musirony - Döbeln
 

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Schöne Oper - selten gehört



Sebastian Fagerlund [geb. 1972]

Döbeln


Oper in zwei Akten

im Wechsel finnisch und schwedisch gesungen

Libretto von Jusa Peltoniemi

Uraufführung im Juli 2009 bei den Sommerfestspielen von Kokkola

Auftragsarbeit von der finnischen West Coast Kokkola Opera

Spieldauer etwa 1 Stunde

 

Charaktere:
Georg Carl von Döbeln, (1758 – 1820 schwedischer General (Bariton)
Döbeln, alternativ als Traumfigur (Sopran)
König Gustaf Adolf IV. (Tenor)
Sprengtporten, finnischer Befehlshaber, in Opposition zu Döbeln (Sopran)
Fähnrich (Tenor)
Ein Feldchirurg (Bass)
Zwei Assistenzärzte (Sopran)
Madame, eine Bäckerin (Sopran)
Ein Diener (Bariton)
Eine Quappe – Burbot Laken (Bariton)

Das historische Geschehen spielt zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert in Schweden und auf der vereisten Ostsee
 

Quappe

Dokumentation der Uraufführung:
LABEL: BIS 2009
West Coast Kokkola Opera, Künstlerische Leitung: Anu Komsi
Festival-Orchester, Dirigent: Sakari Oramo
Gesangsolisten:
Anu Komsi – Annika Mylläri – Lasse Penntinen – Sören Lillkung – Robert McLoud 
 


Struktur der Handlung:

Erster Akt:

  1. Prolog

  2. Beginn der Operation – 1. Zwischenspiel

  3. Der erste Traum: Der König – 2. Zwischenspiel

  4. Der zweite Traum: Der Rückzug – 3. Zwischenspiel

  5. Der dritte Traum: Eisfischen

  6. Der vierte Traum: Die Quappe

Zweiter Akt:

  1. Der fünfte Traum: Das Schiffswrack – 4. Zwischenspiel (voran gestellt)

  2. Der sechste Traum: Der Freiheitskampf

  3. Der siebte Traum: Die Revolution – 5. Zwischenspiel

  4. Ende der Operation
     





INHALTSANGABE


Erster Akt:

Prolog 

Georg Carl von Döbeln erklärt die Umstände und macht auch eine Zeitangabe, wann er verwundet wurde. Es war exakt am Vormittag eine halbe Stunde vor 12 Uhr. In der Erwartung, dort eine bessere Sicht zu haben, war er an der linken Straßenseite auf einen kleinen Hügel gestiegen. Er bat den Sergeanten, die Männer zu informieren, er sei von einem Geschoss, welches der Feind abgefeuert habe, an der Stirn getroffen worden. Es sei keine Blessur von Wichtigkeit, nur ein kleiner Gruß von Göran Magnus Sprengtporten. Döbeln kippt um.

Erste Szene:

Er war wohl doch nicht ganz so harmlos, der kleine Piekser! Döbeln liegt im Feldlazarett auf dem Operationstisch. Der operative Eingriff wird vom Feldchirurgen durchgeführt, wobei diesem zwei Assistenzärzte weiblichen Geschlechts zur Seite stehen. Döbeln observiert die Vorbereitungen zur Operation über einen Taschenspiegel. Ein Saubermann reinigt den Fußboden von Blut und Knochensplittern. Als Narkosemittel bekommt Döbeln acht Tropfen Opium – er zählt genau mit – in die Hauptschlagader gespritzt und sinkt immer tiefer in einen bewusstlosen Zustand. Fantasien, Rückerinnerungen und Realität beginnen sich zu vermischen.

