musirony - Die Jahreszeiten
 

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MUTTER ERDE




Joseph Haydn [1732-1809]

Die Jahreszeiten


Oratorium

Text von James Thomsen d. Ä. [1700-1748]
übersetzt und eingerichtet von Gottfried van Swieten [1733-1803]

Uraufführung am 24. April 1801 im Palais Schwarzenberg am Mehlmarkt zu Wien

Charaktere:

Simon, ein Pächter
Hanne, seine Tochter
Lukas, ein junger Bauer

Die Handlung spielt in Östrreich im 18.Jahrhundert




INHALTSANGABE

DER FRÜHLING

Die Einleitung malt den Übergang vom Winter zum Frühling

Der Landwirt Simon, seine Tochter Hanne und Lukas, ein junger Nachbar, sind in ihrem Umfeld ganz auf die Natur und das Wetter eingestimmt. Es sind die Themen, die neben der täglichen Arbeit den Gesprächsstoff bilden, der ihren Tagesablauf ausmacht. Simon beobachtet, wie der strenge Winter sich zurückzieht. Wilde Stürme folgen ihm mit grässlichem Geheul. Vom schroffen Felsen löst sich der Schnee und ergießt sich in Strömen ins Tal. Lukas hat es beobachtet, während Hanne den Frühlingsboten wahrnimmt, der von lauen Winden sanft gelockt durch die Lande streicht. Das Landvolk fordert den holden Lenz auf, die Natur aus ihrem Todesschlaf zu erwecken. Sein linder Hauch, lässt bald alles wieder aufleben. Vor allem sind es die Männer die noch misstrauisch ind. Die Menschen sollen sich nicht zu früh freuen. Oft schleicht in Nebel eingehüllt der Winter nochmals zurück und streut Giftkeime auf die Blüten. „Komm holder Lenz und senke dich auf die Fluren“, fleht der Chor.

Simon hat ein bisschen Ahnung von Astronomie. Vom Widder strahlt jetzt die helle Sonne herab, Frost und Dampf weichen und warme Dünste schweben umher.

„Schon eilet froh der Ackersmann
Zur Arbeit auf das Feld;
In langen Furchen schreitet er
Dem Pfluge flötend nach.
In abgemessnem Gang dann
Wirft er den Samen aus,
Den treu die Erde birgt, und bald
Zu vollen Ähren reift. 

Damit ist vieles gesagt. Lukas fügt noch hinzu, dass der Landmann sein Werk vollbracht und weder Mühe noch Fleiß gespart hat. Den Lohn erwartet er nicht von der landwirtschaftlichen Genossenschaft, sondern aus den Händen der Natur. Er fleht den Himmel an, dass er gnädig sein und Segen auf das Land herabträufeln soll. Der Tau soll die Erde wässern. Besser wäre, wenn ein Regenguss die Furchen tränkte, urteilt Simon. Hanne wünscht sich, dass die Lüfte sanft wehen und die Sonne hell scheint, damit alles im Überfluss sprießt. Wenn der laue Westwind die Luft mit feuchten Dünsten anfüllt, wird Schmuck und Reichtum sich aus dem Schoß der Erde ergießen.

FREUDENLIED MIT ABWECHSELNDEM CHOR DER JUGEND

Der Winter ist jetzt endgültig verzogen, unbeschwert kann man sich jetzt am Frühling freuen. Wie lieblich ist der Anblick der Gefilde jetzt. Die Mädchen sollen kommen, damit die jungen Burschen mit ihnen auf der bunten Flur zu dem grünen Hain wallen können. O wie lieblich, seht die Rose, seht die Lilie, schaut euch die anderen Blumen auch an!. Seht die Auen, betrachtet die Wiesen, seht die Felder all! Seht die Erde, schaut das Wasser, genießt die frische Luft!

Das Entzücken des Chors und der Solisten hält an. Unendlich viel gibt es zu sehen. Gegenseitig fordert man sich auf, die Lämmer, die Bienen, die Fische und die Vögel zu betrachten. Welches Geflatter, welche Freude, welche Lust schwellen das Herz und heben die Brust? Süße Triebe und sanfte Reize sind des Schöpfers Hauch. Deshalb soll man die Stimmen hoch erschallen lassen und ihn ehren, loben und preisen. Mit seinem Segensmahle hat er sie gelabt und vom Strom seiner Freuden hat er sie getränkt, der mächtige gütige Gott.

