, ohne unablässig auf Buße zu sinnen? Der Männerchor übernimmt die Verteidigung Kumas. Der verrückte Mönch soll nur weitertrinken! Lachen sei nicht Sünde! Foka, der sich allgemein als Friedensstifter betätigt, soll ihn ein bisschen an die frische Luft führen, damit der frische Sauerstoff die Aggression eindämmt. 

5
Die Gäste, die Kumas gastliches Haus besuchen wollen, müssen sich kräftig in die Ruder legen, denn eine Zufahrt für die Pferdedroschke existiert nicht. Es gibt nicht einmal einen Trampelpfad. Über Neuankömmlinge freut man sich immer und alles steht am Ufer und winkt ihnen entgegen. Diesmal bringen sie keine freudige Nachricht. Bei der Behörde sind Beschwerden eingegangen wegen nächtlicher Ruhestörung der Forellen, ausgelassenem Gesang, übertriebenem Alkoholgenuss und unerlaubtem Glückspiel. Der ewig missmutige Schreiber Mamirow ist Kuma wie der gesamten Bevölkerung nicht wohlgesonnen und versucht den Vizeregenten auf seine Seite zu ziehen. 

Kitschiga und Lukasch haben Proviant eingekauft und kleine Geschenke für artige hübsche Mädchen. Die Ladung wird entsorgt und dann ist man mit den anderen fröhlich und vergisst, dass sich ein Unwetter über ihren Häuptern zusammenbraut. Kichiga ist nach Ringkampf zumute, Kuma lässt sich nicht konfus machen und besingt die heimatlichen Gefilde.

Zu schauen von Nischni,
vom steilen Berghang
auf Mütterchen Wolga,
ihre Erhalterin, steht Kuma der Sinn.
Gelber Sand und grüne Wiesen,
es ist der Ort, an dem sie umarmt
ihre Schwester Oka.
Welch eine Weite dehnt sich aus! Es gibt kein Ende!
Es gibt kein Ende... 

6
Potap kündigt an, dass der Prinz von der Jagd zurück sei und auf einen Sprung vorbeikommen wird. Das Boot mit seinen Jägern ist schon in Sicht. Die Gäste treten ans Ufer und blicken in die Richtung, in welche alle Augen sich drehen. Polja bekennt, dass sie den Prinzen noch nie gesehen habe, aber alle würden sagen, dass er stattlich sei. Für Kuma ist es ein Signal, ihr Herz überquellen zu lassen. Klar sei er wie der junge Tag. Sein Wuchs sei stattlich, die Stirn mächtig und die Augen brennen vor Courage. Über seinen roten Lippen kitzelt ein schwarzer Schnauzbart. Er sei freundlich und kameradschaftlich zu jedermann. Wo etwas verkehrt läuft oder Gewalt angewandt wird, schreitet er ein. 

Die Boote sind näher gekommen. Im ersten befinden sich Prinz Juri und sein Jäger Shuran. Auf dem Boden liegt ein getöteter Bär. Die Jäger treten ans Ufer und der Prinz wird von den Frauen umschmeichelt. Er sei ihr lieber Kumpan, ihr Prinz, und ihre prächtige Sonne – alles in Personalunion. Die Männer fordern sich gegenseitig auf, nach ihrem lieben Falken zu schauen.

Leider ist der liebe Falke nicht in Stimmung. Er ist müde von der Jagd, dankt für die freundlichen Worte und lässt sich entschuldigen. Sein Kumpan Shuran wird Geselligkeit produzieren und ihn vertreten. Des Prinzen Entschuldigung wird bereitwillig angenommen und man wünscht eine Weiterreise. Die prächtige Sonne hat nur für einen Moment geschienen und beeilt sich nun nach Hause zu kommen. Lebewohl, süßer Prinz, rufen die Mädchen hinterher.

Warum hat die freundliche Wirtin den Prinzen nicht zu sich gerufen? Ach, Kuma weiß es nicht, einen Fehltritt wird sie sich gewiss nicht erlauben. Lukasch macht sich ebenfalls seine Gedanken.  Auf dem seidigen Rasen wurde ein Fußabdruck gemacht. Wessen Fuß war es?  Er gehört nicht zum Vater, er gehört nicht zur Mutter, aber er gehört zum süßen Liebling. Wenn Nastasja sich in der Nähe des Prinzen befangen fühlt, dann ist er wahrlich ein Adler. Juri ist ein Adler, tönt der Männerchor. Kommt herbei, schöne Mädchen. Wir wollen ein lustiges Kreisspiel aufführen. Der Pfad ist gekennzeichnet mit blauen Blumen. Der Mädchenchor wiederholt die Strophe. Auf dem seidigen Gras wurde ein Fußabdruck gemacht. Zu wem gehört dieser Fuß? Er gehört nicht zum Vater, er gehört nicht zur Mutter, denn es war mein süßer Schatz.