Der Feldchirurg erklärt den Assistenzärzten seine Vorgehensweise. Doktor 1 und 2 wiederholen im Duett alle Vorgänge und Anweisungen, die der Chirurg gibt, damit auch der Opernbesucher genau informiert ist, was abläuft:

I think we dare to remove
some shards of bone.
Eight drops of opium
in the jugular vein
I think we dare.
We should manage.
I think we dare to remove
some shards to bone.
We need to skin the forehead.
We must dare, must manage,
must dare manage.“

Sorgfältig werden sie zu Werke gehen. Die Kugel sitzt in der Stirn. Aber der Arzt steht daneben und tröstet. „Gott wird dir helfen, General Döbeln.“ Zum wiederholten Male wird dem Zuschauer das Wagnis einer Operation zur Kenntnis gebracht und wie man vorgehen will.

ZWISCHENSPIEL

Zweite Szene:

Beim Patienten setzen die Halluzinationen ein. Er hat eine Begegnung mit König Gustavus Adolphus IV. in Stockholm. Döbeln trägt einem Streifen aus schwarzem Leder an der Stirn und realisiert, dass er sich selbst beobachtet und sein altes Ego sich als Traumbild am Dialog beteiligt. Genau so wie er von sich Notiz nimmt, beobachtet ihn sein Gegenüber und versucht, ihn in Gebärde und Sprache zu imitieren.

Der König und Döbeln sind unterschiedlicher Meinung über die Möglichkeiten der Verteidigung des Åland-Archipels gegen die russischen Truppen. Döbeln steht neben dem König und registriert mit Unverständnis seine Instruktionen. Er tritt in Doppelfunktion in Erscheinung: er selbst und als Traumfigur – zwei Personen diskutieren zu dritt. Majestät soll bitte zur Kenntnis nehmen, das Friede beschlossen der Krieg aber gelenkt wird. Die Traumfigur entgegnet, die Aussage enthalte mehr Substanz, als sie ergründen kann. Das Thema wechselt sprunghaft. Döbeln geht durch den Kopf, dass ihm acht Tropfen Opium in die Hauptschlagader gespritzt wurden. Das Traumbild nickt bestätigend mit dem Kopf. Hat Majestät auch zugehört, als er erklärte, wie es sich mit dem Frieden verhält? Dieser wird beschlossen, im Gegensatz zum Krieg, der gelenkt wird. In Bezug auf Åland gibt der König die volle Bestätigung. Er wird ihm dabei helfen und Gott ebenfalls. Hat der König zu dem, was er soeben gesagt hat, eine bessere Idee? Döbels Traumfigur stellt fest, dass Krieg gelenkt wird. Der König behauptet, dass Döbelns Schädel härter sei, als sein Brustpanzer und sein Blut sei reiner, als das der Tochter von Sion. Majestät soll verstehen, dass es nicht die Gewehrkugeln sind, die der Feind fürchtet. Eine geheime Mission wird den Erfolg bringen. Döbeln sagt, dass er zur Verfügung stehe. Die Traumfigur erläutert, dass sie sich unter einer geheimen Mission 6000 Männer und 1000 Pferde vorstelle, die sich von Åland nach Schweden bewegen werden. Verantwortungsvoll habe er es so festgelegt. Er weiß noch nicht wie diese Anzahl über das Eis geschafft werden soll. Mit 4000 Leuten würde es dagegen funktionieren. Die finnischen Frauen sind in der Lage 6000 Brotlaiber zu backen. Diese werden allerdings nicht alle gegessen werden. Der König ängstigt sich, dass das Baltische Meer ihn hinters Licht führen will, genau so wie ihn werde es auch die alten Krieger und alle Schweden enttäuschen. Die vereiste Ostsee sei gefährlicher als die Wüsten Ägyptens. Wenn überall Eis ist, werde man keine Lotsen benötigen, lautet Döbelns Weisheit lapidar.

ZWISCHENSPIEL

Dritte Szene:

Die russischen Truppen sind vorgerückt und der Rückzug der schwedischen Truppen über die vereiste Ostsee beginnt. In seinem Opium-Traum beobachtet Döbeln, wie sein Gegner Göran Magnus Sprengtporten, der zu den Russen hält, auf ihn zukommt.

Der aufwirbelnde Schnee und heftige Kälte machen den Rückzug beschwerlich und der verwundete General debattiert mit dem Feldchirurgen, ob es nicht besser sei, ein Schiffswrack als vorübergehendes Obdach zu nutzen, bis der eisige Wind vorbei ist.