DER SOMMER

Die Einleitung stellt die Morgendämmerung vor. 

Lukas ist Frühaufsteher. Er liebt es, das sanfte Morgenlicht zu beobachten, wie es in grauen Schleiern anrückt. Die träge Nacht weicht vor ihm in lahmen Schritten zurück. Sie flüchtet in dunkle Höhlen, in denen blinde Leichenvögel dumpfe Klagetöne hören lassen. Was Lukas alles mitbekommt! Das bange Herz können die grauen Schleier nun nicht länger beklemmen.

Simon ist weniger versponnen. Der Tag ruft den ausgeruhten Landmann zu neuer Tätigkeit auf. Es sind aber nicht nur die Ackerbauern, die munter werden, sondern auch der Hirte versammelt seine frohen Herden um sich herum. Zur fetten Weide auf die grüne Höhe wird er sie treiben. Gern lehnt er sich auf seinen Stab und schaut nach Osten, um den ersten Morgenstrahl nicht zu verpassen.

Auch Hanne ist von der Morgenröte gefangen. Das leichte Gewölk verfliegt wie Rauch und der Himmel prangt in hellem Azur. Die Berge tauchen ihre Gipfel in feuriges Gold. Alle jubeln: Die Sonne steigt herauf, sie naht, sie kommt und strahlt! Sie scheint in herrlicher Pracht und flammender Majestät.

LOBGESANG:

Heil, o Sonne, Heil!
Des Lichts und Lebens Quelle, Heil!
O du, des Welltalls’ Seel’ und Aug’,
der Gottheit schönstes Bild, dich grüßen dankbar wir!   

Die Freuden, o wer spricht sie aus?
Die Segen, o wer zählet sie?
Wer spricht sie aus? Wer zählet sie? 

Dir danken wir, was uns ergötzt. Dir danken wir, was uns belebt, Dir danken wir, was uns erhält. Es jauchzen alle Stimmen und die Natur auch.

Simon berichtet von der Arbeit auf dem Ährenfeld. Ein buntes Gewühl bedeckt die Flur. Der braune Schnitter mäht alles nieder. Die Sense blitzt und das Korn sinkt. Dann wird es vom Boden aufgehoben und zu Garben gebündelt wieder aufgerichtet. Die Glut der Mittagssonne brennt. Eine Cavatine drückt aus, wie die Natur dem Druck erliegt. Die Wut der Hitze zeigt ausgetrocknete Quellen, dürre Wiesen und welke Blumen. Kraftlos schmachten Menschen und Tier, der Schnitter trinkt jetzt ein kaltes Bier.

Hanne bringt es poetisch und schwärmt vom dunklen Hain, der einen kühlenden Schirm gewährt. Gelispel hört man aus der schlanken Esche Blattwerk und im weichen Moos rieselt ein klarer Bach. Kräuter verströmen reinen Balsamduft. Welche Labung für die Sinne!

Simon sieht fahlen Nebel, der am hohen Saum des Gebirges in die Luft aufsteigt, empordrängt und den Himmel bald in schwarzes Dunkel einhüllen wird. Dumpfes Gebrüll kommt aus dem Tal und finstere Wolken künden ein Sommergewitter an. Gemeinsam registriert man die Vorboten und malt sich aus, was passieren wird. Nun, lieber Herr Haydn, ein Gewitter ist kein Weltuntergang! Gesättigt und erfrischt kehrt das Rind in den Stall zurück. Im Gras zirpt froh die Grille, die Wachtel ruft schon wieder nach ihrem Gatten und aus dem Sumpf quakt der Frosch.

Die Abendglocken erklingen und laden sanft zur Ruhe ein. Süßer Schlaf wartet auf den gesunden Leib und das reine Herz von Frauen, Burschen und Mädchen.