7
Der Vizepräsident, der Vizepräsident! Rennt schnell! Er scheint einen Überraschungsbesuch zu planen. Es bedeutet Unglück für Nastasja. Gebt Obacht! Macht keine Fehler! Balakin sagt es, Shuran sagt es und der Chor wiederholt es. Einige Gäste gruppieren sich um Balakin und gehen weg, andere bleiben bei Potap und wollen ausharren. Foka und seine Gehilfen räumen die Getränke von den Tischen. Doch Kuma kommandiert, nichts anzurühren und alles so stehen zu lassen wie es ist. Der Sturm gilt ihr, er muss seinen Weg nehmen. Möglicherweise wird man ihr Haus niederbrennen. Aber was wird mit ihr selbst geschehen? Alle sind verunsichert, doch was sie sagt, ist richtig. Lukasch und die anderen wollen Nastasja verteidigen, falls man versucht, ihr etwas anzutun. Niemand soll es wagen, sie anzurühren. Zuerst wird Mamirow das Rückgrat gebrochen und dann die Hälse der Polizeioffizieren um einhundertachtzig Grad gedreht. Mit ihren eigenen Waffen wollen sie die Hunde schlagen. Kuma findet ihre Besorgnis rührend, aber die geplanten Maßnahmen seien untauglich. Die anderen sind inzwischen zurückgekehrt und lassen sich von Kuma beruhigen. Ihrem Mienenspiel entnehmen sie, dass sie einen Plan hat. Sie lässt die Tische mit frischen Tüchern bedecken, ordnet an, Geschirr aufzutragen und Mengen von kostbarem Wein bereit zu stellen. Foka und seine Leute beeilen sich, Kumas Maßnahmen zu durchzuführen. 

8
Dem Boot entsteigt Fürst Danilitsch in Begleitung seines Sekretärs Mamirow. Polizeioffiziere hat er dabei und eine Anzahl Domestiken. In gespielter Einfalt schauen Foka, der gottesfürchtige Mönch, Polja und die Mädchen aus dem Fenster. „Aha, hier ist also das schmutzige Nest von Zügellosigkeit!“ „Es ist ein Hort von Aufwieglern, mein Fürst! Mit teuflischen Spielen, lockeren Liedern und Frauentänzen, um auf profane Art die Männer anzulocken, vergeht der Abend und die halbe Nacht.“ Der fromme Klosterbruder sieht einen Vorteil darin, ich auf die andere Seite zu schlagen. „Ja, an diesem Ort herrscht Schwelgerei und Ausbeutung von Körper und Seele.“ Mit bedrohlichen Gästen umringen die Männer den vorlauten Schreihals. „Ruhe, jeder bekommt hier meinen Stock zu spüren. Wo ist die Hostess?“ Der Fürst präsentiert Autorität. 

Kuma kommt hervor und verneigt sich mit Respekt aber würdevoll vor dem Fürsten. „Sie ist also die Zauberin.“ „Für die Augen ihrer Hoheit immer noch brünett“. Eine kesse Antwort, die Eindruck schindet. Im Mienenspiel des Fürsten macht sich bereits Wohlwollen breit. Wer ist sie und wo kommt sie her? Sie ist Witwe und Waise (wie schrecklich) und ohne jede Verwandtschaft. Dank der Milde des Fürsten darf sie hier wohnen. Sie gibt den Reisenden Schutz und Rast. Foka, das Faktotum für alles und Polja haben eine mit rustikalen Motiven gestickte Decke auf dem Tisch ausgebreitet und schicken sich an, einen Purpurläufer auf der Sitzbank auszurollen. Wohnkultur ist in diesem Hause nicht unbekannt. Jetzt meldet sich Mamirow zu Wort. „Warum hat die Schergin des Teufels sich herausgeputzt?“ Eine Gruppe umringt drohend den Angreifer. Aus dem Hintergrund wird der Schreiber als verdammter Räuber und Geizhals beschimpft. Kuma beschwichtigt und lässt vernehmen, dass der Souverän möglicherweise mit ihnen rechnet, um die Wahrheit herauszufinden und hat damit beiden Parteien geschmeichelt.

Ja, solche Worte machen Sinn! Der Fürst ist angetan. Der Sekretär ist es nicht: Es ist vollkommen müßig zu diskutieren, weil es zu nichts führt. Alle werden ins Gefängnis verfrachtet. Die Bude wird angezündet und dann ist Ruhe. Sie soll hören, was der Sekretär sagt! Schändlichkeiten aller Art seien ihm zu Ohren gedrungen. Trunkenheit, Tanz, zweifelhaftes Amüsement und alle Arten von Gräueln wurden an diesem Platz vorgefunden.

Der Sekretär strebe an, sie mit Verleumdung und Beleidigung zu zerschlagen, aber sie vertraue darauf, dass der Fürst Falschheit bestrafen und Erpresser hinrichten lassen würde. Sie zweifelt weder an seiner Gerechtigkeit noch an seiner Gunst, Freundlich ist der Fürst zu allen, die treu sind in ihrem Herzen und ihm die Wahrheit servieren. Aber es gibt eine Reihe von Deklamationen, die aussagen, dass sie eine schlimme Hexe, gar eine Zauberin sei. Ihre Verzauberung bestehe darin, dass sie ihre Gäste freundlich empfange und sie mit warmer Herzlichkeit und einem freundlichen Wort begrüße. Niemand muss an diesem Ort befangen sein, kann frei atmen und bekommt Mitgefühl für seine Sorge.