Die Zeit verrinnt. Sprengtporten schlägt vor, zu verhandeln. Döbeln erklärt, dass Russland ihm eine Waffenruhe vorgeschlagen habe. Dann soll er sich beeilen, den errungenen Vorteil zu nutzen. Döbeln zögert und plant, selbst eine Idee zu entwickeln. Einen eigenen Plan aushecken? Er solle das Risiko des Unterfangens bedenken. Der Gewarnte ist davon überzeugt, dass er alles korrekt einfädeln kann. Sprengtporten ist es wichtig, dass man zu einer Einigung kommt.

Immerhin, weiß Döbeln, dass es zwölf Meilen von hier ein Schiffswrack zu entdecken gibt. Feldchirurg und Patient freuen sich, von einer Raststätte zu erfahren, in der man ein wenig ausruhen kann. Der Erstgenannte denkt, dass er an diesem Platz riskieren kann, ein paar Knochenteile in die richtige Lage zu bringen. Mit Sprengtporten will Döbeln die militärische Lage diskutieren. Es geht auch um Probleme der Verpflegung. Und Madame wird Brot backen, streut Döbeln ein! Brotlaiber für 6000 Mann! Auf diese Zahl haben sich die Kontrahenten geeinigt, man ergänzt dann aber auf 9000 Stück.

Der Gegner soll seine Vorteile nutzen. Finnland braucht einen Mann wie General Döbeln. Dieser ist beschäftigt, die fertigen Brote zu zählen und ist bereits bis 32 gekommen. Die Zeit verrinnt. Der General zählt die fertigen Brote nochmals und kommt irgendwann auf 1809. Mit dem Zwischenspiel Nummer 3 macht das Orchester der Zählerei ein Ende.

Vierte Szene, a und b


Ein Fähnrich versucht, an einem Eisloch nach Quappen zu fischen. Unsere drei Akteure, Döbeln, Feldchirurg und Sprengtporten beobachten ihn interessiert und möchten mitmachen. Der Fähnrich erklärt, dass die Fische oberhalb der Meeresflora herumhüpfen. Döbeln (als Traumfigur) will vom Fähnrich wissen. was sich unter dessen Kielseite bewege. Feldchirurg, Sprengtporten und Traumfigur-Figur vereinigen sich zu einem Terzett:

A shard of bone – Careful!“
The shadow of a burbot – Careful!“
The shadow of the future – Careful!“

Ruhe bewahren, mahnt der Fähnrich, sobald Bewegung in dem Eisloch einen Fang verspricht!

Alle vier sind sich einig, die Angel sofort mit einem mächtigen Ruck hochzuziehen und dann der Quappe einen Schlag aufs Maul zu geben.

Auf rätselhafte Weise wurde General Döbeln in eine Quappe transformiert und ist nun eingefangen worden. Der Feldchirurg hilft dem Fähnrich den Haken aus dem Eingeweide zu lösen Ein tiefer kehliger Laut ist aus dem Hals der Quappe zu hören. Sprengtporten war bereits vorher verschwunden.

Wenn eine verwundete Quappe in Ausnahmefällen einen Laut von sich gibt, bildet sie nachfolgende Vokale, die ohne Abzusetzen in alphabetischer Reihenfolge ertönen „Aaaeeeiiiooouuu“ Ruhig bleiben! Schön ruhig bleiben! In dem Schiffswrack werden wir frisches Brot zum Fisch bekommen. Der Fähnrich hat auch Appetit auf frisches Brot und hofft, dass er eingeladen wird.

Das Opernpublikum sei erinnert, dass Döbeln in Dreifachfunktion auftritt, kommentierend als Traumfigur und leidend, einmal als verwundeter General und zum anderen als gefangene Quappe. Erschrocken nimmt er zur Kenntnis, was man mit ihm vorhat und artikuliert auf finnisch: „Leipää – Aaaeeeiiiooouuu!“

Auf eine cremige Fischsuppe, freut sich die Traumfigur, die nicht mit bekommen hat, dass Döbeln auch als Fisch auftritt. Wie gut, dass Madame frisches Brot gebacken hat. Gibt es dazu auch Zwiebeln? Der Fähnrich will Wodka besorgen. Um wie viel Uhr werdet ihr Essen? Die Leute sind hungrig.