DER HERBST

Die Einleitung schildert die freudigen Gefühle des Landmannes über die reiche Ernte

Hanne hat den Durchblick: 

"Was durch seine Blüte
Der Lenz zuerst versprach;
Was durch seine Wärme
Der Sommer reifen ließ:
Zeigt der Herbst in Fülle
Dem frohen Landsmann jetzt!"

Die Ernte, die er auf hoch beladenem Wagen einfährt, war so reichhaltig, dass der weite Raum der Scheune an Volumen kaum fassen kann, was das Feld an Fülle hervorgebracht hat. Lukas ist sprachlos und Simons Auge schaut umher und misst den aufgetürmten Segen ab. Freude strömt durch seine Brust. Speise, die sie nährt, und Wolle, die sie kleidet, türmt sich bis zur Decke. Im Terzett lobt man den Herrn und vergisst nicht, den eigenen Fleiß ins rechte Licht zu rücken.

Im Obstgarten werden die Leitern an die Bäume gestellt. Die Jugend stürmt hinauf, um die Früchte von den Zweigen zu lösen. Der Herbst bringt nicht nur reichlich Äpfel und Birnen, nein, auch der Nussbaum wird seiner braunen Früchte beraubt. Lukas ist mächtig stolz auf seine Hanne und stellt sie den gepuderten und geschminkten Stadtmädchen, die vom wirklichen Leben keine Ahnung haben, als positives Beispiel gegenüber. Die Damen sollen kommen und die Töchter der Natur anschauen und sehen, wie die Zufriedenheit aus ihrem Auge lacht. Wenn seine Hanne ihm Liebe schwört - kann er ihnen versichern - spricht das Herz aus ihrem Munde.

Die Herrchen süß und fein sollen fortbleiben, weil glatte Worte bei ihr nicht wirken. Nicht Gold und Pracht kann sie verblenden, ein redliches Herz reicht völlig aus, ihre Wünsche zu erfüllen: Treue ist allerdings unerlässlich. Doch Lukas denkt nicht daran, sein Herz einer anderen als Hanne zuzuwenden: Blätter fallen ab, Früchte welken hin, Tag und Nacht vergeh’n, doch seine Liebe bleibt besteh’n. Ein schmuckes Liebesduett, welches besser zum Frühling gepasst hätte, hat Joseph Haydn in den Herbst verlegt, denn zuerst kommt die Arbeit und dann der Jux. Liebstes Hannchen! Bester Lukas! Beide singen: Lieben und geliebt zu werden ist der Freuden höchster Gipfel, ist des Lebens Wonne und Glück.

Der Herbst ist die Zeit der Jagd. Willig folgt der Bauer seinem guten Herrn, der sich am bunten Treiben ergötzen möchte. Seht, wie der Hund im Grase streift und am Boden nach der Spur sucht. Unablässig geht er ihr nach. Das psychologische Verhalten des Tieres wird analysiert. Zuerst eilt der Hund, um zu haschen – dann stockt sein Lauf und schließlich bleibt er wie zu Stein erstarrt unbewegt stehen, damit der dumme Jäger das Kaninchen und nicht ihn trifft. Es wird auch in die Luft geschossen. Der schnelle Flug rettet den Vogel nicht. Es blitzt, es knallt, das Blei erreicht ihn und wirft ihn aus der Luft herab. Den größten Spaß bringt eine zünftige Treibjagd. Der Hörer soll aber nicht glauben, dass nur Kleinvieh erlegt wird. Der Eber im dichten Unterholz bleibt nicht unentdeckt. Seht den aufgesprengten Hirsch, wie er flieht, wie er sich streckt. Die Hunde haben ihn aufgeschreckt! Halali! Halali!

Am Rebstock blinkt jetzt die Traube in vollem Saft. Die Winzerinnen eilen zum fröhlichen Tagwerk herbei. Die Trauben werden in die Körbe gefüllt. Von den Körben geht es in die Tonne, und der brausende Most hebt die Fröhlichkeit zum Lustgeschrei. Mit Joseph Haydn wird jetzt Erntefest gefeiert. Nun tönen die Pfeifen und es wirbelt die Trommel. Es kreischt die Fiedel und es schnarrt die Leier. Jung und Alt dreht sich ausgelassen im Kreise. Die Attribute des Herbstes hat der Librettist sachkundig zusammenfasst. Mit dem Endreim hat der deutsche Übersetzer allerdings Probleme, die ungelöst bleiben.