Für törichtes Benehmen bittet die Unwissende im Voraus um Vergebung, aber der Fürst möge ihr doch bitte erlauben und ihr die Ehre geben, ihn an seinen Tisch zu einem Schluck Wein geleiten zu dürfen. Sie bittet nachdrücklich, ihr diese Ehre nicht zu verweigern und der Fürst willigt ein, bemerkt aber, dass sie ganz schön gerissen sei. Der Chor lässt es sich nicht nehmen, den Ablauf des Geschehens positiv zu vermerken. Kuma rennt los, um Wein zu holen. Mamirow macht eine hilflose Bewegung mit den Armen: Jetzt macht sie ihn handzahm. Der Opernchor weiß sich vor Schadenfreude nicht zu lassen: „Schaut, wie der elende Schreiber sich krümmt!“ Dieser will noch ein paar Ausführungen machen, doch der Fürst erinnert, dass er jetzt am Tisch sitzt und in amtlicher Funktion nicht mehr zu erreichen sei.

Mamirow verhält sich unbeherrscht. Hat Hoheit sich nicht aufgemacht, um das Rattennest auszuheben? Dieses Sodom hier sei eine Basis für jede Versuchung und wird der Anfang der Gesetzlosigkeit sein. Der Weibsteufel wird noch jeden ruinieren, der sich ihr nähert. Eine schwere Sünde wird der Fürst auf sich laden, wenn er sich nicht entschließen kann, Haus und Hexe einzuäschern. Was fällt Mamirow überhaupt ein, zu denken, dass sein Souverän eine Sünde begehen könnte. Ist er ein Priester? Der Gescholtene bittet um Gehör, doch gereizt erklärt der Fürst, nicht geneigt zu sein, seinen Vorstellungen zu entsprechen.

Kuma merkt, dass sie gegen den Sekretär die Oberhand gewinnt. Mit dem Fürsten kam die Seligkeit. Er steht auf gegen Arglist und Falschheit und räumt auf mit Verleumdung und Dunkelheit. Sein Adlerauge hat die Bosheit entdeckt. Der Fürst möge ihr noch mehr Milde anbieten, sich nicht befangen zeigen und den Wein versuchen. „Ja, schaut, er trinkt“ der Opernchor ist freudig überrascht. Der Schreiber wird immer ärgerlicher. Jetzt setzt der Fürst den Kelch ab, er hat ihn leergetrunken. „Hier ist einiges für dich!“ Er streift den Ring an seiner Hand ab und wirft ihn in den leeren Becher. Eine ungewöhnliche Geste, der Fürst gab den Ring von seinem Finger.

9
Das Ereignis ist so überwältigend, dass Peter Tschaikowsky das gesamte Ensemble solistisch daran teilnehmen lässt. Jedem ist es erlaubt, zu singen, was er denkt. Da alle gleichzeitig denken, versteht ein Außenstehender kein Wort. Es jubeln: Polja, Balakin, Lukasch, Shuran,  Foka, Potap, Kitschiga und natürlich der Chor. Allen voran Kuma: 

Er gab mir diesen kostbaren Ring!
Er gab mir diesen goldenen Ring!
Er kam direkt zu Kuma von des  Fürsten Hand,
Ein exquisites Geschenk seiner Huld!
Er gab mir diesen kostbaren Ring!
Er gab mir den goldenen Ring!
Und direkt zu Kuma von des Fürsten Hand
Ein exquisites Geschenk seiner Huld!
Und ihr, jubelt mit mir,
Jubelt mit mir, jubelt mit mir.
Ah, welch eine Ehre und welche Huld, welche Freude,
Ihr alle jubelt, jubelt mit mir.
Welche Huld, welche Freude,
Ihr alle, freut euch mit mir.
Welche Huld, welche Freude, welche Ehre! 

Polja stimmt in den Jubel der fürstlich Beschenkten ein. Der Fürst gab ihr einen kostbaren Ring. Er zog ihn direkt von seiner Hand und warf ihn in den Pokal. Balakin, Lukasch Shuran äußern sich über Mamirow: Augenscheinlich tat der Überhebliche einen Fehltritt. Er wünschte, die Angelegenheit in seinem Sinn zu lenken und verrechnete sich. Der Fürst verweigerte ihm den Gefallen und biss sich an dem Köder nicht fest. "Wir sind glücklich mit dir! Welche Huld, welche Freude, welche Ehre!"

Der Fürst fühlt sich als Gockel: Oh diese Frau brennt zu ihm in Zärtlichkeit. Sie errötete und ihr Busen begann zu beben. Ja diese Frau brennt zu ihm in Zärtlichkeit. O ja, sie brennt! Jeder würde ihr bereitwillig alles geben, was sie sich wünscht. In Zärtlichkeit ist sie zu ihm entbrannt, sie hat ihn behext! Mamirow sieht die Sache anders, kommt aber zum gleichen Resultat. Mit Teufelskraft sie war fähig, ihren Fürsten in Versuchung zu führen. Unehre brachte sie über ihn. Der Chor fasst die Meinung aller nochmals zusammen. Huld und Ehre wurde Kuma zuteil, er gab ihr den goldenen Ring von seiner Hand, aber der Schreiber wurde abgeblitzt.