Nälkä – Aaaeeeiiiooouuu –
Koska syödään? Kansalla on nälkäa.“

Das kann kein Fisch sein, der so munter plappert, stellt Döbeln-Traumgesicht fest. Beim Feldchirurgen fällt schließlich der Groschen. Die Quappe, das ist doch General Döbeln selbst!

Zweiter Akt:


VORSPIEL

Fünfte Szene:

In dem bereits erwähnten Schiffswrack hat Madame für vorbeieilende Militärs eine Backstube eingerichtet. Ihre eigene optische Erscheinung ist ein wenig ulkig, aber sie zeigt sich von ihrer besten Seite und serviert russischen Pfannkuchen mit Wodka. Der Fähnrich behauptet, dass der Zwiebelpfannkuchen etwas eigenartig schmecke. Das sei nur Eilbildung widersetzen sich die anderen, weil er das Gericht nicht kenne. Den Appetit wollen sie sich nicht verderben lassen. Die Gäste sollen tüchtig zulangen, denn Zwiebelpfannkuchen in Kombination mit Wodka hält Durchfallerkrankungen fern.

Endlich bekommt das Tischgespräch Substanz, denn der Fähnrich macht Döbeln den Vorschlag, eine Allianz zu bilden. Der Einfall brauche nähere Erläuterungen! Nun man solle die eigenen militärischen Bemühung mit denen der westlichen Truppen verbinden. Döbeln ist gegenteiliger Meinung. Er denkt, dass man mit den eigenen Angelegenheiten genug beschäftigt ist, ohne sich auch noch mit dem Franzosen abzugeben. Aber der Fähnrich glaubt, dass Napoleon mehr Sicherheit garantieren könne. Das müssen wir auch allein schaffen, widerspricht der General hartnäckig.

Die Quappe meldet sich zunächst mit ihrem üblichen Schmerzensschrei und behauptet dann, dass man nicht genug getan habe. Döbeln untersucht, was der misstönende Laken gesagt haben könnte. „Ei tässä vielä tiedä – wir wissen es noch nicht!“ Dem Wasserbewohner wird beschieden, dass er überhaupt nichts zu melden habe, weil er nicht die Fähigkeit besitze, das Richtige zu sagen. Gut, dann gibt der unsanft Zurechtgewiesene jetzt die Erlaubnis, die Mahlzeit einzunehmen. Es sei das noble Schicksal von Fischen, gegessen zu werden. Als Konversationspartner sei die Quappe nicht zu gebrauchen, deshalb wird er selbst das leckere Essen sein. Wie das funktionieren soll - der Intelligenzquotient der Quappe hat nicht ausgereicht, um begreifen, was man mit ihr im Sinn hat, doch man versichert ihr, dass alles untadelig geregelt sei.

Sechste Szene:

Die Atmosphäre im Schiffswrack wird immer grotesker und die Situation nimmt bedrohliche Formen an. Alle schauen hungrig auf den Fisch und machen sich Gedanken, ob er roh gegessen oder vorher in Salzwasser eingelegt werden sollte. Lieber mariniert, denn zu Zwiebelkuchen schmeckt der ohnehin minderwertige Fisch roh überhaupt nicht. Er könnte zum Beispiel Parasiten haben. Leberkrebs ist auch schon vorgekommen, deshalb ist es besser den Erlegten zu kochen. Wer wird den Fisch fangen, erkundigt sich der Burbot in seinem Dämmerzustand, bekommt aber keine Antwort.