DER WINTER

Die Einleitung schildert die dicken Nebel, womit der Winter anfängt.

Unser Trio kann dem Winter wenig positive Eigenschaften abgewinnen. Hanne vermutet sogar, dass er aus Lapplands Höhlen nach Österreich anreist. In banger Stille erstarrt die Natur vor seinem Tritt. Simon beobachtet, dass die Berge ein grauer Dampf einhüllt, der auch auf die Flächen drückt. Selbst der Mittag wird von der Sonne mattem Strahl verschlungen. Den unmutsvollen Tagen folgt die schwarze Nacht.

Noch schwarzer sieht Lukas die Situation. Vom Felsen fließt kein Wasser mehr, der Strom hat seinen Lauf gebremst und der breite See verhält sich ruhig. Im dürren Hain ertönt kein Laut und eine ungeheure Flockenlast liegt auf den Feldern. Die Welt wirkt auf ihn wüst und traurig. Der einsame Wanderer watet durch den Schnee und kann den Weg nicht mehr finden. Müdigkeit und Frost lähmen seine Glieder und Angst umklammert sein Herz. Dasselbe pocht vor Freude, wenn er eine erleuchtete Hütte sieht, denn er hofft, dort eine Kleinigkeit zu Essen zu bekommen. Er wird in die gute Stube geführt, wo in vertrautem Kreis die Nachbarschaft sich unterhält und leichte Arbeiten verrichten. Die Alten hocken hinter dem Ofen und sprechen von der Jugendzeit, während andere Körbe flechten oder Bauernmöbel bemalen. Die Töchter sitzen am Spinnrad. Ein frohes Lied beherrscht ihren Fleiß.

„Summ’ und brumm’,  du gutes Rädchen“ Falsch gedacht, Richard Wagner gab es zu dieser Zeit noch nicht. Hier heißt das Spinnerlied: „Knurre, schnurre, knurre, Rädchen schnurre!“ Hanne feuert die Mädchen an und fährt fort:

„Drille, Rädchen, lang und fein,
Drille fein ein Fädelein
Mir zum Busenschleier.“ 

Außen blank und innen rein - fleißig, fromm und sittsam soll das brave Mädchen sein. Ein Freier kommt sonst nicht herein.

Aber Hanne kann nicht nur schön singen, sondern weiß auch von einem Mädchen zu erzählen, welches kein Bursche mehr haben will, weil es sich mit einem Edelmann eingelassen und trotz heißer Versprechen von diesem nicht geheiratet wird. Doch die Kleine ist nicht auf den Kopf gefallen und nimmt sich als Entschädigung sein Pferd.

"Indem der Junker geht und sieht,
Schwingt sich das lose Kind
Auf seinen Rappen und entflieht
Geschwinder als der Wind. 

Leb’ wohl, ruft sie,  mein gnädiger Herr!
So räch’ ich meine Schmach.
Ganz eingewurzelt steht er
Und gafft ihr staunend nach."

Hochherrschaftliche Gepflogenheiten laufen in der Regel fatal aus, aber die jungen Mädchen möchten gar zu gern die Gesellschaftsklasse wechseln und Frau Gräfin sein. Irrtümer und Missverständnisse sind daher die Regel. Für des Pfarrers Töchterlein aus Taubenhain ging die Sache nicht so günstig aus.

Doch über den Winter gibt es nicht so viel zu erzählen wie über die vorangegangenen Jahreszeiten. Man bereitet sich auf den eigenen Tod schon einmal ein bisschen vor. Simon wird besinnlich und sieht bereits die Himmelspforten offen stehen. Wenn er sie durchschreitet, wird ein ewiger Frühling auf ihn warten, denn Tugend hat sein Leben geleitet. Grenzenlose Seligkeit und gerechter Lohn wird man ihm gewähren. Aber Simon, so weit ist es doch noch gar nicht!

***
musirony 2008 - Engelbert Hellen

 

 




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