Nun macht Kuma einen Fehler, in Siegerlaune provoziert sie völlig unnötig den Würdenträger an der Seite des Fürsten. Möchte Mamirow vielleicht auch einen Becher Wein trinken? Sie fragt es voller Spott. Der Fürst tätschelt ihr die Wange und sagt, dass sie ihm einschenken soll. Die Gäste reagieren mit einem Heiterkeitsausbruch. Obgleich er frech war, soll er einsehen, dass er einen Schnitzer machte. Nastasjas Haus hätte er gern in Besitz genommen, er kam zu profitieren, aber Falschheit hat sich nicht ausgezahlt. Mamirow verhält sich steif und macht vor Kuma eine förmliche Verbeugung. Der Fürst ist schon ein wenig angeheitert. Der Wein macht trunken. Die Trunkenheit geht von Person zu Person. Nichts macht fröhlicher als der Wein.

10
Kuma wird übermütig. Darf sie den Witzbolden erlauben, den Fürsten zu amüsieren? Fürst Nikita fragt seinen Sekretär, ob er den Narren auch zuschauen möchte. Warum nicht? Alle Vielfraße, Betrüger, Diebe und Trunkenbolde sind hier an einem Ort versammelt. Der Fürst konnte keinen besseren Platz finden als Kumas Haus. Mamirow ist der einzige, der mit der Gesellschaft nicht tanzen möchte. Möglicherweise möchte er nicht gehorchen. Nastasja flüstert Nikita etwas ins Ohr. Ihm nicht gehorchen? Man soll den Spielverderber herbeirufen, dann wird man sehen! Die Spaßmacher haben sich in bunte Kostüme gekleidet. Der Fürst befiehlt, dass Mamirow tanzen soll. Dieser rümpft die Nase und will sich mit keinem Dämon einlassen. Hat er nicht gehört! Der Sekretär bittet den Fürsten, ihm diesen Ulk zu ersparen. Foka versucht, die Situation zu entschärfen, die Musik spielt und er wirbelt ihn gegen seinen Willen einfach herum. 

ZWISCHENAKTMUSIK

Zweiter Akt:

11
Angstvolle Gedanken stören Eupraxias Schlaf. Bis zum Morgen kann die Fürstin ihre Augen nicht schließen. Eine Wolke ist soeben über den Himmel gezogen. Nicht eines Sturmes Dunkel, sondern der Ärger und der Kummer der weiten Welt drücken auf ihre Seele und versprechen klagevoll Unglück. Was fällt den Mädchen ein? Wollen die Übermütigen sie verhöhnen? Besser täten sie daran, mit ihren Mitleidsbekundungen einzuhalten oder muss die Fürstin erst böse werden? Turbulente Winde jagen die Wolken der Betrübnis auseinander. Sonne sollen sie bringen! Das Herz der Bedrängten soll sich aufhellen. Gegenseitig fordern die Mädchen sich auf, Ausschau zu halten ob Sonne noch nicht in Sicht sei. Die Fürstin hat ihnen gesagt, dass sie aufhören sollen. Die Verärgerte wirft den Mädchenchor hinaus, denn er geht ihr auf die Nerven.

12
Mamirow soll schwören, dass er ihr die ganze Wahrheit erzählt. Gott möge ihn bestrafen und mit einem Blitz niederstrecken, wenn er den wahren Sachverhalt vor der Fürstin versteckt. Ist er mit dem Souverän zum Gasthaus am Oka-Fluss gegangen? Er selbst brachte den Fürsten hin, um das Nest auszuheben. Mit gerissenen Worten schlich die Hexe Nastaja schlitzohrig um ihn herum und brachte ihn dazu, seinen Missmut gegen Wohlwollen auszutauschen. Es beliebte Hoheit an diesem verrufenen Platz Wein zu trinken, und davon jede Menge. Der Fürst nahm seinen Ring vom Finger und vor allen Leuten warf er ihn als Belohnung in den Pokal, aus dem er getrunken hatte. Und was tat der Fürst danach? Er amüsierte sich mit den Narren. Die Leute sagen, die Hostess habe ihn mit ihren teuflischen Netzen umgarnt und jetzt müsse der Fürst ihr Liebhaber werden. Solches wagt Mamirow ihr zu sagen? Das Gerücht kündet, dass der Zauberin durch Magie alles möglich sei. Aber die Herrin soll Mitleid mit ihm haben und es dem Fürsten nicht weitererzählen. Die Gebetene kann es gerade noch versprechen, dann erleidet sie einen Schwächeanfall und gleitet zu Boden. 

13
Ihre Dienerin ist von kräftiger Statur. Wie ein Bündel hebt Nenila die Fürstin auf und setzt sie auf die Stufen, anstatt sie aufs Bett zu legen, denn sie möchte plaudern. Sie kann es nicht verstehen, dass der Fürst der Hoheitsvollen keine Beachtung mehr schenkt, denn sie sieht doch wundervoll aus. Wieso nimmt er keine Notiz von ihr? Nenila macht ihr Angst, sie soll still sein. Mamirow rät, sich nicht über diese Frau zu ärgern. Was zu tun ist? Umlegen, was sonst! Er spricht die Wahrheit. Danke, doch er soll jetzt gehen und sich merken, dass sie in Zukunft über alle Vorgänge am Oka-Fluss ausführlichen Bericht haben möchte. Wir werden Augen und Ohren finden, die alle Informationen sammeln. Wieso schämt der Fürst sich eigentlich nicht, in diesem Trinkhaus zu verkehren? Wie kann er diese schlangengleichen Lippen küssen, sie liebkosen und in diese schamlosen Augen schauen? 