Anstelle eines Tischgebets rezitiert der Fähnrich ein Ereignis aus dem Leben des Schwedenkönigs: Unglücklich war der Moment, als der arme Gustavus Adolphus geboren ward, um die Krone zu tragen. Ihre Majestät, ebenso verrückt in ihren religiösen Überzeugungen wie in ihrer politischen Konversationen, lebt in Erwartung der Ankunft des Erzengels Michael und seiner mächtigen Hilfe. Er wird seine Feinde besiegen und während er seine Ankunft erwartet, lebt der König gemäß Ansicht seines Bauernvolkes zwischen Dusel und Erbarmen.“

Döbeln stellt fest, dass die Zeit vergeht. Aus patriotscher Sicht lebe er zwischen Doppeladler und den drei Kronen. Madame erzählt von den Alten, sie würden sagen, dass die  Zeit tatsächlich davoneile – zwischen Zeit und Pomp, korrigiert Döbeln. Ein Tag scheint so lang wie das Alte Testament, wenn du den Daumen hineinlegst.

Der hellsichtige Fisch kündet, dass Finnland besiegt worden sei.

Kylläpä se aika menee.
Näin Suomenmaan valloitus
on saatettu loppuun …" 

Das kann doch nicht wahr sein. Nach dieser Auskunft verliert General Döblen jede Kontrolle über sich selbst, tötet die geschwätzige Quappe und häutet sie. Konsequenterweise kann das arme Flossentier am Handlungsgeschehen nun nicht  mehr teilnehmen. Allzuviel Beredsamkeit ist ungesund!. Döbeln ist sichtlich befriedigt, denn die Anwesenheit des albernen Plappermauls hat ihm ständig Unbehagen verschafft. Schon allein aus dem Grund, dass der Feldchirurg eine rein äußerliche Ähnlichkeit zwischen Fisch und Patient festgestellt haben will, war ihm der alberne Schwätzer unsympathisch.

Siebte Szene:

In Stockholm hat König Gustavus Adolphus IV. in der Absicht, aus dem Schloss zu fliehen, sein Bündel geschnürt. Auf der Flucht erwischt, wird er von Militärs festgenommen. Der König missversteht seine Gefangennahme und denkt, es seien missratene Engel, die seine Flucht stoppen. Man hört ihn schreien: „Michael, Michael, sie lassen mich fallen. Die Verbündeten lassen mich fallen. Aber Gott wird mir bestimmt helfen.“

Mikael, Mikael …
de sveg mig
mina bundsförwanter svek mig
men Gud hjälper väl mig!“

Döbeln spult seinen Vers herunter, er solle nicht versäumen seinen Vorteil zu beobachten und Nachteile außen vor lassen. Er bekennt, sich zwischen dem Doppeladler und den drei Kronen, zwischen Loyalität und Pomp, zwischen Messer und Gewehr wiederzufinden. Aber tatsächlich sei er hier und steckt im Eis fest. Der Feldchirurg unterrichte ihn soeben über des Königs Gefangennahme durch die Russen.

Im Schiffswrack ist plötzlich - wie im Auge eines Hurrkans - Ruhe eingetreten. Döbeln und Döbeln-Traumfigur beobachten einander auf Distanz. In einem Moment von Übersicht und Klarheit realisiert Döbeln, was bedacht werden sollte und was getan werden muss, aber dazu ist es leider zu spät. Der Feldchirurg berichtet ferner, dass der König indisponiert gewesen sein soll.

Döbeln ist deprimiert! Seine Opiumträume büßen alle Klarheit ein und lassen, aus der Emotion geboren, noch einige Gedankenfetzen frei, die Hoffnung, Unsinn und Verzweiflung ausdrücken. Der König wurde gefangengesetzt. Der innere Kampf eines Mannes mag edel sei, muss aber nicht unbedingt die Historie spiegeln. Es gab eine Differenz zwischen Zar und König. Attackiert von den Russen, musste er aufgeben. Die Verbindung wurde zerstört. Der König ist davon gegangen. Alles ist vorbei. Madame hat es bestätigt. Auf dem Archipel möchte Döbeln begraben werden. Das Eisfeld und die Wüsten Ägyptens haben aufgehört, zu existieren.

Döbeln reflektiert: Eine schwedische Abteilung ist nach Stockholm marschiert, um den König abzusetzen, während die Feinde auf den Brücken der Hauptstadt triumphierten. Das ist mehr er als er begreifen kann. Es ertönt die Fanfare für einen abgesetzten König.

Das Volk ist abgespalten
Die Wasser erzählen das gleiche.
Ein hinfälliger unglücklicher König
gehört nicht abgesetzt.
Einer hätte ihn abstützen müssen,
ein Support ihm assistieren.
Er hätte nicht abgesetzt werden dürfen
Revolution ist überall
es ist die schlimmste Alternative
die ein Volks abspaltet.
Die Wasser erzählen das Gleiche“

Döbeln schickt sich an, dem Opiumrausch zu entsteigen. Aus dem Feldlazarett ertönt die Stimme des Chirurgen, dass er daran denkt, jetzt ein paar Knochenstücke zu bewegen.

ZWISCHENSPIEL

Achte Szene:

Zurückgekehrt zum Operationstisch! Der Eingriff wird ausgeführt vom Chefarzt und seinen beiden Assistentinnen. Auf dem Boden befinden sich Knochensplitter und Blut. Nun realisiert Döbeln, dass alle Merkwürdigkeiten, die er erlebte, nicht Realität waren, sondern dem Einfluss der Spritze zuzuschreiben sind.

Döbeln fängt von Neuem an, die Brote zu zählen:“Tretusenniohundranittionio“ Der Feldchirurg gibt der Foffnung Ausdruck, dass man den Eingriff jetzt wagen könne. Es wird schon alles gutgehen! Viele kleine Knochenstückchen sind aus dem Schädel zu entfernen. Die Assistenzärzte sind auch der Ansicht, dass man mit dem Wagnis jetzt beginnen sollte. Es ist eine große Aufgabe. Döbeln befindet sich erneut in einem Opiumrausch. Er zählt wieder russische Zwiebelpfannkuchen. Das Volk ist abgespalten und die Wasser des baltischen Meeres berichten das Gleiche.

Åland


Anmerkungen:

Ein großangelegtes Historiengemälde in chronologischer Reihenfolge über das Leben von Georg Carl von Döbeln zu entwerfen, lag nicht in der Absicht des Komponisten. Sein Librettist verlegte die Handlung ins Surrealistische und erzählt den Ablauf eines medizinisch verordneten Opiumrauschs, der Einzelheiten aus dem Leben des skandinavischen Generals durchsickern lässt. Die Charakterzeichnung des Bühnenhelden ist vertrackt, denn er tritt gleichzeitig in drei verschiedenen Gestalten auf. Als verletzter General sowie als zweites Ego, welches Kenntnis von Ereignissen hat, die zum Zeitpunkt der Verwundung durch eine feindliche Kugel noch gar nicht stattgefunden haben. Schließlich findet er sich in der Transformation einer Quappe wieder, wird zum Abendessen verzehrt, an dem er selbst teilnimmt. Der Opernbesucher bekommt somit auch einiges zu schlucken und hat zu unterscheiden, ob Tiefsinn verzapft oder nur geblödelt wird.

Die Musik ist das Beste am Stück. Mit Spannung und Humor aufgeladen, gibt sie sich äußerst differenziert und dringt in Klangwelten vor, die so bisher noch nicht gehört wurden. Der burleske Aspekt in der Oper verdeckt den tragischen Einschlag, besonders in der Gestalt König Gustav Adolphs fast völlig. Der Handlungsfaden ist straff angezogen, beschränkt sich auf das Notwendigste und macht neugierig auf die Kenntnis der tatsächlichen historischen Abläufe.

Niemals gelangweilt, genießt der Liebhaber moderner Musik ein Meisterwerk der zeitgenössischen Musik erster Güteklasse. Jahrgang 1972, ist Sebastian Fagerlund der Jüngste in der Rangliste prominenter finnischer Komponisten. Neben einem Klarinettenkonzert wertet man das vorliegende im Jahre 2009 komponierte Festspielereignis als sein Hauptwerk.

***
2011 musrony – Engelbert Hellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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