Akh, matuschka-knjaginjuschka! Ach Fürstin-Mutter, es ist genug. Sie soll sich doch nicht selbst quälen, wie eine weißbrüstige Seemöwe schluchzt sie. Einmal sei sie schon selbst in dem kleinen Gasthaus der schändlichen Kuma gewesen. Absolut Sünde, was dort abläuft! Welche Sünde? Die Fürstin möchte eine detailgetreue Beschreibung bekommen. Nein, es ist genug! Die Wissbegierige soll ihr Herz nicht überanstrengen. Gott wird mit ihr sein! Ein bisschen kennt Nenila sich in der Zauberkunst auch aus und ist durchaus in der Lage, gut gemeinten Rat zu erteilen. Als Erstes soll die Herrin die Unterkleidung des Hausherrn in magischem Wasser einweichen. Dann gibt es noch einen Stein, im Volksmund heißt er ‚Der Umschwenker’.  Binnen kurzer Zeit bringt er jeden treulosen Mann zurück. Am besten wirke allerdings ein Wunderkraut. Was Nenila jetzt erzählt, sei keine Lüge! Es kann sprechen und sagt mit klarer Stimme “Ukh, Ukh“. Sein Name ist ‚Der Rufer’ Wer immer davon einen mundvoll nimmt, gibt seine Seele zu Gott und hat in Zukunft weder zu seufzen noch zu klagen. „Der Himmel weiß, was du sagst. Närrin, lass mich allein und verschwinde.“ Kopfschüttelnd entfernt sich Nenila. Wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen!

Die Fürstin führt ein Selbstgespräch: Vom Unglück wird sie sich nicht niederdrücken lassen. Dieser Grasnatter wird es auf keinen Fall gelingen, ihre stolze Moral zu entwürdigen. Sie denkt nicht daran, den Rest ihrer Tage demütig in einem Kloster zu verbringen, um in Grabesnähe ihres Kummers zu gedenken. Nicht zulassen wird sie, dass eine Sünderin ihr Heim mit Schande bedeckt. Gnadenlos ereilt sie die Vergeltung, denn alles was die Hexe ihr antut, wird sie ihr heimzahlen.

14
Ihr einziger Sohn ist der Fürstin großer Stolz. Er ist prachtvoll gebaut und stattet der Mutter den allmorgendlichen Besuch ab. Aus dem Fenster sieht sie in kommen. „Hallo Juri, hast du gut geschlafen?“ Von was er geträumt, vielleicht von der Geliebten? Die Eltern haben eine gute Wahl für ihn getroffen und eine vortreffliche Verlobte für ihn reserviert, denn sie sind um sein Glück besorgt. Gehorchen will er ihnen in allen Dingen. Er habe nachgedacht, aber sein Schicksal sei ihm nicht so wichtig. Über was will er mit der Mutter sprechen? Sie soll nicht ärgerlich sein und ihm seine Kühnheit vergeben. Er habe beobachtet, dass in der Familie möglicherweise nicht alles in Ordnung sei. Er sieht die Betroffenheit in ihrem Gesicht, aber sie versucht, ihr Geheimnis vor ihm zu verbergen. 

Wenn sie ihre Zunge hütet, kann er weiterhin ohne Kummer und Ärger leben, überlegt sie. Doch er sieht den Schmerz in ihren Augen und hakt nach. Vater – den Eindruck habe er – sei nicht mehr derselbe, denn mehr und mehr bestimme Nörgelei und Gekeife den Dialog mit ihm. „Wir leben mit Vater wie immer.“ Doch Tränen machen ihre Augen trübe und ihre Seele ist voller Angst. Welcher Teufel ist zwischen sie gefahren? Was schmerzt sie? Ist Vater die Ursache? Sie soll sich nicht selbst quälen. Genug, sie versuche mit ihrem Kummer zu leben und will ihn nicht belasten, es würde ihn nur verzweifelt machen. Doch mit seinem ganzen Herzen steht er auf ihrer Seite. Er ist ihr Schatz und Gott möge die Familie in Glückseligkeit leben lassen. Sein Friede sei für sie wichtig. Von Gott hat sie keine dringendere Gunst zu erbitten als sein Glück. Juri hat die gleichen Wünsche für die Mutter wie sie für ihn. Ihre Sorge sei auch die seine. Es sei sinnlos, die Wahrheit vor ihm zu verstecken. Doch die Fürstin verrät sich nicht. Die Szene will kein Ende finden. Man versichert sich gegenseitig unaufhörlicher Fürsorge und Schonung.

15
Abwechslung bringt Paissi „Ich wurde gerufen und ich komme“ Der fromme Bruder tritt ein und verbeugt sich. Juri sagt, dass er ihn nicht gerufen habe, aber er solle sein Anliegen vortragen. Dreist behauptet Paissi, dass er gerufen worden sei, allerdings weiß er nicht, von wem. Egal, was will er? Er sei Mönch und ein Hirte kranker Seelen. Er gehe zu denen, die schwach sind und unter grauenvollem Kummer leiden. Wer wartet nicht auf Gottes Botschafter und sehnt sich nicht nach himmlischer Beschirmung? Der Herr verweigert sich nicht, auch nicht vor dem Kummer des Fürstenhofes. Überall, wo Kummer und Trauer herrscht, geht Gottes Wanderer hin. Der menschliche Kampf fordert Gottes Strafe heraus für ein sündenvolles Leben. 

„Wo ist diese Krähe gelandet?“ In seiner sprachlichen Formulierung mit dem Volk ist Mamirow nicht wählerisch. „Der Pöbel hat dich gerufen und du kamst hier her.“ „Oh, mein Fehler, es scheint, ich verlor meinen Weg.“ Er sei im Ausdruck nicht sehr gewandt und habe von höfischer Etikette keine Ahnung. Deshalb solle man ihm vergeben. „Podai vemu“ Juri gibt Mamirow Order, ihn wegzuschicken. „Wir haben hier kein Futter für Vagabunden.“ Paissi hebt die Hände zum Himmel. O Gott, welche Schmähung zu ihm. Den Botschafter Gottes aus dem Haus zu jagen, sei eine schwere Sünde. „Kopeiku luchsche dat!“ Besser sei es, eine Kopeke zu geben. Er sei ein Tagedieb, ein streunender Hund. „Pomilui, gosudar!“ Habe Mitleid, mein Herr. „Molchat“ Hau ab! Paissi dreht sich furchtsam um und ist im Begriff zu gehen. Mamirow überlegt es sich anders und ruft ihn zurück. „Postoi, postoi!“ Warte, Warte, wenn du ein Almosen haben möchtest, dann sperre deine Ohren auf und höre „Ich öffne meine Ohren und meine Seele!“ In dem Gasthaus an der Oka habe Mamirow ihn gesehen. Er soll hingehen und einiges herausfinden. Er soll schauen, was Kuma treibt und ob dies zu Beanstandungen Anlass gibt. Ihn interessiert besonders, ob auch ausgefallene Gäste zu Besuch kommen und wie lange sie sich dort aufhalten. Er soll jetzt verschwinden wie ein Hund. Natürlich wird er eine große Belohnung bekommen. Jedoch soll er auf seine Haut achten. Der kleinste Fehler und er bekommt die Peitsche.

16
Mamirows Selbstgespräch ist nur für das Publikum bestimmt und nicht für den Fürsten. Sein Souverän forderte ihn auf, zu tanzen: „Ya ne skomorakh.“ Doch er ist kein Bajazzo. Nicht länger soll der Beleidiger herrschen über Nischni. Mamirow ist kein Leibeigener. Ihm wird er die Narrenkappe auf das fürstliche Haupt setzen, dann wird er überdenken, die ihm zugefügte Beleidigung zu vergessen.

Nun kommt er in einer Verwaltungsangelegenheit, doch der Fürst verweist ihn auf ein anderes Mal. Mamirow soll jetzt zur Fürstin gehen, ihr seine Ankunft melden und ihr ausrichten, dass er sie erwarte. Nun führt auch der Fürst ein Selbstgespräch, welches nicht für Mamirow bestimmt ist. Die Geschäfte und die Angelegenheiten des Gouvernements schaffen ihm keine Probleme. Doch im Moment hat er nicht die erforderliche Tatkraft, sich damit abzugeben. Der betrübte Blick seiner Frau drückt ihn nieder. Ihre Augen sind voller Kummer, ihre Seufzer nagen an seinem Gewissen. Kein Stolz erfüllt sein Herz, doch ihren stummen Tadel quittiert er mit Ärger. Was kann er dafür, dass das Schicksal ihm ein lockendes Angebot unterbreitet. Der Eindruck von Kumas Schönheit lebt mit ihm. Ihre Annäherung erregt und ködert ihn bei Tage und Nacht. Wie eine schäumende See in einem brausenden Sturm verhält sich seine Seele. Er ist nicht mehr er selbst. Wie soll die Zukunft sich gestalten? Verlangen unterdrückt seine Handlungsfähigkeit und sein Herz fühlt sich hingezogen zu ihr, zu ihr allein. 

17
Fürst Nikita teilt seiner Gemahlin mit, dass der Bojar Scherstnjow mit seiner Tochter aus dem Ausland zurückgekehrt sei und man der geplanten Hochzeit mit dem gemeinsamen Sohn Juri nun mit Respekt entgegentreten solle. Wäre es nicht besser, zuerst die Angelegenheiten zu behandeln, die dringend sind? Wie soll er ihre Worte verstehen? Es gibt nicht viel zu verstehen, wenn er sich vielleicht an die Schlampe von der Oka erinnern möchte. Was soll der Blödsinn, ist die Gemahlin krank? Die Fürstin braust auf. Es ist eine Schande und eine Blamage wie er sich in der Öffentlichkeit aufführt. Sollen alte Zustände von Neuem beginnen? Wer hat mit dem Teufelsweib verkehrt? Wenn er es nicht weiß, soll er es sagen! Es muss ihn jemand verleumdet haben! Wenn nichts gewesen ist, muss er sich auch nicht aufregen. Doch sie weiß genau Bescheid, was in dem verruchten Trinkhaus abgelaufen ist. Mit glühender Bereitschaft verfolge ihn die Hexe. Die Wahrheit braucht er nicht zu verstecken. 

Genug, sie hat ihn verdrossen und jetzt möchte er gehen. Doch die Eifersüchtige hält ihn am Ärmel zurück. Was hat er mit ihr gehabt? Ist er der Freund dieser lockeren Frau? Manche Zeit hat er bei ihr gesessen, doch er soll nie wieder ihre Schwelle passieren, sonst passiere etwas. Was wird passieren? Er sei nicht bereit, sich von seiner Gemahlin den Weg weisen zu lassen. Wer ist seine süße, schöne Kuma überhaupt, eine Zauberin, eine Teufelin oder eine Hexe? Aber wir haben in unserem Unglück einen Beschützer, es ist unser Vater Superior. Sie wird in das Pechersk-Kloster zu ihm gehen und demütig zu ihm aufschauen. Er ist ein strikter Beobachter von Reinheit und Tugend.

Zu Füßen wird sie ihm fallen und viel zu erzählen haben. Die Zauberin wird er sich vornehmen und sich auf ganz andere Weise mit ihr unterhalten, als er es tut. Bannen wird er diesen Teufel. In einem dunklen Gefängnis hinter Klostermauern wird er ihr die Torturen der Hölle schmackhaft machen. Der Vater Superior wird sie dazu bringen, ihre Sünden zu bereuen und in Ketten wird sie anschließend verrotten, seine Kuma.

Das ist es also, was er ihr androhen will. Nun, er wird sich auf seine Möglichkeiten besinnen und ihr eine Kutte überstreifen lassen, so wie die Nonnen sie tragen, um der Demut willen. Hat sie daran nicht gedacht? Sie wird weder eine Kutte noch eine Haube tragen und auch nicht um Vergebung bitten für seine Schwelgerei. Nikita hält es aber für notwendig, dass sie sich in ein Kloster begibt, um ihrer Halsstarrigkeit Opposition zu bieten. Der Gemahl soll sich nicht einbilden, dass sie gehorchen wird. Er wird sie zwingen. Man wird sehen! 

18
„Stoppt sie, stoppt sie! Greift sie, greift sie, die Häscher des Fürsten! Tötet die Lumpenhunde und macht sie fertig!“ Es sind Leibeigene des Fürsten, denen der Zorn des Opernchors gilt. In blutverschmierter Bekleidung klettern sie über die Einfriedung und rennen weg. Steine fliegen hinterher. Zwei weitere Domestiken in zerrissener Gewandung versuchen, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen und springen über die Umzäunung, die unter der Belastung zusammenbricht.

Mamirow wird durch den Tumult aufgescheucht, erscheint auf der Bildfläche und will wissen, was los ist. Das Marktvolk aus der Stadt habe ihnen nachgesetzt und versuche, sie zu traktieren, beklagen sich die Verfolgten. In seiner Funktion als Hausmeister beordert Mamirow zu seiner Unterstützung weitere Leibeigene in seine Reichweite. Die aufgebrachte Menge unter der Führung von Kitschiga reißt den Lattenzaun nun völlig nieder und verschafft sich Zugang auf das Privatgelände des Fürsten. Wo hält der Hausverwalter die Diebe versteckt? Was fällt dem Pöbel ein in des Fürsten Garten einzubrechen?

Kitschiga fordert den Verwalter auf, ruhig zuzuhören. Der Opernchor übernimmt nun die Anklage: Mamirow selbst habe die Leibeigenen ausgesandt und zum Stehlen auf den Markt geschickt. Ohne Umstände nehmen diese Obst, Gemüse und Kleinvieh, um es auf des Fürsten Hof zu bringen. Bezahlt wird nicht! Die Leute haben genug von solchen Übergriffen. Der Überhebliche kann nicht machen, was er will. Der Adel schindet das Volk, aber die Bestohlenen werden sich diese Übergriffe nicht mehr bieten lassen. Mamirow beschimpft die Marktleute als Rebellen und droht mit Haft und Knute. Kitschiga entgegnet, dass er die Räuber klopfen wird wie ein Haferbündel. „Jagt sie fort! Steckt sie ins Gefängnis!“ Die Beteiligten verlassen die verbale Ebene und geraten nun physisch aneinander.

19
Zum Glück kommt nun Prinz Juri hinzu, zu dem die Menge Vertrauen hat. Die Eindringlinge bitten ihn, sie vor der Brutalität der Übergriffe zu beschützen. Die Bestohlenen klagen, dass ihre Märkte auf Veranlassung des Hausverwalters geplündert werden und es für sie keine Gerechtigkeit gäbe. Wie Wölfe fallen die Leibeigenen über das Marktvolk her, aber wenn diese sich gegen die Übergriffe zur Wehr setzen, werden sie auch noch getadelt. Die Justiz bleibe untätig. Mamirow setzt dagegen, dass Aufrührer ins Gefängnis gehören. Eindringlich wird Prinz Juri gebeten, ihnen seinen Schutz nicht zu verweigern. Dieser will sich das Vertrauen der Bevölkerung nicht verscherzen und seine allgemeine Beliebtheit nicht aufs Spiel setzen. Seinem Sinn für Gerechtigkeit gehorchend, untersagt er Mamirow weitere Übergriffe und fordert die Marktleute auf, beruhigt nach Hause zu gehen. Er gibt ihnen sein Wort, die Raubüberfälle in Zukunft zu unterbinden.

Gott möge dem Prinzen ein langes Leben schenken und ihm Herrlichkeit, Macht und Wohlstand geben. Mamirow reagiert zynisch: So regelt der Prinz einen Disput. Die Aufrührer lässt er in Frieden ziehen. Dafür haben sie dem Prinzen gedankt.

20
Die Fürstin findet es nicht richtig, dass ihr Sohn sich in die Belange des Vaters einmischt. Nenila tut ihre Meinung ebenfalls kund und tönt, dass Vater jetzt bestimmt wütend sein wird. Dem aufdringlichen Klosterbruder ist es gelungen, sich im Gefolge der Fürstin anzusiedeln und fügt als Ergänzung an, dass der Ärger des Fürsten entflammen wird. Mamirow meint, dass nach allem was geschehen ist, des Fürsten Zorn kein Wunder sein wird. Juri betont, dass man das friedfertige Volk in Ruhe seinen Geschäften nachgehen lassen soll und dass es nicht in Ordnung ist, es zu drangsalieren. Mamirow weiß genau was das Volk braucht, nämlich Peitsche und Exekution, aber der junge Prinz gab einen Freibrief zu Aufruhr und Gewalttat. Juri gibt Mamirow zu verstehen, dass er mit ihm nicht diskutiert. Er will wissen, wo Vater jetzt sei. Paissi, schwatzhaft wie immer, fragt Mamirow, ob er den Mund aufmachen soll. Er soll es den Sohn wissen lassen! Nun, der Fürst lenkt sein Boot den Oka-Fluss hinunter. Er entschied, das Gasthaus zu besuchen. Die Fürstin regt sich auf. Schon wieder geht er zu ihr! Sie muss selbst zu der Frau gehen und mit ihr reden! Juri wird hellhörig. Wohin will die Mutter gehen und weshalb? Er soll sie gehen lassen. Sie wird es herausfinden und ihre Umarmung aufbrechen. Nun möchte Juri mehr in Erfahrung bringen, doch die Verleumder ziehen sich zurück. Es sei nicht ihre Sache zu untersuchen oder zu verstehen. Hat Vater mit einer Liebschaft wieder Schande über die Familie gebracht? Er wendet sich an Nenila, dass sie ihm alles genau erzählen soll. Nenila erklärt lediglich, dass in dieser Welt viele Dinge geschehen.

Was lähmt die Mutter? Ihre Hände sind eiskalt. Er sei bereit sein Leben zu geben, um die Ordnung wiederherzustellen. Die teuflische Frau, die Zauberin, sei schuld, der Fürst sei in ihr Netz gefallen. Ein grauenvolles Schicksal stehe der Fürstin bevor, die gezwungen sei, ihr nachzugeben. Jetzt kommt Paissi zum Zuge: Es ist wahr. Der teuflischen Frau, der Zauberin, sei der Fürst ins Netz gefallen, der stolzen Fürstin sei es unmöglich, Kuma entgegenzutreten. Nenila, die sich gern wichtig macht, bestätigt was Paissi sagt.

„Tebe I, Tebe I, moja rodnaja bajatsa babi toi? Ubit jejo, ubit? So klingt Juris Racheschwur auf russisch.“

„Bist du, bist du erschrocken von dieser Frau?
Ich werde sie töten mit meiner eigenen Hand.
Ich werde die Beleidigung mit Blut abwaschen.
Gott selbst wird durch mich sie richten.
Er wird vergeben eines Sohnes Vergeltung.
Ich werde nicht dulden, dass die Ehre der Familie befleckt wird.
Ich werde mein Leben geben, um sie zu richten.
Ich werde diesen Teufel mit dem Schwert bestrafen.
Ich selbst werde mich mit Kuma anlegen.
Ich schwöre es dir auf meinem Schwert.
Ich schwöre es zu dir bei meiner Liebe.
Ich werde die Familie nicht in Scham versinken lassen.
Die Beleidigung werde ich wegwaschen mit meinem Blut.“ 

„Oh, mein Sohn, mein Blut, meine Hoffnung, mein eigener Beschützer!“ Die Fürstin ist sichtlich erleichtert. Juri wiederholt seinen Schwur. Er wird die Teufelin ins Jenseits befördern. Paissi und Mamirow bringen ihre Zufriedenheit zum Ausdruck: „Kummer ist gekommen zur Hexe. Nun ist Kuma verloren. Der Sturm ist gekommen.“

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Musirony 2008 - Engelbert Hellen


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